"Ich glaub es regnet" "Wann wechselt er denn den Loddar ein?" "Schürrle du Lappen!" "Hau ihn um!" "Ich glaub, da hinten wird es heller" "Macht die Scheißschirme zu!!" "NEUARRRR" "Hau ihn um!" "Wer kifft hier?" "Will jemand Chips? Ich hab keinen Bock mehr die zu halten." "Hau ihn um. Jawoll.... hau ihn nochmal um!" "Des hädd doch n Elfmäda gebn müssn!" "Ey, wenn ich Spieler wäre, ich würde die alle umhauen! - Ach was, ehrlich? Hätte ich nie gedacht."
Auch wenn bei der Fanmeile von Public Viewing die Rede ist, geht da doch niemand hin, um das Fußballspiel zu sehen. Wer diese Ambition hat, den wird die Realität schnell einholen, denn unter 600 000 Mitsehrn gibt es immer mindestens zwei die größer sind als du und vor dir stehen. Vom ganzen Spektakel auf der Riesenleinwand können so meistens maximal zwei grüne Ecken bestaunt werden können. Hauptsache HD.
Als zwei Mitbewohner und ich uns am Sonntag um kurz vor 18 Uhr aufmachten um Geschichte zu schreiben, meinten zwei Drittel wir seien viel zu früh dran, und ein Drittel dass wir schon längst hätten dort sein sollen. Letzteres durfte eine halbe Stunde später den schönen Satz "Ich habs euch ja gleich gesagt!" vortragen, wovon mehrmals Gebrauch gemacht wurde. Als wir am U-Bahnhof Französische Straße ausstiegen, tingelten wir mit einer großen Menge und zunehmender Verzweiflung von einem Eingang zum nächsten. Überall standen die selben grimmig guckenden Polizisten und machten klar: Hier gehts nicht mehr durch. Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu regnen.
Irgendwann teilte sich die Menschenmenge. Die einen wandelten weiter auf den ausgeschriebenen Pfaden, die anderen schlugen sich durchs Gebüsch des Tiergartens und versuchten, die Autoritäten so auszutricksen. Wir auch. Aber nach unserem Waldspaziergang erwarteten uns wieder nur Menschenmassen, Zäune und grimmige Polizisten. Einige versuchten, die Absperrung zu durchbrechen, was ihnen auch gelang. Innerhalb von Sekunden waren 20 Menschen hindurchgeschlüpft und fünf bullige Polizisten herangerannt, die die Letzten von ihnen brutal wegrempelten und das Leck wieder dicht machten. Wir braven Bürger gingen weiter an den Zäunen entlang und hofften, dass man uns doch noch irgendwo im Guten hereinlassen würde.
Dann kam die Sackgasse. Menschen über Menschen, alle standen sie vor dem letzten Eingang. Es ging nicht vor und nicht zurück. Viele kehrten um. Wir stellten uns einfach dazu. Vielleicht passiert doch noch etwas? Wir beschlossen, es für eine Viertelstunde zu versuchen. Wenn nicht hier, dann nirgendwo, denn mittlerweile waren sicher alle Public Viewing-Plätze schon belegt.
Also standen wir da. Rechts, links, vorne und hinten Menschen. Unten Boden. Oben Regenschirme. Auch wenn ich eigentlich keine Platzangst habe, das war mir doch ein bisschen zu viel. Aber tapfer ausharren. Nicht zu viel denken. Warten.
Und Stück für Stück ging es tatsächlich vorwärts. Noch wussten wir nicht, ob vorne welche hereingelassen wurden oder ob nur einfach immer mehr aufgaben. Zur Unterstützung versuchten wir, ein bisschen zu demoralisieren, indem wir uns lauthals über die Ausweglosigkeit der Situation ausließen.
Aber wir kamen wirklich vorwärts, und irgendwann waren wir an einer Taschenkontrolle (wo mir wieder eine 25 Cent teure Pfandflasche geklaut wurde) und wurden dann auf die Fanmeile gelassen. Yeah! Plötzlich konnte man auch wieder frei atmen und sich bewegen.
Ein Blick auf die Uhr hat die Euphorie gedämpft. Gerademal 19 Uhr, noch zwei Stunden im Regen stehen und warten. Aber immerhin, wir waren drauf. Wir würden dabei sein, wenn Deutschland endlich wieder Weltmeister wird.
