Nun bin ich auch von meiner zweiten aufregenden Reise zurück, aber den Bericht dazu gibt es heute noch nicht. Dafür eine andere, auch ganz interessante Geschichte.
Es gibt da dieses Deutschlandstipendium. Das ist unabhängig von Religion, politischer Einstellung, Studiengang o.Ä. Es ist eine Kooperation von Staat und Wirtschaft, wobei beide Teile jeweils die Hälfte des Stipendiums übernehmen. Das Geld wird nicht aufs Bafög angerechnet und muss nicht zurückgezahlt werden. Unterstützt werden sollen Studenten, die gute Noten haben und sich sozial engagieren, einige andere Faktoren spielen untergeordnet auch noch mit hinein.
Über das alles habe ich mich schon vor vielen Monaten informiert. Die HTW vergibt dieses Stipendium auch, leider nur einmal im Jahr zum Wintersemester. Also musste ich warten, bis der diesjährige Bewerbungsprozess irgendwann im Frühjahr losging.
In der ersten Runde geht es nur um die Noten. Ich setzte also ein Häkchen, um zu veranlassen dass online überprüft wird, ob meine Noten im ersten Semester gut genug waren, und wartete. Ewig! Meine Kommilitonin bewarb sich auch, und erzählte mir, dass sie sich an der Hochschule hat beraten lassen und man ihr sagte, dass die Chancen so ein Deutschlandstipendium zu erhalten, ziemlich gut stehen. Letztes Jahr gab es mehr Stipendien als Bewerber - also hat jeder eins bekommen!
Je länger ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass meine Chancen tatsächlich ziemlich gut stehen.
Nachdem ich also irgendwann die Nachricht bekam, dass ich es durch die erste Runde des Auswahlverfahrens geschafft hatte, bemühte ich mich darum von der Berliner Obdachlosenhilfe ein Empfehlungsschreiben zu bekommen. Das dauerte zwar einige Zeit und ich musste mehrmals nachhaken, aber schließlich hatte ich so einen guten Wisch parat, dass die Bewerbung zu einer glasklaren Sache wurde. Ich engagiere mich sozial und bringe dabei auch noch das mit ein, was ich im Studium lerne - dadurch dass ich zur Zeit einen Flyer für die BOH erstelle. Besser geht es eigentlich gar nicht! Dazu noch die Tatsache, dass ich Bafög beziehe, und dass meine Eltern beide nicht studiert haben. Makellos, mustergültig.
Es ist etwas beschämend für mich, aber so war es - ich habe nicht mehr daran gezweifelt, ab Herbst eine ordentliche monatliche Finanzspritze zu erhalten. Was kann denn da noch schief gehen? Ich hatte mir schon genau überlegt, was ich mit dem Geld machen würde. Mir ein bisschen mehr Essensgeld gönnen. Die teuren Wanderschuhe, die ich mir vor dem Urlaub gekauft habe, hätte ich mit dem ersten Monat schon locker wieder drin gehabt. Im Herbst braucht man außerdem wieder neue Kleidung, das ist ja klar. Und zwar von Zara. Und ja, Gott, ich spende auch was! Ich werde Max in das türkische Restaurant einladen, an dem wir ständig vorbeigehen und wo die Sachen immer so lecker aussehen, die die Gäste draußen auf ihren Tellern haben. Ich werde auch die ganze Familie zu einem richtig schönen Eisbecher einladen. Nicht in Bernau, in Berlin, in einer richtig coolen Eisdiele! Außerdem habe ich ja diesen Perfetto bei mir am Hermannplatz, so einen Feinkostladen. Da werde ich mir mal so richtig gute Sachen gönnen, Müsli von Seitenbacher, und vielleicht sogar mal was von der Käsetheke.
Unschön, wie man sich da hineinsteigern kann und wieviel Raum man diesen Gedanken gibt, die sich nur um Geld und Konsum drehen. Wie die Tatsache, dass man mit Geld auch eine Menge tun kann, die nicht mir sondern anderen gut tun, nur vage und kurz bedacht wird.
