Brunost, den süßen Käse, habe ich heute endlich probiert. Ich hatte mehr erwartet. Er schmeckt weder besonders gut, noch besonders schlecht, erinnert am ehesten noch an Schmelzkäse-Scheiben. Ich kann mir nicht vorstellen, den mit Marmelade zu essen und es wird definitiv nicht mein neues Lieblingsessen, auch wenn man mir erklärte, dass ich nur jeden Tag Brunost essen müsse, um zu einem echten Norweger zu werden.
Cider und Bier und Wein und Sekt haben mir meine fürsorglichen Kollegen am Samstag zum Festival in rauen Mengen in die Hand gedrückt. Eigentlich war ich schon nach dem Vorglühen bei einem Kollegen gut bedient, aber auch dort auf dem Gelände spendierte man mir ohne Ende. Dementsprechend litt ich Sonntag ein wenig.
Dänisch, finnisch, eritreisch und isländisch sind meine Mitbewohner, die ab nächster Woche kommen werden. Scheinbar haben sie alle Ausländer in ein Häuschen gepackt, ich bin gespannt auf sie!
Echte Kronen hatte ich noch gar nicht in der Hand. Hier wird alles mit Kreditkarte bezahlt, jeder Kleinstbetrag überall.
Festivalzeit! Im August finden nicht weniger als 3 Festivals in Haugesund statt, das in Vangen habe ich schon miterlebt. Ab morgen gibt es außerdem ein Jazzfestival und in zwei Wochen ein Filmfestival. Nirgendwann anders ist das Städtchen so in Aufruhr wie zu dieser Zeit und ich freue mich auf viele neue Eindrücke.
Grønnsaker sind in Norwegen echt teuer. Kartoffeln 4€ je anderthalb Kilo. Ein Eisberg 1,50€. Eine Gurke 1,70€. Tomaten 3€/Kilo. Da denke ich mit Wehmut zurück ans Maybachufer, andererseits gewöhnt man sich auch wahnsinnig schnell an die neuen Dimensionen und zuckt nicht mehr ganz so oft zusammen.
Haugesund ist wahnsinnig schön. Berge und Meer sind gerade einmal zwei Kilometer voneinander entfernt, das heißt je nachdem worauf ich Lust habe gehe ich von der Haustür aus entweder nach links oder nach rechts. An den Hängen drängen sich vor allem weiße Holzhäuser aneinander, zwischendrin gibt es viele verwinkelte Gassen, echte Abkürzungen für Fußgänger und Fahrradfahrer wenn man sie denn entdeckt.
Iversen Skogen ist der coolste Arbeitgeber den ich jemals hatte. Nach genau 8 Stunden werden hier die Taschen gepackt und die Heimwege angetreten, vom Lunsj erzähle ich noch, es gibt eine Tischtennisplatte, ständig gemeinsame Ausflüge, viel Gewitzel auf Snapchat und Slack, einem anderen Chatprogramm auch nach Feierabend. Es herrscht eine extrem gute, freundschaftliche Atmosphäre. Ich bin stolz, dazuzugehören.
Jede Menge kreischende Möwen gibt es hier, die zusammen mit dem Wind und dem Meer konstant für Urlaubsstimmung sorgen. Schön!!
Kaffee wird tatsächlich in Unmengen konsumiert, morgens, mittags, abends, aus zwei großen Thermoskannen die im Büro stehen und ständig neu gefüllt werden. Es war eine der ersten Fragen am Montagmorgen, ob ich Kaffee mag. "Ja." "Gut!" - schon hatte ich die erste Probe bestanden. Allerdings wird hier ausnahmslos schwarz getrunken, mit meiner Milch stehe ich alleine da. Deutsche Unsitten, wird man sich denken.
Lunsj ist echt herausragend herrlich! Pünktlich um elf wird der Tisch im Büro gedeckt und mit frischem Brot, Fleisch, Käse, Marmeladen, Joghurt, Orangensaft, Knäckebrot und anderen norwegische Besonderheiten, die ich noch nicht alle erfasst habe, vollgeladen. Dann kommen alle zu einer kleinen Mittagspause zusammen. Das ist so gemütlich und schön! Und die Zeit wird nicht von der Arbeitszeit abgezogen, was aber auch niemand ausnutzt.
Abendessen gibt es in Norwegen dann übrigens traditionell gegen 17 Uhr, also auch ziemlich früh. Ich finde, daran kann man sich gut gewöhnen.
Manche Mechanismen musste ich mir erst durch viel logisches Denken erschließen. Die Klospülung drückt man z.B. nicht, sondern man zieht einen kleinen Knüppel nach oben und schiebt ihn dann zum beenden wieder zurück. Beim ersten Mal stand ich eine Weile ratlos davor! Türenschließen war und ist auch eine echte Herausforderung. Erstens wird der Schlüssel im Schloss nicht rumgedreht und dann rausgezogen, sondern nur eine Vierteldrehung im Uhrzeigersinn, dann zurückgedreht und dann herausgenommen. Außerdem sind die Türen hier im Studentbolig alle Brandschutztüren, das heißt man muss sie mit sehr viel Nachdruck zuknallen damit sie wirklich einrasten und schließbar werden. Dafür brauche ich manchmal 10 Anläufe und bin froh, dass ich bis jetzt erst einen Mitbewohner habe der sehr gutmütig und meistens nicht zu Hause ist.
