Es war schon komisch, das eigene Zimmer für 5 Wochen abzuschließen. Da habe ich gemerkt, dass diese 23 Quadratmeter mittlerweile wirklich mein Zuhause sind, mit der Geräuschkulisse der Straße und der Kneipe gegenüber, mit den Spinnen, die immer irgendwie im Bad auftauchen, mit dem Wasserkocher, der mal wieder entkalkt werden müsste und dem Kühlschrank der immer treu meinen geliebten Quark aufbewahrt und dabei immer leise seine Geräusche von sich gibt.
Ich werde Einiges vermissen an meinem Berliner Leben. Zum Beispiel das Fitnessstudio. Oder den Maybachufer-Markt. Sommerabende, in denen so viele Menschen auf den Straßen schlendern und einfach nicht nach Hause wollen. Die Bücherei. Und natürlich all die lieben Menschen die ich eine Weile nicht sehen werde. Es sind ja nur dreieinhalb Wochen.
Ich weiß, sobald ich eingecheckt bin, die erste Passagierkontrolle hinter mir habe und in der Wartehalle sitze bis mein Flug aufgerufen wird, werde ich im Reisemodus und alles wird wieder gut sein, die Mulmigkeit verflogen. Und wenn ich erst in Port-au-Prince gelandet sein werde ...
Ich fliege wieder sehr umständlich. Von Berlin nach Amsterdam, dann nach New York, dort muss ich ja über Nacht den Flughafen wechseln, dann fliege ich nochmal nach Atlanta bis ich schließlich das vierte Flugzeug besteige das mich nach Port-au-Prince bringen wird. So viele Möglichkeiten für Probleme und Dinge die schiefgehen können! Aber Gott hält ja seine Hand darüber.
Bei allem Schwermut gibt es natürlich auch viel, worauf ich mich freue. Edith viele Geschenke zu bringen. Mit ihr zu quatschen und sie wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Kreolisch zu hören und vielleicht auch nach einer Weile wieder zu verstehen. Haitianisch zu essen. Komplett raus zu sein aus dem, was ich sonst sehe, höre, um mich habe und jede Menge neue Eindrücke zu sammeln. Zu fotografieren. Zu bestaunen, was sich oben auf dem Berg getan hat, seit ich vor zwei Jahren das letzte Mal dort war. Und wie es in Haiti im August ist.
Ich bin sicher, es werden richtig gute dreieinhalb Wochen und in spätestens 48 Stunden werde ich gar nicht mehr verstehen, warum ich jetzt in dieser komischen Laune bin.
Es wäre toll, wenn ihr mit für mich beten würdet. Dann ginge es mir jetzt schon besser!
Um was ich Gott bitte:
- Flug: dass alles glatt geht. Kein Gepäckstück zu groß/zu schwer ist, nichts irgendwo drin ist, was Ärger macht. Dass kein Flug Verspätung hat (in Erinnerung an letztes Mal ...), oder zumindest nicht so, dass ich einen Anschlussflug nicht erwische. Dass ich zwischendurch nicht beklaut werde oder irgendetwas im Koffer kaputt geht. Dass ich heil ankomme und zwischendurch keine nervenden Sitznachbarn habe :)- In Haiti: dass ich helfen kann und nützlich sein werde. Viele gute Erfahrungen. Dass nichts passiert und ich auch gesund bleibe. Dass ich nichts vergessen habe, in den Koffer zu packen. Dass mein Laptop nicht kaputt geht, den ich nun doch mitnehmen werde. Dass es eine gute Zeit wird, für alle Beteiligten und ich ein Segen sein kann.
- Jetzt: gute Laune, Mut, Vorfreude. Keine schlechten Gedanken, Angst, und ständiges Grübeln was noch in den Koffer gehört und ich vergessen haben könnte.
Gleichzeitig habe ich auch unglaublich viel Grund in Hinblick auf die Reise zu danken, woran ich euch auch gerne teilhaben lasse.
Wofür ich danke:
- Finanzen: in den letzten Wochen habe ich noch von vielen, völlig unerwarteten Seiten finanzielle Unterstützung erfahren. Das war überwältigend und eine Bestätigung, dass Gott wirklich hinter meiner Reise steht. Ich möchte Gott und allen, die mir diese speziellen weißen Umschläge haben zukommen lassen, von Herzen danken.- Diese Möglichkeit: wenn ich mit meinen Kommilitonen über die Pläne für die Semesterferien gesprochen habe, haben mich immer alle sofort beneidet. Wow, Haiti. Wer kommt da schonmal hin? Es ist wirklich was ganz Besonderes, dort Connections zu haben und dieses Land kennenlernen und besuchen zu dürfen. Das sind Erfahrungen, die nicht jeder macht.
- Edith: aus dem Nichts im Nichts in Gottes Namen etwas aufzubauen, ist so bewundernswert und mutig. Ich freue mich so, meine Tante besuchen zu dürfen und Zeit mit ihr verbringen zu können. Darüber, dass ich ihr einige Sachen mitbringen kann, die sie dringend braucht und darüber, dass sie sich auch auf mich freut nachdem ich mich selbst eingeladen habe.
Sicherlich habe ich jede Menge Sachen vergessen, mal ganz davon abgesehen dass es auch ohne die Reise 1000 Gründe gibt, warum ich dankbar bin.
Ich werde euch auf dem Laufenden halten, nun wieder in etwas kürzeren Abständen als bisher ;) Aber jetzt passiert ja auch wieder was.
Ich danke für eure Gebete. Heute habe ich geduscht und mir gedacht: "das nächste Mal dusche ich schon in Haiti!". Genauso schreibe ich jetzt aus Deutschland und das nächste Mal - aus Haiti!
Liebe Grüße und gute Reise!
AntwortenLöschenGenieß' den Sommer... wenn du wiederkommst, ist er hier vielleicht weg :)
Ich freu mich auf Berichte!
marit