Irgendwann waren wir komplett durchweicht. Direkt hinter der Leinwand zuckte ab und zu ein Blitz (jedes Mal von einem Raunen in der Menge quittiert). Wir arbeiteten uns noch Stück für Stück weiter vor, bis wir ein bisschen Ton hören konnten.
Es war eine Erleichterung, als das Warten dann endlich dem Ende entgegen ging und lauthalts die Nationalhymne gesungen wurde. Und dann hörte es auch auf zu regnen.
Von dem Spiel habe ich wie gesagt kaum etwas mitbekommen. Mit wildesten Verrenkungen habe ich immer wieder versucht sekundenweise folgen zu können, nur mit mäßigem Erfolg. Aber man ist ja für die Stimmung da, und die war gut, spätestens seit der Linienrichter wegen Abseits den frühen Torjubel der Argentinier unterbrochen hatte. Das wurde bejubelt als hätten wir selbst ein Tor geschossen. Den Spielverlauft musste man sich aus den Reaktionen der Umwesenden zusammenreimen.
Irgendwann war mir mächtig kalt, beim Studium von Hinterköpfen erschloss sich mir auch nicht mehr viel Neues und ich wollte nur gerne, dass Deutschland endlich gewinnt und ich nach Hause gehen kann. Aber nein, Verlängerung, zu allem Überfluss..
Aber dann, das Tor. Was für eine grenzenlose Freude! Und wenige Minuten später beim Schlusspfiff wieder!
Dann wurde gefeiert. Mit "We Are The Champions" und ähnlichen Liedern auf der großen Bühne (was uns auf unsere mickrige letzte Leinwand übertragen wurde), Feuerwerk und einem herrlichen Autokorso an der Siegessäule. Die Leute waren so aus dem Häuschen! Netterweise fuhren auch um zwei Uhr noch S-Bahnen, und die wurden wirklich auseinander genommen. Da wurde gehüpft, an die Scheiben geklatscht, gegrölt und brechend voll waren sie auch. Das letzte Stück mussten wir dann laufen, weil die U-Bahnen nicht mehr fuhren und an den Bushaltestellen Menschen über Menschen standen. Im alternativen Kreuzberg ist übrigens beinahe tote Hose gewesen. Nicht überall lässt man sich dazu herab, so eine primitive Weltmeisterschaft zu verfolgen.
Ich war sehr sehr froh, als ich endlich zu Hause war und nicht mehr auf meinen Füßen stehen musste. Ganz schön anstrengend, das Weltmeisterwerden. Aber es war ein echtes Erlebnis auf der größten deutschen Fanmeile. Das muss man einfach mal mitgemacht haben.
Montag, 14. Juli 2014
Mittwoch, 2. April 2014
Danke Jesus dass ich jetzt Student bin
Als ich gerade mit Mama telefonierte und plötzlich losschrie und heulte wie sonstwas, dachte sie, ich hätte eine Spinne in meinem Zimmer gesehen. Das hätte dann schon eine echt große, vielleicht eher ein Krokodil unter dem Bett oder soetwas sein müssen, um diese Reaktion hervorzurufen.
Aber es war ja eine e-Mail, und zwar die schönste die ich seit langer Zeit bekommen habe.
"...wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass Sie die Eignungsprüfung für den Studiengang Kommunikationsdesign an der HTW Berlin bestanden haben und zu den 80 Bewerberinnen und Bewerbern gehören die wir für einen Studienplatz im Wintersemester 2014/15 zulassen."
Ich kam mir vor wie im falschen Film. Kurz blitzte der Gedanke in meinem Kopf auf, dass es vielleicht einen technischen Fehler gegeben haben könnte.... so unglaublich fand ich das!
Vor allem aber war ich so enorm erleichtert, das kann ich überhaupt nicht beschreiben. Wie eine Welle ist riesengroße Freude über mich hereingebrochen. Wenn man seit Jahren diesen Wunsch hat, seit sechs Monaten nur darauf hinarbeitet und immer wieder diese Last mit sich rumschleppt, dass die ganze Mission auch scheitern könnte und ich dann mit nichts da stehe, baut sich über die Zeit ein Druck auf der in den letzten zwei Wochen schon fast nicht mehr zu ertragen war.
