Dienstag, 8. Januar 2013

Es war wirklich alles nicht so schlimm

... dass dieses Fazit kommen wird, war ja eigentlich schon klar. Aber tatsächlich, ich habe mir mal wieder viel zu viel Stress gemacht. Auch wenn ich heute letztendlich einen Tag zu spät in Haiti angekommen bin, es stressig, frustrierend, nervtötend und aufregend war... Es war alles nicht so schlimm.

Ich bin ja kaum in das erste Flugzeug gestiegen, als die, ich sage nicht Probleme, unerwarteten Abenteuer begannen. Man soll mit 2 Stunden Verspätung rechnen wegen Nebel in London, schlecht wenn man nur 1:40 Stunden zum Umsteigen hat. Letztendlich waren es doch keine 2 Stunden, aber ich habe meinen Flieger trotzdem nicht bekommen.
Die kommende Odyssee quer über den Flughafen, weil mich jeder woanders hingeschickt hat und ich sowieso immer nur die Hälfte verstanden habe (jajaja, 8 Jahre Englisch. In der Praxis sieht alles nochmal anders aus!). Ich bin also rumgerannt wie ein angeschossenes Wildschwein, bis ich endlich vor der Masse an Menschen stand, die alle genau das gleiche im Sinn hatten wie ich. Rebooking, einen neuen Flug bekommen. Es war ein ziemliches Chaos am Flughafen.

Hätte ich gewusst, dass ich in dieser Schlange fast 4 Stunden stehe, hätte ich vielleicht ähnlich wie einer der Mitleidenden einen wütenden Schrei ausgestoßen. Aber ich wusste es nicht, und so stand ich geduldig und ruhig an meinem Platz und freute mich auf einen Fortschritt in der Schlange von etwa 1m pro halbe Stunde.

Irgendwann kam Personal, das sonst gerne eine halbe Stunde mit einem Schwätzchen verbrachte, während wir uns die Beine in den Bauch gestanden haben, und hat Wasser verteilt. Als sich dann die ersten Leute Klappstühle in die Schlange holten, stellte man sich endgültig auf einen längeren Aufenthalt ein.

Dann gingen die Gerüchte umher. An diesem Tag würde gar kein Flug mehr fliegen, nach Amerika sei sogar der nächste Tag komplett ausgebucht...

Für mich lief es am Schluss auf die goldene Mitte raus. Ich habe an dem Tag wirklich kein Flugzeug mehr bestiegen, dafür ein Shuttle was mich zu einem sehr noblen Hotel und einem herrlichen Abendessen, sowie mindestens noch dopppelt so herrlichem Frühstück transportiert hat. Und am nächsten Tag habe ich meine Reise eben fortgesetzt.

Diese 9 einviertel Stunden Flug nach Miami waren auch strapazös. Vor allem weil neben mir ein Portugiese mindestens 80% der Zeit geschlafen hat und ich irgendwann extrem dringend aufs Klo musste. Was solls, auch das habe ich überlebt. Genauso wie die Nacht am Flughafen in Miami, die auch noch 6 Stunden länger war durch die Zeitumstellung. Ich bin 18 Uhr dort angekommen, bei mir war aber schon 24 Uhr. Mein Flug ging heute morgen um 7:20. Bis dahin habe ich eine dreiviertel Stunde in einem Sitz geschlafen, eine Stunde auf dem Boden und den Rest der Zeit mit Sudokus und Augen offen halten rumgebracht. Immerhin wurde mir nichts geklaut!

Auch die ganzen Sicherheitschecks und immigration und was es noch alles zu tun gibt waren gar nicht wirklich schlimm. Wahrscheinlich traut man mir sowieso nichts Böses zu und hat mich extra schnell durchgewunken.... ;)
Durchaus angenehm ist übrigens, wenn man in einer Riesenschlange voller englischsprechender Leute steht und plötzlich neben sich zwei Jungs berlinern hört. Das sind Momente voller Trost...

Naja, und der Flug heute war dann wirklich nur noch ein Klacks, die 2 Stunden gingen im Nu rum (wahrscheinlich auch weil ich sie größtenteils verpennt habe).
Wir sind dann über ein Gebirge nach Port-au-Prince geflogen und das war irgendwie cool. So eine wunderschöne Landschaft! Dann bin ich angekommen und plötzlich macht man die Erfahrung wie es ist, mit seiner Hautfarbe in der Minderheit zu sein.
Für mich ein absolutes Highlight war die Fahrt vom Flughafen zu meinem neuen Zuhause. Alles ist einfach genauso, wie man das immer erzählt bekommt und auf Bildern sieht und in Videos usw.... Es gibt keine Regeln, die Autos sind bunt angemalt und vollgestopft bis an den Rand, die Leute tragen ihr Zeug auf dem Kopf... Es war so krass für mich. Da habe ich wirklich gemerkt, dass ich jetzt da bin, in einer völlig neuen Welt.

Den "Hitzschlag" habe ich mir wesentlich schlimmer vorgestellt. Auch mit Jacke und Jeans habe ich es gut ausgehalten, wobei ne Leinenhose und T-Shirt natürlich angenehmer sind. Außerdem weht ein schöner Wind. Das Wiedersehen mit den ganzen Sachen in meinem Koffer war auch sehr schön. Und nach 3 Tagen mal wieder frische Klamotten anziehen zu können. Ansonsten habe ich hier ein cooles Zimmer, das Essen hat geschmeckt, ich habe einen super Laptop mit Internetzugang und Photoshop Elements.... Was kann man sich mehr wünschen?! Ich freue mich wie verrückt, hier zu sein.

2 Kommentare:

  1. Damaris Kretzschmar9. Januar 2013 um 18:31

    Hallo Julia,
    wir freuen uns, dass du gut gelandet bist, wenn auch mit reichlich Abenteuer.
    Genieße die Zeit, bringe schöne Bilder und gute Erfahrungen mit! Gott segne dich!
    Liebe Grüße von den 4 Randberliner: BDTL Kretzschmar

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  2. Hi Jule,
    ein toller Bericht! Ich wär so gerne Mäuschen.......
    Wir haben echt alle mit dir gelitten :), ABER du weißt: Was uns nicht umbringt, macht uns stark.
    Tanke reichlich Sonne und sei nicht ganz so schadenfroh - Wir haben SCHNEE und Minusgrade!
    Halt uns weiter auf dem Laufenden (immer schön mit Temperaturangabe).
    Liebe Grüße von Elsa

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