Ich schickte also meine Bewerbung ab und flog nach Haiti. Ich hatte die Szene schon genau im Kopf, wie ich die Glückwunsch-e-Mail bekommen würde und wir das Ganze dann erstmal ein bisschen feiern würden. Ich konnte es gar nicht abwarten. Jeden Tag checkte ich die Mails ganz gezielt auf diese Nachricht.
Es kam die erste Woche nichts, und ich fragte mich, was denn da so lange dauern sollte. Die müssten doch völlig weggefegt sein von meinem Empfehlungsschreiben!
Die zweite Woche brach an und ich wurde richtig ungeduldig.
Ich machs kurz. Die e-Mail wurde nie abgeschickt. Mein e-Mail-Programm hat mich in letzter Zeit des Öfteren gelinkt, indem es e-Mails einfach verschluckte, ohne irgendetwas zu sagen. Ich sende Mails ganz normal ab und nur durch die fehlende Reaktion und schließlich einen Blick in den Ordner "Gesendet", in dem diese Mail nicht auftaucht, bemerkte ich überhaupt, dass nach dem Klick auf "Senden" und dem fertigen Ladebalken dazu die e-Mail nicht beim Empfänger landete, sondern im Nirgendwo.
Es war zwei Wochen nach Bewerbungsschluss. Mann Gott. Warum?!!
Ich habe meine Bewerung noch einmal abgeschickt, außerdem eine verzweifelte e-Mail an die Frau, die an der HTW dafür verantwortlich ist. Von beiden habe ich bis jetzt keine Antwort bekommen, nicht einmal die angeforderte Lesebestätigung. Die Sache ist durch. Wegen SOWAS!
Das Ganze ist so selten dämlich, dass es kein technischer Fehler sein kann. Bei dermaßen guten Aussichten am e-Mailprogramm zu scheitern, da muss etwas dahinter stecken. Ich verstehe es nicht und bin auch etwas beleidigt. Muss diese Lektion jetzt sein, was auch immer mir gelehrt werden soll?
Natürlich weiß ich, dass ein echter Grund dahinter steckt, und mittlerweile ist meine Enttäuschung zwar noch nicht verflogen, aber ich finde mich einigermaßen damit ab. Ein bisschen ist mir aufgegangen, wieviel ich von Geld abhängig mache und wie sehr ich mich da hineingesteigert habe.
Vielleicht kommt mir eines Tages die Erkenntnis und ich kann die Story meinen Enkelkindern erzählen, mit der Moral der Geschichte. Dass ich bei dem Nebenjob, den ich mir jetzt suche, den Mann fürs Leben gefunden habe. Oder Zara dann einstürzte, als ich dort einkaufen gewesen wäre. Oder Seitenbachermüsli mit Plastikteilchen verunreinigt ist. Oder sonst irgendetwas. Wer weiß. Es wird schon richtig sein, ne?
Hallo Jule,
AntwortenLöschenmir kamen beim Lesen die Tränen. Genau so wäre es mir gegangen mit den Gedanken. So Vieles im Leben machen wir abhängig von Geld und wenn wir es haben, dann denken wir, dass wir/ich das doch jetzt locker kann und der Gedanke an Gott, den Geber, der verschwindet so schnell und man vertraut dann auf sich selbst und die eigene Kraft.
Es ist schwer, solche Lektionen anzunehmen und daraus zu lernen. Aber Eines dürfen wir, also Du und auch ich selbst wissen, dass wir, wenn wir auf Gott vertrauen, wundervolle Erfahrungen machen dürfen. Es wird auch aus dieser Deiner jetzigen Erfahrung etwas Wunderbares entstehen, da bin ich mir ganz sicher.
Ich habe dieses Jahr auch schon so tolle Erlebnisse haben dürfen, mit denen ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet hätte. Und das einfach, weil ich auf Gott gehofft und vertraut habe. Davon hier zu berichten, würde den Rahmen sprengen :)
Ich wünsche Dir also von Herzen Gottvertrauen und ein Leben in Abhängigkeit von IHM.
Ganz liebe Grüße
von Karin aus Jena (aus der Gemeinde, wo Deine Großeltern sind)
Liebe Karin, vielen Dank für deinen Mut machenden Kommentar!
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