Samstag, 27. September 2014

Alpine Abenteuer - Tag 3

Tag 3: 12,3km, 870m hoch, 790m runter

Schon den ganzen vorherigen Nachmittag hatte ich mich auf das kommende Frühstück gefreut. Es war streng von 7:30 Uhr bis 8:00 Uhr terminiert, und so stand ich um viertel acht ungeduldig vor der Tür des Frühstücksraums. Ich finde das Frühstück ist einfach die beste Mahlzeit des Tages!
Dann durften wir es uns auch wirklich schmecken lassen. Jeder bekam ein Brötchen und zwei Scheiben (wahrscheinlich selbstgebackenes) Brot, das unglaublich lecker war. Dazu Aufschnitt und Marmelade, Honig und Südtiroler Nutella-Verschnitt. Für die ganz scham- und skrupellosen (also mich) stand zusätzlich auch noch Müsli und Cornflakes bereit. Zu trinken gab es warme Milch, die im Kaffee-Automat auch noch aufgeschäumt wurde. Traumhaft, dieser Milchschaum!!
Außerdem durften wir uns noch einen knackig grünen Apfel mitnehmen, endlich wieder etwas Frisches.
Dann packten wir alle unsere Sachen wieder ein, die wirklich trocken geworden waren. Als ein fetter Weberknecht über den Boden stolzierte, wusste Timon auch, was ihm in der Nacht die Beine hoch und runter gekrabbelt war.
Dann ging es los - wieder in dickem Nebel, aber in bester Stimmung.
Es ging zunächst ziemlich bergab und der Weg war sehr steinig und schmal. Dadurch, dass alles so feucht war, hatte man kaum Halt. Durch den Nebel konnten wir wenigstens netterweise nicht sehen, wie tief es den Abhang neben uns hinunterging. Wie in den letzten Tagen wanderten wir in kompletter Einsamkeit und trafen keinen Menschen. Die Gegend war karg, die Baumgrenze hatten wir schon am ersten Tag überschritten.
Ich mochte dieses stille, gedankenlose Wandern total. Nichts hat einen abgelenkt, man konnte nachdenken oder auch nicht. Man war immer in Bewegung, ist einfach gelaufen und gelaufen. Man musste nichts anderes tun. Es war kühl, aber spätestens nach dem nächsten Aufstieg war der Körper wieder gut gewärmt. Ganz von allein, ohne die Hilfe von irgendwelchen Heizungen o.ä. Es war so unglaublich still, der Nebel hat alles gedämpft. Wir dachten nur von Wegmarkierung zu Wegmarkierung.

Nur der Berg und wir
Alles ist feucht und kühl
Schließlich kamen wir an eine etwas heiklere Stelle, der einzige auf der ganzen Wanderung an der am Rand ein Seil gespannt war. Ich glaubte erst nicht, dass wir da wirklich hinüber kommen würden, aber es gab ja keinen anderen Weg. Also hangelten wir uns vorsichtig über die rutschigen Steine, die auch noch sehr steil waren, am Abhang entlang. Es hat funktioniert, niemand hat sich etwas getan - und weiter gehts.

Riskante Kletterei
Dass an diesem Tag überhaupt nichts passiert ist, sich nicht mal jemand von uns den Knöchel verstaucht hat, ist für mich ein echtes Wunder. Wir wanderten kilometerweit über Steinfelder, wo man bei jedem Stein erst wenn man darauf steht feststellt, ob er locker ist oder nicht. Außerdem waren die meisten mit gelbem Moos überzogen, die sie wahnsinnig rutschig machten. Aber es ging alles gut.
Inmitten dieses Steinfelds kamen wir dann an einer Metallplatte vorbei, die an jemanden erinnerte, der dort verstorben war. Es war ein unheimlicher Moment, verstärkt durch diesen Nebel und die Stille.
Wir befanden uns auf 2500m Höhe und am Nachnmittag kamen wir an die Flaggerscharten-Hütte, die nur per Hubschrauber beliefert werden kann. Wir hatten schon lange überlegt, ob wir uns wieder eine Übernachtung im Lager leisten sollten oder es uns sparen könnten. Es war eine sehr alpine Gegend, und das Thermometer an der Hütte zeigte 4 Grad an. Keine idealen Bedingungen um zu zelten, und die vorletzte Nacht war uns noch in schlimmer Erinnerung.
Wir beschlossen, erst einmal nach dem Preis zu fragen. Mit Studentenrabatt betrug der 40€ - ganz schön viel. Wir gingen wieder vor die Tür und beratschlagten uns. Da kam die Wirtin heraus zu uns und lud uns erstens ein, uns drinnen zu beratschlagen, und bot uns zweitens an, vor der Hütte zelten zu dürfen, falls wir das wollten. Es war eine richtig freundliche, junge Frau, die ganz begeistert davon war, dass immer mehr Leute in den Bergen zelten. Als wir sagten, dass wir möglicherweise auch noch ein bis zwei Stunden laufen würden, beschrieb sie uns sofort eine Gegend, die ideal zum zelten sei, mit Wasserbächen und ebenen Flächen.
Von ihr so ermutigt, entschieden wir uns also für eine weitere Nacht im Freien. Für den tollen Tipp aßen wir noch etwas in der urigen, gemütlichen Hütte und wärmten uns auf. Es gab eine Pfanne Apfelschmarrn für uns alle, für den wir am Ende auch noch einen "guten Preis" von der Wirtin, nämlich gerade einmal 15€ für alles bezahlten. Beschwingt von der Freundlichkeit dieser Wirtin machten wir uns wieder auf. Wir hatten eine weitere Scharte zu bezwingen, über einen sehr schmalen Weg aus rutschender Erde. Es war meistens nicht viel mehr als ein Absatz am Hang, gerade breit genug um kurz darauf zu treten.
Auf der Spitze begegneten wir dann einer kompletten Schulklasse - glücklicherweise dort oben, wo wir eine Weile ausweichen konnten! Schnaufend passierten uns die ca. 17-18 Jährigen, wobei sich einer ihrer Lehrer wunderte, warum wir noch so spät in dieser Gegend unterwegs seien, wo doch in der Richtung so bald keine Hütte komme, und eine andere Lehrerin uns fragte, warum wir so blöd da rum stehen, bis ihr aufging, dass wir gar nicht zu ihrer Gruppe dazugehörten.
Danach ging es ein gutes Stück abwärts, bis wir dorthin kamen, wo wir unser Lager aufschlagen wollten. Wir waren immerhin nur noch auf 2300m Höhe, trotzdem noch ganz schön viel zum Übernachten im Freien. Aber es war tatsächlich eine ideale Stelle.

Zwischen zwei Bächen ein schöner Platz zum Lagern
Die zweite Konstruktion, eine umfassende Verbesserung
Wir bauten wieder die Plane auf und hatten diesmal aus unseren Fehlern gelernt. Was wir an diesem Nachmittag aufbauten, hielt tatsächlich so die ganze Nacht, und auch wenn wir die Plane in den Gesichtern hängen hatten weil es nach hinten ganz schön tief wurde, habe ich mich wesentlich geschützter und besser gefühlt als in der ersten Nacht. Es war wieder enorm kalt, aber mit zwei T-Shirts, einem dünnen und einem dicken Pullover habe ich es im Schlafsack gut ausgehalten. In dieser Nacht regnete es nur wenig und auch der Wind hielt sich in Grenzen. Endlich erfolgreich draußen geschlafen!

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