Tag 2: 12,1km, 510m hoch, 430m runter
Endlich war es wieder hell. Uns war eisekalt. Es war nur Nebel zu sehen. Alles war feucht oder zumindest klamm. Die Knochen taten weh, von der vorherigen Tour und den unbequemen Schlafpositionen. Wir waren müde. Ziemlich wortlos brachten wir all unsere Sachen in die Kapelle und bereiteten sie da notdürftig zum Trocknen aus. In der Kapelle war Bauschutt, und alles war bald von einer weißen, hartnäckig klebenden Dreckschicht überzogen. Bei jedem Griff taten die kalten Finger weh. Wir rührten uns unser Essen zusammen* und schlangen es missmutig hinunter.
Keiner sagte etwas, aber hätte einer angefangen und ausgesprochen was alle dachten, nämlich dass niemand mehr Lust auf die Tour hat, hätten wir sicherlich abgebrochen. So aber packten wir nach einer halben Stunde alles zusammen, natürlich war noch nichts getrocknet, und brachen auf. Die nächste Etappe, und lieber nicht zu genau nachdenken über den Abend! Vielleicht kann man ja auf einer Hütte übernachten.
Es war den ganzen Tag neblig und ging ziemlich eben auf einem breiten Wanderweg entlang. Langweilig! Wir hatten keine gute Laune. Unser Mittagessen aßen wir irgendwann schnell im Stehen am Weg, weil alles nass war und man sich nirgendwo hinsetzen konnte. Immerhin wurde uns beim Laufen wieder einigermaßen warm, ein schönes Gefühl.
 |
| Ziemlich eintöniger Weg |
 |
| Am Schluß ging es noch einmal ein bisschen aufwärts |
Am Nachmittag kamen wir an der Latzfonser Kreuz-Hütte an, die auf 2300m neben einer Kirche, dem höchsten Wallfahrtsort in Europa, liegt. Wir hatten uns mittlerweile entschieden, uns diese eine Nacht auf der Hütte zu gönnen, auch wenn es teurer werden würde als vorher kalkuliert. 24€ für eine Übernachtung mit Frühstück sind ja aber auch noch vertretbar. Und es war so gut investiertes Geld!
 |
| Schutzhütte am Latzfonser Kreuz |
Etwas zaghaft kamen wir dort an und fragten, ob noch drei Betten im Matratzenlager frei seien. Ja!
Und so genoßen wir in den kommenden Stunden ungeahnten Luxus. Es war warm, es war trocken. Wir hatten drei Betten in einer Ecke des Lagers, und alle anderen Betten um uns herum blieben für diese Nacht auch frei. Also hatten wir Ruhe. Außerdem echte Toiletten, und Waschbecken mit fließendem Wasser. Wir konnten uns waschen!! Meine Freude über diese Waschbecken kannte kaum Grenzen. Ich wusch erst mich, dann meine Kleidung, dann meine Haare. Und dann hingen wir alles an Wäscheleinen und -ständern auf. Es war überragend! Alle Probleme, die im Laufe der letzten Nacht entstanden waren und uns so sehr aufs Gemüt drückten, wurden gelöst.
 |
| Im Matratzenlager - Alle Wäscheleinen wurden ausgenutzt |
Am Abend ließen sich die Jungs auch noch einen Nudelteller schmecken, ein weiterer Stimmungsaufheller. Dann spielten wir ganz gemütlich Karten auf unseren Betten, ohne Angst vor Wind und Regen haben zu müssen. Normalerweise hätten wir vom Latzfonser Kreuz auch eine großartige Aussicht haben können und sogar die Dolomiten sehen sollen, aber das blieb uns durch den Nebel verwehrt. Mir machte das nichts mehr aus, ich war selig. Gegen Abend kam eine Wandergruppe von Frauen an, die auch im Lager schliefen. Aber sie waren so mucksmäuschenstill, niemand hat geschnarcht oder auch nur laut geatmet! Ich habe herrlich geschlafen.
*Das Essen:
Eine Wanderung ist eine besondere Herausforderung an den Körper. Man benötigt enorm viel Energie. Da man aber alles Essen tragen können muss, benötigt man Nahrungsmittel, die sehr energiereich (viele Kohlenhydrate!) sind, nicht so schnell verderben und nebenbei noch möglichst leicht sind.Weil wir kein Kochgeschirr mitschleppen konnten, musste sich alles auch kalt zubereiten lassen.
Ideal sind Haferflocken/Müsli, Vollkornbrot, Müsli-Riegel, Nüsse, Trockenfrüchte.
Wir haben uns ein etwas eigenes Menü zusammengestellt: jeder hatte eine fette Tüte Müsli dabei, das wir mit Babybrei aus Pulver gelöffelt haben. Babybrei, weil Milchpulver so teuer ist und auch nicht unbedingt gut schmeckt, außerdem ist viel Zucker im Brei und es gibt eine Menge unterschiedlicher Sorten. Ich fand diese Kombination richtig lecker, die anderen konnten sie gegen Ende der Wanderung nicht mehr sehen.
 |
| Anrühren des Babybreipulvers mit Wasser - eine echte Wissenschaft, um die richtige Konsistenz zu finden! |
 |
| Zusammen mit Müsli eine, wie ich finde, schmackhafte Mahlzeit. Die Meinungen gehen auseinander. |
Timon hatte außerdem Vollkornbrot und ein Stück Käse dabei, darauf war Max irgendwann sehr neidisch. Als Energielieferant in kleineren Pausen haben sich die Müsli-Riegel sehr bewährt, die jeder dabei hatte. Genauso wie kleine Salamis, die nicht gekühlt werden müssen. Eine Magnesium-Tablette am Tag hat die Nährstoffzufuhr abgerundet.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen