Samstag, 9. Februar 2013

Es gibt diese Traumstrände...

Heute war Strandtag angesagt! Und die Erwartungen an einen Karibikstrand sind definitiv nicht zu hoch.

Auch wenn man tatsächlich eine ganze Weile mit dem Auto fährt, es lohnt sich auf jeden Fall. Vor Allem, da Autofahrten jedes Mal spannend sind! Man sitzt drinnen, muss sich nicht selbst bewegen und die interessantesten Szenen werden an einem vorbeigetragen. Chaotische Märkte, waghalsige Fahrmanöver, interessante Persönlichkeiten. Alles sind immer nur Momente, die in Sekundenschnelle aufeinander folgen. Man hat definitiv immer was zu gucken.



Muss ich da noch viel zu sagen? Es war ein wirklich wunderschöner Strand. Es gab ein paar Liegestühle, eine Stelle an der Essen bereitet wurde und eine Treppe hinunter ans Wasser. Die wenigen Leute, die außer uns da waren, sind oben geblieben, so hatte man also wirklich total seine Ruhe.

Bei 30 Grad war das Wasser babybeckenwarm. Keine Überwindung, komplett unterzutauchen, wie ich das sonst von der Ostsee gewohnt bin.
Die Steine am Strand lassen einen sowieso relativ schnell ins Wasser hetzen.

Eine neue Erfahrung war auch der hohe Salzgehalt. Hier konnte man wirklich Toter Mann spielen und ging nicht unter! An der Ostsee habe ich das immer probiert und war kläglich gescheitert.
In dem glasklaren Wasser konnte man ein paar wenige kleine Fische sehen, und später auch einen Seestern.


Außerdem fanden wir einen Haufen Flip-Flops und andere gestrandete Sommerschuhe, Kokosnussschalen, Seeigelbruchteile, ein paar kleine "Lampi" (eine essbare Seeschnecke)-Muscheln, eine Menge Flaschen (ohne Post) und einen Schnorchler.

Ein wirklich richtig leckeres Essen, das punktgenau auf die bestellte Uhrzeit an den Tisch gebracht wurde, bestehend aus gegrilltem Fisch, Salat, Pommes und gebratenen Bananen rundete die ganze Sache ab.

Zusammenpacken mussten wir irgendwann, weil es anfing zu regnen... Davor ist man also auch in der Karibik nicht gefeit!

Haiti ist ein wunderschönes Land. An einem Wochenende sind wir am tiefblauen Meer und einem strahlend hellen Strand neben echten Kakteen, an einem anderen Wochenende in den Bergen bei angenehmen Temperaturen und frischem, grünen Gewächs überall und einer absolut reinen Luft... Ich bin so froh, diese herrlichen Flecken auf unserer Erde sehen zu dürfen.



Die fehlen natürlich nicht. Auf ein erfolgreiches Derby übermorgen!

Dienstag, 5. Februar 2013

Wow. Was für ein Moment!

Die Beerdigung, wo ich war, war ja von der Oma einer Schülerin, und auch unseres angestellten Holzschnitzers, die sind Geschwister.
Seit diese Frau gestorben ist, war er so niedergeschlagen und teilnahmslos. Bei der Beerdigung hat er hemmungslos geheult. Das tat mir immer total Leid, aber man kann ja nicht helfen!

Gott hilft. Heute hatten wir Besuch von einer Gruppe aus Deutschland. Im Gepäck hatten sie 8 Cajons. Falls das jemandem nichts sagt, das sind bessere Holzkästen, die als Trommeln zu benutzen sind und denen man relativ schnell schöne Rhythmen entlocken kann.

Nach dem Mittagessen haben wir schnell die Tische beiseite geschoben und die Schülerinnen haben sich auf diese Cajons gesetzt und nach einer kurzen Einführung konnte bald losgelegt werden, begleitend zu Musik.
Es war echt gut gemacht und man hat eine total coole Verwandlung gesehen. Anfangs waren sie ziemlich skeptisch, fanden das vielleicht sogar affig oder kindisch. Aber dann waren sie sehr schnell begeistert, so wie alle, und haben eifrig mitgetrommelt.
Unser Schnitzer war schon wieder an seine Arbeit gegangen, aber dann wurde er dazugeholt. Er ist Schlagzeuger. Er hat sofort seine Schwester von dem Cajon verbannt und mitgemacht, dabei hatte er den Dreh total schnell raus. Der Leiter dieses Schnellkurses konnte ihn sofort zu einem Solo einteilen, was er dann auch leidenschaftlich getrommelt hat.

In diesen Minuten war ein Glänzen in seinen Augen.

Hinterher ist der Leiter der deutschen Gruppe zu ihm hingegangen, und hat erzählt, dass er ihn schon von vor zwei Jahren kannte, wo er in einer Gemeinde Schlagzeug spielte die er besucht hat. Er fragte ihn "Bist du immer noch in der Gemeinde?" Verzögert durch die Dolmetscherin kam die Antwort. "Ja." "Und hast du Jesus lieb?" Die Frage beantwortete er mit einer Geste und einem Gesichtsausdruck, der klarmachte, dass ein "Ja" dafür nicht reichen würde.
Und dann meinte der Leiter: "Ich schenke dir das."

Was war das für ein Moment, was für ein Gesichtsausdruck, als die Dolmetscherin diesen Satz übersetzt hatte! Er war so glücklich, dass man einfach nur von Herzen mit ihm mit glücklich sein konnte. Es war überwältigend. Ich hoffe der großzügige Spender hat mitbekommen, was für ein Werk er da getan hat.

Ich weiß nicht, ob dieses leichte Lächeln heute noch von dem Gesicht unseres Holzschnitzers wegzubekommen ist.
Ich bin auf jeden Fall sehr euphorisch. Wieviel man ausrichten kann, mit einem Instrument, das vielleicht 50 Euro kostet! Und was das für ein Glücksgefühl auslöst, wenn man nur beobachtet wie überwältigt der Beschenkte ist. Viel mehr, als eine Jeans, die man für den selben Preis bekommen könnte, es jemals tun wird.

Wow. Ich glaube, Geben wird absolut unterbewertet.

Sonntag, 3. Februar 2013

Eine haitianische Beerdigung

Ich war noch nie auf einer Beerdigung (wie gut ich es habe!), aber ich glaube ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich sage eine haitianische Beerdigung ist sehr anders als eine deutsche.

Die Großmutter einer Schülerin von hier ist vor ein paar Tagen gestorben. Sie hat sich sehr darüber gefreut, dass wir gekommen sind.
Zunächst hieß es, die Beerdigung fange um 10 Uhr an. Heute Morgen wurde das dann kurzerhand auf 14 Uhr verschoben. Mit der Mentalität hier hätte ich als unspontaner Mensch wahrscheinlich meine Probleme.

Also waren wir um 14 Uhr an der haitianischen Kirche, vor der ein Pulk an äußerst aufgetakelten Menschen stand. Wer was auf sich hält als Frau trägt Stöckelschuhe, davon bleiben auch die Zweijährigen nicht verschont.
Am Eingang bekam man ein die Feier begleitendes Blatt in die Hand gedrückt. Das fand ich schon ziemlich deutsch. Das Interessanteste daran sind natürlich nicht die Lieder, sondern die Auflistung der Programmpunkte. Als feiererprobter Mensch habe ich nach einem kurzen Überfliegen schnell gemerkt, dass diese Beerdigung eine längere Sache werden würde.