Dabei hätten alle Angst, Panik und Unsicherheit gar nicht sein müssen, wenn ich nur ein bisschen daran geglaubt hätte, dass Gott gut ist und dass, wenn es der richtige Weg ist, er ihn für mich ebnen wird. Ich habe die ganzen Jahre gehofft, aber selten wirklich geglaubt. Ich hatte immer das Gefühl, es sei mein Kampf, und ich bin dafür verantwortlich, ob es klappen wird oder nicht und dass Gott sich gar nicht wirklich dafür interessiert weil es ja immerhin mein Wille ist. Wieso sollte er den unterstützen?
Manchmal habe ich überlegt, ob Gottes Plan vielleicht praktischerweise mit meinem Plan übereinstimmen könnte. Aber es kam mir zu gut vor, ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Muss man als Christ nicht entbehren, seine eigenen Pläne aufgeben und Sachen machen, die man lieber nicht tun würde?
Vielleicht, manchmal. Aber wie ich neulich in einer Predigt gehört habe, hat Gott für jeden Menschen einen individuellen Plan, und er stattet jeden Menschen mit den Dingen aus, die er benötigt um ihn ausführen zu können und auch zu wollen. Es wäre tatsächlich unlogisch, wenn er uns Menschen mit Aufgaben betrauen würde, denen wir nur missmutig und ohne Leidenschaft folgen, weil sie uns nicht entsprechen.
Dass ich zugelassen bin, ist ein Wunder, und ich weiß ganz genau, dass ich dazu nichts beigetragen habe. Kommunikationsdesign ist ein sehr beliebter Studiengang. In Berlin ist die Lage nochmal verschärft, weil beinahe jeder kreative Mensch, oder wer sich dafür hält, dorthin möchte. Es dann zu allem Überfluss auch noch gleich beim ersten Anlauf zu schaffen ist absolut nicht die Regel.
In manchen Jahren kommen auf jeden Studienplatz 6 Bewerber, dieses Jahr "nur" 4 - kein Zufall. Ich habe beim Bewerbungsgespräch zwei Professoren erwischt, die nicht darauf aus waren, eine unangenehme Atmosphäre zu schaffen und den Bewerber zu braten bis er sich verquatscht. Kein Zufall. Ich habe im Dezember zwei Studenten aus dem 1. Semester kennen gelernt, die sich vor Hilfsbereitschaft beinahe überschlagen und mir viele Tipps und Hinweise gegeben haben. Kein Zufall. Ich kann noch weiter zurückgehen. Dass ich einen Praktikumsplatz bekommen habe, in dem ich mich bei vielen Visitenkarten, Aufstellern, Etiketten usw. austoben konnte und musste und enorm viele Kenntnisse erworben habe. Dass ich in Berlin so schnell und unkompliziert eine Wohnung gefunden habe, die das alles erst ermöglicht hat.
Gott führt alles perfekt. Und ich Trottel glaube nicht.
Ich hoffe, dass mir dieses Wunder eine Lehre sein wird, und ich in Zukunft viel mehr Gottvertrauen wage. Jetzt darf ich wissen, dass der Grafikdesignweg der ist, den Gott sich für mich ausgedacht hat. Ich weiß nicht, wie ich zu diesem Glück komme, aber ich werde hart arbeiten, um ihn nicht zu enttäuschen.
Es war wunderschön, euch allen Bescheid zu sagen und bei eurer Erleichterung und Freude wieder einmal zu sehen, wie sehr ihr das alles mitgetragen habt. Ich danke euch so dafür!
Die nächsten Monate werden aller Voraussicht nach herrlich und die schlimmen letzten drei Monate sicherlich aufwiegen. Ich habe bis Oktober Zeit, um mich weiter über Grafikdesign zu belesen und zu bilden, an meiner Schwäche dem Zeichnen zu arbeiten, um schöne Sachen zu machen, die ich während des Studiums hinten anstellen muss, um ein bisschen Geld zu verdienen und meinen ersten kompletten Sommer in Berlin zu genießen. Die nächste Station ist Ostern, und endlich wieder bei meiner Familie. Ich freue mich wahnsinnig darauf!
Und innerlich jubele ich noch immer über dieses nicht erwartete Glück. Denn als ich mit Mama telefoniert hatte, klagte ich ihr übrigens gerade wieder einmal mein Leid und jammerte, dass ich so ein schlechtes Gefühl hätte und und und...