Norwegisch - ich arbeite jeden Tag mit Hochtouren daran, dieser Sprache Herr zu werden. In den Details ist sie doch sehr trickreich und es gibt viele Regeln zu beachten, die mit ebenso vielen Ausnahmen außer Kraft gesetzt werden. Lesen geht tatsächlich schon ganz gut, zumindest kleinere Passagen kann ich mir erschließen. Sprechen wage ich noch kaum, aus Angst es falsch zu machen (dabei gibt es eigentlich gar keine Ausspracheregeln). Verstehen kann ich leider fast gar nichts, was ziemlich deprimierend ist wenn man einem angeregten Wortschwall konzentriert zuhört und nichtmal ansatzweise herausbekommt, worum es denn eigentlich geht. Da muss ich mir noch irgendeine Herangehensweise überlegen.
Ordnung ist das halbe Leben, und deshalb gibt es einen festgesetzten Putzplan für unser Häuschen, und jeden Montag wird von oben kontrolliert, ob alles saubergemacht wurde. Das Erzieherische nervt ein bisschen, andererseits ist es wesentlich sauberer als zu Hause im anarchistischen Neukölln.
Polizeiöffnungszeiten - wochentags von 9 - 14 Uhr, am Wochenende zu. Ganz schön gemütlich, und blöd wenn man dort hinmuss um die obligatorische persönliche ID zu beantragen.
Quer über die Straßen führen überall und ständig Fußgängerüberwege, und alle Autos halten auch brav an (egal ob zu Fuß oder Fahrrad). Eine Ampel ist mir dafür bis jetzt noch gar nicht begegnet.
Ross heißt mein englischer Kollege, der seit 7 Jahren in Norwegen wohnt und eine norwegische Familie hat. Es sprechen immer noch alle englisch mit ihm, und irgendwie laufen innerhalb des Büros plötzlich Wetten, wer es nun innerhalb der drei Monate schneller lernt - er oder ich. Mein Ehrgeiz ist natürlich entfacht.
Snus ist die seltsamste norwegische Eigenart, die ich bis jetzt kennengelernt habe und ist eine Alternative zum rauchen. In einer Schachtel wie von Pulmoll befinden sich Mini-Teebeutelchen, die sich extrem viele Menschen oberhalb der Zähne zwischen Zahnfleisch und Lippen schieben und dort eine dreiviertel bis zwei Stunden behalten. Das Säckchen soll wohl prickeln, konstant Nikotin-Geschmack abgeben, ungesünder sein als echte Zigaretten und wird nach dem Gebrauch in den oberen, abgetrennten Teil der Dose gespuckt und bei manchen sofort wieder durch ein neues ersetzt.
Trønd-Arne ist ein Kollege, der einige Zeit in Deutschland (bzw. München) gelebt hat und ziemlich gut Deutsch spricht. Das ist ganz cool, zwischendurch mal für ein paar Minuten ein Gespräch auf Deutsch zu führen.
Unter 10 Minuten brauche ich, um zur Arbeit zu kommen. Es sind knapp 2 Kilometer, und geht eigentlich nur bergab - 40 Höhenmeter. Der perfekte Start in den Tag, und eine wunderbare Abwechslung zum Berliner Leben, wo die meisten Wege mindestens eine dreiviertel Stunde dauern, egal wohin.
Vangen hieß das Festivalgelände von Samstag, und es war mitten im Wald. Bei den konstanten Regengüssen auch reichlich schlammig, am Sonntag schrubbte ich eine halbe Stunde lang meine Stiefel. Als wir geschlossen zum Festival marschierten, kamen wir an einem festgefahrenen Auto vorbei. Ohne zu zögern schob es Kjetil, einer meiner Chefs an, und letztendlich vereinten wir die Kräfte aller Mitarbeiter, um das Gefährt wieder freizubekommen, mit Erfolg. So funktioniert Teambuilding!
Waschbecken war verstopft, von Anfang an. Das Wasser lief immer schlechter ab und am Sonntag gar nicht mehr, was mir echt schlechte Laune gemacht hat! Ich rechnete damit, mindestens für den Rest der Woche das Waschbecken nicht mehr nutzen zu können und wenn etwas technisches/mechanisches nicht funktioniert nervt mich das immer ganz besonders. Umso glücklicher war ich, als ich Montag nach meinem ersten Arbeitstag nach Hause kam und einen Zettel an meiner Tür entdeckte, dass es wieder in Ordnung sei! Nach meiner e-Mail hat der Hausmeister das Problem sofort behoben, und außerdem auch noch meine Lüftung gereinigt, die jetzt definitiv nicht mehr quietscht und scheppert. Ich liebe Hausmeister!
Zeit habe ich irgendwie in Massen. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch keinen Büchereiausweis habe und Lesestoff, der mir die Abendstunden verkürzt. Oder weil es viel länger hell ist als noch letzte Woche. Oder weil ich so pünktlich zwischen 4 und 5 nach Hause gehen kann. Oder weil ich in dieser neuen, andersartigen Gegend einfach nicht zur Ruhe kommen will. Jedenfalls unternehme und erledige ich abends noch richtig viel und es fühlt sich bei Weitem nicht so an als sei der Tag nach Feierabend zu Ende. Und so sah es gestern bei meinem Feierabendspaziergang aus:





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