Das fing schon damit an, dass keiner in Eile war, die Sache anzufangen. Gerade als wir bei den Toiletten waren... Hier muss ich kurz einen Zwischenbericht einschieben. Versteht man in Deutschland unter einer Toilette eine Porzellanschüssel in einem hellen, hygienisch reinen Raum mit ausreichend Beleuchtung, eine Spülung mit frischem, sauberem Wasser, eine Rolle Klopapier sowie mindestens drei Ersatzrollen, ordentlich über der Toilette aufgereiht, einem Toiletteneimer sowie einem Waschbecken mit feuchtigkeitspendender Seife und zum Höhepunkt Tücher aus Recyclepapier um die so reingewaschenen und gepflegten Hände sorgfältig zu trocknen, so ist in Haiti eine öffentliche Toilette nicht ganz eine Oase der privaten stillen Entspannung.
Ein Raum aus Betonwänden, ca. 1 Quadratmeter, eine Tür aus Wellblech die sich mit einem verrosteten Riegel immerhin verschließen lässt, dabei aber auch jegliches Licht ausschließt. Das war es auch schon im Großen und Ganzen. Ein Loch am unteren Ende einer Wand lässt erahnen, wohin man ungefähr zielen sollte, und wer es nicht sieht, riecht es.
Mein Fazit: seinen Zweck erfüllt diese Kabine, und ob ich mich nicht auf die Klobrille setze weil mir davor ekelt oder weil keine da ist, ist im Prinzip auch egal.
Draußen stand sogar ein Eimer und ein Stück Seife, um auch einem hygienebewussten Menschen keine Wünsche offen zu lassen.

Soviel dazu. Als wir also gerade bei den Toiletten waren, fing das Kreischen an. Wäre ich nicht vorgewarnt worden, hätte ich das vielleicht ziemlich gruselig gefunden, aber so ging es. Vor allem Frauen brüllten und schrieen, aber auch Männer stimmten mit ein.
Eigentlich keine schlechte Sache, seiner Trauer so Luft zu machen. Besser, als alles in sich hineinzufressen, oder?
Nur für die Kinder muss es ziemlich beängstigend sein. Sie stimmten dann auch beherzt in das Heulen mit ein.

Es muss gegen drei gewesen sein, als die Feier anfing und wir uns im hintersten Winkel der vollgestopften Kirche (ein paar Betonmauern mit einem Wellblechdach, nur um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen) auf einer Schulbank niederließen.

Dann wurden Lieder gesungen, gebetet (sehr ausführlich)...
Mich hat ein bisschen beängstigt, dass die Frau, die neben mir saß und aufgrund der Enge sehr an mich gequetscht wurde, fortwährend in ihr Taschentuch nieste und hustete. Hoffentlich nur eine Erkältung oder so.

Die Programmpunkte wurden ab und zu von lautem Schluchzen, bis hin zu Heulen und hyperventillierendem Schreien unterbrochen. Ich weiß nicht, wieviel davon Show und Hineinsteigern ist, denn es war wirklich krass wie manche Frauen völlig außer sich waren, rechts und links gestützt werden mussten und hinausbegleitet wurden.

Wir sind vorzeitig gegangen, sonst wäre ich wohl jetzt noch lange nicht hier.
Es war auf jeden Fall sehr interessant... Aber die hysterischen Schreie, die mir wirklich sehr selbstdarstellerisch vorkommen, sind glaube ich nichts, was unserer Kultur unbedingt fehlt.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Dankbarkeit

Vor ein paar Tagen hatte ich eine etwas seltsame Unterhaltung.
Als wir beim Perlendrehen eine Pause gemacht haben, habe ich eine Whatsapp-Nachricht an Mama geschrieben. Als mich ein Mädchen gefragt hat, mit wem ich schreibe, habe ich ihr es gesagt und sie fragte: "Is your mother married?" Ich habe gesagt: "Yes." Und dann fragte sie: "And your father?" Ich habe sie verständnislos angesehen. "Is your father married?" Beim dritten Mal habe ich dann verstanden, was sie gefragt hat und ich konnte nochmal bejahen. Schlussendlich habe ich dann auch bejaht, dass nicht nur meine Mutter, und sogar mein Vater, sondern beide zu allem Überfluss auch noch miteinander verheiratet sind!
Das war für mich so selbstverständlich. Im Nachhinein ist mir dann aufgegangen, dass es das vielleicht nicht ist.

