Tag 4: 15,3km, 900m hoch, 1220m runter
Als wir aufstanden froren wir wieder einmal wie die Schneider. Aber es war blauer Himmel zu sehen! Zum ersten Mal seit Tagen gab es Fetzen in der Wolkendecke und der Nebelwand.Mittlerweile routiniert rührten wir unser Essen zusammen und bauten unser Zelt ab. Die Aussicht auf möglicherweise besseres Wetter bescherte uns gute Laune und wir wanderten guten Mutes los.
Tatsächlich dauerte es nicht allzu lange, bis uns die ersten echten Sonnenstrahlen erreichten. Es war eine faszinierende Stimmung zusammen mit dem sich auflösenden Nebel.
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| Der Tag als der Nebel verschwand |
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| Gratwanderung |
Nach dem Mittagessen waren wir extrem müde und glaubten gar nicht, dass wir nochmal in Schwung kommen würden, trotzdem sind wir hinterher nochmal genauso weit gewandert. Wieder am Grat entlang, direkt über der Passstraße. Irgendwann musste ich pinkeln und es war so lustig: hoch oben über allen, gefühlt auf dem Präsentierteller saß ich und sah den Autos und Motorrädern zu. "1000 Meter über allen anderen pinkeln gehen" - hätte ich es nicht schon getan würde ich es auf meine Lebens-To-do-Liste schreiben.
Wir kamen schließlich ziemlich weit oben an zwei Seen an, von denen wir auf der Karte dachten dass sie in einer Gegend seien, wo man gut übernachten kann. Es war allerdings viel zu windig und steinig, sodass wir uns entschlossen, doch noch über den Berg zu wandern und dann den Abstieg hinter uns zu bringen, vor dem ich schon lange Angst hatte. Was folgte, war zunächst das Gerölljoch - ein riesiges Steinfeld an einem Teil des Berges, wo keine Sonne hinkommt. Uns schloss wieder der altbekannte Nebel ein, die Gegend war ohne jedes Leben, wir kletterten lange über Steine scheinbar ohne vorwärts zu kommen. Sogar an einem Schneefeld sind wir vorbeigelaufen. Es war wirklich ungemütlich und da der Nachmittag schon fortgeschritten war machte ich mir langsam Sorgen, ob wir rechtzeitig einen Übernachtungsplatz finden würden. Das Outdoor-Leben hat seinen speziellen Rhythmus: da man vor Einbruch der Dunkelheit alles erledigt haben sollte, drehen sich die Gedanken schon ab drei Uhr nachmittags nur noch um den Schlafplatz. Und weil es ab kurz nach acht stockfinster ist, kommt man auch nicht mehr auf die Idee, um diese Uhrzeit etwas anderes zu tun als zu schlafen.
Als wir das Gerölljoch endlich hinter uns gebracht hatten, wartete der Abstieg, der auch in der Karte nicht mehr als Weg, sondern nur noch als Steig eingezeichnet war. Es war steil und steinig. Mit höchster Konzentration, ganz langsam und vorsichtig wagten wir Schritt für Schritt. Immer wieder verlor man den Halt, man klammerte sich krampfhaft an die großen Steine die wirklich fest und nicht, wie scheinbar alles andere, im rutschen waren. Es war wieder eine Situation, die ich gerne übersprungen hätte, aber auch hier hat Gott uns bewahrt und uns sicher nach unten gebracht. Es war ein erhebendes Gefühl, nach der Steinwelt dort oben wieder grüne Wiesen zu sehen und dann sanft ins Tal abzusteigen. Außerdem ging genau in diesem Moment Max' Schuh kaputt, die Sohle löste sich. Er konnte das Bein beim laufen nur noch hinter sich herziehen. Wie gut, dass es nicht bei dem gefährlichen Abstieg passiert war!
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| Nach dem schwierigen Abstieg "grüne Auen" |
An diesem Abend habe ich mich in dem Gebirgsbach gewaschen, der da vorbeifloss. Er war so eiskalt, dass ich meine Beine gar nicht mehr gespürt habe als ich drin stand, und den Kopf unter das fließende Wasser zu halten war eine echte Überwindung. Aber hinterher war mir wohlig warm und ich stolz wie Bolle. "Waschen in einem Gebirgsbach": abgehakt!
Nach unserem altbekannten Müsli-Babybrei-Misch, der mittlerweile nicht mehr auf ganz so viel Begeisterung stieß (bei mir schon!) betteten wir uns zur Ruhe und genossen den letzten Abend im Freien.



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