Gerade hier in Haiti scheinen die Familienverhältnisse oft sehr zerrüttet zu sein. Kinder, die zu viel sind und von der Sache her als Haussklaven an andere Familien gegeben werden. Kinder, die ihre Eltern beim Erdbeben verloren haben und mit weniger Rechten als der Rest der Familie bei ihrer Verwandtschaft unterkommen. Kinder ohne Mutter, die weggegeben werden, weil der Vater neu heiratet und sie nicht als Last mit in die Ehe nehmen will.

Was für ein Vorrecht ist es, in einer liebevollen, intakten, gläubigen Familie zu leben. Mit einer großartigen Verwandtschaft. Im Wohlstand, in Deutschland, wo man so viele Möglichkeiten hat.
Ich überlege mir immer, was wäre, wenn ich hier geboren worden wäre. Ich hätte vielleicht eine mittelmäßige Schulausbildung gesprochen, spräche außer meiner Muttersprache ein bisschen Englisch. Würde die Ausbildungsstelle nehmen, die sich mir bietet. Und vielleicht Krankenschwester, oder irgendsoetwas werden.
Da sogar ein Bleistift hier ein hohes Gut ist, wäre ich wohl als kreativer Mensch nicht sehr weit gekommen.

Wie viel anders ist es in Deutschland! Wo ich schon so früh meine eigene Kamera hatte und so viel ausprobieren und lernen durfte. Dabei einen Opa, der sich Zeit für mich genommen hat, mir gezeigt hat wie man mit einer Kamera umgeht, und wie mit Photoshop, meine per Mail verschickten Bilder kommentiert und meine Fragen beantwortet hat.
Wo mir in der Schule nicht nur unglaublich viel zu vergessendes Fachwissen beigebracht wurde, sondern vor allem ein kritischer Mensch aus mir gemacht wurde, der Sachen hinterfragt und manches nicht so hinnehmen will, wie es ist.
Wo ich nach der Schule Zeit hatte, um meinen Hobbys nachzugehen. Mich meiner Kamera zu widmen, oder mich stundenlang in Büchern zu verlieren und damit Fantasie zu entwickeln, lernen, zu träumen.
Wo ich jeden Abend satt in meinem eigenen Zimmer in ein bequemes Bett fallen konnte und bestimmt auch wieder können werde.

Das Alles ist ja nur ein Bruchteil der Privilege, die man hier in Deutschland, und die ich als Jule habe.

Und trotzdem sieht mein Gebet jeden Abend so aus: ein paar Mal pflichtbewusstes "Danke", und dann geht es los, dann wird der Katalog an Wünschen runtergerattert. Wünsche für andere Menschen, ok. Aber auch so viele Wünsche für mich, für meine Zukünfte, Wünsche oder fast Forderungen.

Es ist beschämend. Deshalb habe ich gestern Abend versucht, nur zu danken und für andere Menschen zu bitten. Es war sehr schwer. Vor allem, nicht noch ein klitzekleines Wunschgebet hinterher zuschicken...

Aber Gott weiß, was gut für mich ist, und was ich brauche. Ich muss ihn nicht jeden Tag daran erinnern, was meiner Meinung nach jetzt angebracht wäre.
Viel sinnvoller ist doch danken, um sich selbst bewusst zu machen, wieviele Geschenke man jeden Tag bekommt. Und um damit seinen Blickwinkel zu verändern. Weg von den eigenen Vorstellungen und dem, von dem man glaubt es fehle noch. Hin zu dem Überfluss, den man genießen darf.

Schließlich noch ein letzter Gedanke: auch die Menschen hier sind glücklich, und holen das Beste aus ihrem Leben heraus. Was für eine Aufforderung an uns Deutsche, und vor allem an mich!

Dienstag, 15. Januar 2013

Wochenende

Es ist das Ende meiner ersten Woche hier, bzw. der Anfang der zweiten. Es fühlt sich an, als sei ich schon Monate hier. Und ich fühle mich wohl! Ich konnte schon einige Fotos für Chemin d'éspoir machen, von den wunderschönen Ketten die hier hergestellt werden und vom Unterricht. 
Von "draußen" konnte ich bei einer Autofahrt einen ganz guten Schuss machen.




Esperanzia





Diesen sollen natürlich noch viele folgen...

An das Wetter habe ich mich noch nicht gewöhnt, in dem Sinne, dass ich mich immer noch jeden Tag darüber freue, nicht frieren zu müssen, ohne Jacke rausgehen zu können, keine langen Hosen zu brauchen... Meistens sind so um die 25 Grad, also sehr angenehm, es gibt wenn denn nur wenige, weiße Wölkchen am Himmel und es weht immer eine leichte, erfrischende Brise. Nein, es liegt mir fern euch neidisch zu machen!!

Dass haitianische Essen ist wirklich nur zu empfehlen. Ich habe mittlerweile gebratene Bananen, Ziegenfleisch, eine Frucht deren Namen ich jetzt vergessen habe, Spiegelei à la Haiti, natürlich Reis und Bohnen, Haitis leckeres Brot und Zuckerrohr gegessen. Es schmeckt wirklich alles. Besonders angetan bin ich vom hiesigen Maisbrei. Den gab es heute auch wieder... Wesna hat ihn gekocht. "I cook corn. It's your favourite food?" Oh ja...

Wesna ist eine von den wirklich ganz lieben Schülerinnen hier. Wir verstehen uns sprachtechnisch zwar noch nicht gut, aber immer besser. Mit einem Mix aus Französisch, Englisch, Händen und Füßen kommt man meistens doch darauf, was der andere meint.
Was ich wirklich süß finde, ist, dass ich ständig nach meiner Familie gefragt werde. Ob ich Fotos habe, ob es Mama gut geht, usw.

Esperanzia, eine Schülerin die unter der Woche mit bei uns im Haus wohnt, hat mir gestern beigebracht eine Mahlzeit zu kochen (deren Namen ich leider auch vergessen habe, aber es sind Teigstückchen, die frittiert werden), und das mit viel Geduld und wenig Worten. Ich mag sie sehr.

Jeden Abend bevor ich einschlafe sage ich Danke zu Gott, dass ich hier sein darf. Es ist echt so gut, ich habe keine Verpflichtungen in dem Sinn (wie z.B. zu Hause, Bewerbungen schreiben, oder sowas), schaue trotzdem den Tag über, ob ich mich ein bisschen nützlich machen kann und manchmal gelingt mir das auch. Und das ist schön, wenn man helfen kann. Und das in einer Umgebung, die so neu und fremd ist, und spannend. Und voller netter Leute. Da ist es auch egal, dass es manche Sachen nicht gibt, oder man von Mücken ab und zu mal aufgefressen wird.

Bleibt nur noch eine Frage: werde ich braun? Ich beobachte es genau. Mal sehn. Haut, zick nicht rum!

Dienstag, 8. Januar 2013

Es war wirklich alles nicht so schlimm

... dass dieses Fazit kommen wird, war ja eigentlich schon klar. Aber tatsächlich, ich habe mir mal wieder viel zu viel Stress gemacht. Auch wenn ich heute letztendlich einen Tag zu spät in Haiti angekommen bin, es stressig, frustrierend, nervtötend und aufregend war... Es war alles nicht so schlimm.

Ich bin ja kaum in das erste Flugzeug gestiegen, als die, ich sage nicht Probleme, unerwarteten Abenteuer begannen. Man soll mit 2 Stunden Verspätung rechnen wegen Nebel in London, schlecht wenn man nur 1:40 Stunden zum Umsteigen hat. Letztendlich waren es doch keine 2 Stunden, aber ich habe meinen Flieger trotzdem nicht bekommen.
Die kommende Odyssee quer über den Flughafen, weil mich jeder woanders hingeschickt hat und ich sowieso immer nur die Hälfte verstanden habe (jajaja, 8 Jahre Englisch. In der Praxis sieht alles nochmal anders aus!). Ich bin also rumgerannt wie ein angeschossenes Wildschwein, bis ich endlich vor der Masse an Menschen stand, die alle genau das gleiche im Sinn hatten wie ich. Rebooking, einen neuen Flug bekommen. Es war ein ziemliches Chaos am Flughafen.

Hätte ich gewusst, dass ich in dieser Schlange fast 4 Stunden stehe, hätte ich vielleicht ähnlich wie einer der Mitleidenden einen wütenden Schrei ausgestoßen. Aber ich wusste es nicht, und so stand ich geduldig und ruhig an meinem Platz und freute mich auf einen Fortschritt in der Schlange von etwa 1m pro halbe Stunde.

Irgendwann kam Personal, das sonst gerne eine halbe Stunde mit einem Schwätzchen verbrachte, während wir uns die Beine in den Bauch gestanden haben, und hat Wasser verteilt. Als sich dann die ersten Leute Klappstühle in die Schlange holten, stellte man sich endgültig auf einen längeren Aufenthalt ein.

Dann gingen die Gerüchte umher. An diesem Tag würde gar kein Flug mehr fliegen, nach Amerika sei sogar der nächste Tag komplett ausgebucht...

Für mich lief es am Schluss auf die goldene Mitte raus. Ich habe an dem Tag wirklich kein Flugzeug mehr bestiegen, dafür ein Shuttle was mich zu einem sehr noblen Hotel und einem herrlichen Abendessen, sowie mindestens noch dopppelt so herrlichem Frühstück transportiert hat. Und am nächsten Tag habe ich meine Reise eben fortgesetzt.

Diese 9 einviertel Stunden Flug nach Miami waren auch strapazös. Vor allem weil neben mir ein Portugiese mindestens 80% der Zeit geschlafen hat und ich irgendwann extrem dringend aufs Klo musste. Was solls, auch das habe ich überlebt. Genauso wie die Nacht am Flughafen in Miami, die auch noch 6 Stunden länger war durch die Zeitumstellung. Ich bin 18 Uhr dort angekommen, bei mir war aber schon 24 Uhr. Mein Flug ging heute morgen um 7:20. Bis dahin habe ich eine dreiviertel Stunde in einem Sitz geschlafen, eine Stunde auf dem Boden und den Rest der Zeit mit Sudokus und Augen offen halten rumgebracht. Immerhin wurde mir nichts geklaut!

Auch die ganzen Sicherheitschecks und immigration und was es noch alles zu tun gibt waren gar nicht wirklich schlimm. Wahrscheinlich traut man mir sowieso nichts Böses zu und hat mich extra schnell durchgewunken.... ;)
Durchaus angenehm ist übrigens, wenn man in einer Riesenschlange voller englischsprechender Leute steht und plötzlich neben sich zwei Jungs berlinern hört. Das sind Momente voller Trost...

Naja, und der Flug heute war dann wirklich nur noch ein Klacks, die 2 Stunden gingen im Nu rum (wahrscheinlich auch weil ich sie größtenteils verpennt habe).
Wir sind dann über ein Gebirge nach Port-au-Prince geflogen und das war irgendwie cool. So eine wunderschöne Landschaft! Dann bin ich angekommen und plötzlich macht man die Erfahrung wie es ist, mit seiner Hautfarbe in der Minderheit zu sein.
Für mich ein absolutes Highlight war die Fahrt vom Flughafen zu meinem neuen Zuhause. Alles ist einfach genauso, wie man das immer erzählt bekommt und auf Bildern sieht und in Videos usw.... Es gibt keine Regeln, die Autos sind bunt angemalt und vollgestopft bis an den Rand, die Leute tragen ihr Zeug auf dem Kopf... Es war so krass für mich. Da habe ich wirklich gemerkt, dass ich jetzt da bin, in einer völlig neuen Welt.

Den "Hitzschlag" habe ich mir wesentlich schlimmer vorgestellt. Auch mit Jacke und Jeans habe ich es gut ausgehalten, wobei ne Leinenhose und T-Shirt natürlich angenehmer sind. Außerdem weht ein schöner Wind. Das Wiedersehen mit den ganzen Sachen in meinem Koffer war auch sehr schön. Und nach 3 Tagen mal wieder frische Klamotten anziehen zu können. Ansonsten habe ich hier ein cooles Zimmer, das Essen hat geschmeckt, ich habe einen super Laptop mit Internetzugang und Photoshop Elements.... Was kann man sich mehr wünschen?! Ich freue mich wie verrückt, hier zu sein.

Freitag, 28. Dezember 2012

Diese Zeit war eine Segenszeit

Jetzt, kurz bevor die Reise, zumindest zum Zwischenziel Berlin, losgeht, ist es wahrscheinlich nicht verkehrt, ein Fazit zu ziehen. Ein Fazit über diese letzten 2-3 Monate, über die ich noch so gejammert habe.
Aber diese Monate waren voller Segen und Sinn. Wie man es sich ja hätte denken können, denn bei Gott gibt es keine Löcher im Plan, keine sinnlose Wartezeit.

Ich habe es genossen, nochmal mit meiner Familie zusammenzuleben. Obwohl man sich ja eigentlich schon verabschiedet hatte. Taxi spielen für Felix, und Weihnachtsgeschenke mit ihm einkaufen gehen. Mit Maxe Pro Evolution Soccer spielen und in einer Kneipe ein Schalkespiel sehen. Mit Papa zum Herthaspiel in Sandhausen gehen oder sich nochmal hoch aufs Rauhörnle mit dem Fahrrad quälen. Mit Mama morgens ausgedehnt frühstücken und ganz viel quatschen.

Außerdem habe ich etwas entdeckt. Dass ich, wenn ich mich wirklich dahinter klemme und nicht aufgebe wenn ich keine Lust mehr habe, ein bisschen zeichnen kann. Und das habe ich auch viel gemacht. Gut für die Mappe, die ich für das Studium später brauche!

Und schließlich habe ich viel Sport gemacht, gelernt wie man einkauft, ein Bad putzt, und so weiter.

Es war wirklich eine gute Zeit! Und hätte ich mir von Anfang an erlaubt, sie zu genießen und das Beste draus zu machen, hätte ich mir ein bisschen Elend sparen können.
Und während Gott mir diese guten Wochen bereitet hat, hat er mir auch wieder einmal gezeigt, dass er sich um alles kümmert. Finanzielle Unterstützung habe ich von so vielen, und vor allen Dingen so vielen unerwarteten Seiten bekommen! Auch da hätte ich viel mehr auf Gott vertrauen können und mir einige Sorgen sparen können. Man weiß es doch eigentlich, und kriegt es doch nicht hin...

So kann ich mir höchstwahrscheinlich auch die Sorgen vor dem Flug sparen. Warum auch immer, mir ist Angst und Bange davor. In London muss ich umsteigen, in Miami übernachten. Klappt das mit den Sicherheitschecks, habe ich meine Koffer richtig gepackt, sind sie zu schwer, finde ich die Stelle wo das Hotelshuttle abfährt, krieg ich das mit dem Hotel hin (ich hab doch noch nie in einem Hotel übernachtet!!! Wann gibt man Trinkgeld, und wie läuft das Ein- und Auschecken?!), klappt das dann morgens um halb fünf mit dem Shuttle, kriege ich wieder so krasse Ohrenschmerzen beim Fliegen, ....???

Ich werde erleichtert sein, wenn ich in Port-au-prince festen Boden unter den Füßen habe und aus dem Flughafen raus bin. Ich freue mich darauf!

Bis dahin genieße ich noch die letzten Tage in Deutschland und wünsche auch euch ein schönes Rest- und ein frohes neues Jahr. Letztes Jahr um diese Zeit habe ich gedacht, dass ich dieses Jahr um diese Zeit irgendwo in Afrika sitzen würde. Wieviel hat sich seitdem getan! Wieviel Großartiges.

Achja, eine Sache zum Sorgenmachen gibt es noch. Als ich meinen großen Koffer zum Vorausschicken in den Hermesshop gebracht habe, hat der nette Mensch dort keine Ahnung gehabt was er zu tun hat. Ich bin gespannt, ob der Koffer ankommt! Ob man Koffer überhaupt an andere Paketshops schicken kann, konnte er uns natürlich auch nicht sagen. Ich habe es einfach gemacht. Und bete jetzt, dass er ankommt...