Aber es war ja eine e-Mail, und zwar die schönste die ich seit langer Zeit bekommen habe.
"...wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass Sie die Eignungsprüfung für den Studiengang Kommunikationsdesign an der HTW Berlin bestanden haben und zu den 80 Bewerberinnen und Bewerbern gehören die wir für einen Studienplatz im Wintersemester 2014/15 zulassen."
Ich kam mir vor wie im falschen Film. Kurz blitzte der Gedanke in meinem Kopf auf, dass es vielleicht einen technischen Fehler gegeben haben könnte.... so unglaublich fand ich das!
Vor allem aber war ich so enorm erleichtert, das kann ich überhaupt nicht beschreiben. Wie eine Welle ist riesengroße Freude über mich hereingebrochen. Wenn man seit Jahren diesen Wunsch hat, seit sechs Monaten nur darauf hinarbeitet und immer wieder diese Last mit sich rumschleppt, dass die ganze Mission auch scheitern könnte und ich dann mit nichts da stehe, baut sich über die Zeit ein Druck auf der in den letzten zwei Wochen schon fast nicht mehr zu ertragen war.
Dabei hätten alle Angst, Panik und Unsicherheit gar nicht sein müssen, wenn ich nur ein bisschen daran geglaubt hätte, dass Gott gut ist und dass, wenn es der richtige Weg ist, er ihn für mich ebnen wird. Ich habe die ganzen Jahre gehofft, aber selten wirklich geglaubt. Ich hatte immer das Gefühl, es sei mein Kampf, und ich bin dafür verantwortlich, ob es klappen wird oder nicht und dass Gott sich gar nicht wirklich dafür interessiert weil es ja immerhin mein Wille ist. Wieso sollte er den unterstützen?
Manchmal habe ich überlegt, ob Gottes Plan vielleicht praktischerweise mit meinem Plan übereinstimmen könnte. Aber es kam mir zu gut vor, ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Muss man als Christ nicht entbehren, seine eigenen Pläne aufgeben und Sachen machen, die man lieber nicht tun würde?
Vielleicht, manchmal. Aber wie ich neulich in einer Predigt gehört habe, hat Gott für jeden Menschen einen individuellen Plan, und er stattet jeden Menschen mit den Dingen aus, die er benötigt um ihn ausführen zu können und auch zu wollen. Es wäre tatsächlich unlogisch, wenn er uns Menschen mit Aufgaben betrauen würde, denen wir nur missmutig und ohne Leidenschaft folgen, weil sie uns nicht entsprechen.
Dass ich zugelassen bin, ist ein Wunder, und ich weiß ganz genau, dass ich dazu nichts beigetragen habe. Kommunikationsdesign ist ein sehr beliebter Studiengang. In Berlin ist die Lage nochmal verschärft, weil beinahe jeder kreative Mensch, oder wer sich dafür hält, dorthin möchte. Es dann zu allem Überfluss auch noch gleich beim ersten Anlauf zu schaffen ist absolut nicht die Regel.
In manchen Jahren kommen auf jeden Studienplatz 6 Bewerber, dieses Jahr "nur" 4 - kein Zufall. Ich habe beim Bewerbungsgespräch zwei Professoren erwischt, die nicht darauf aus waren, eine unangenehme Atmosphäre zu schaffen und den Bewerber zu braten bis er sich verquatscht. Kein Zufall. Ich habe im Dezember zwei Studenten aus dem 1. Semester kennen gelernt, die sich vor Hilfsbereitschaft beinahe überschlagen und mir viele Tipps und Hinweise gegeben haben. Kein Zufall. Ich kann noch weiter zurückgehen. Dass ich einen Praktikumsplatz bekommen habe, in dem ich mich bei vielen Visitenkarten, Aufstellern, Etiketten usw. austoben konnte und musste und enorm viele Kenntnisse erworben habe. Dass ich in Berlin so schnell und unkompliziert eine Wohnung gefunden habe, die das alles erst ermöglicht hat.
Gott führt alles perfekt. Und ich Trottel glaube nicht.
Ich hoffe, dass mir dieses Wunder eine Lehre sein wird, und ich in Zukunft viel mehr Gottvertrauen wage. Jetzt darf ich wissen, dass der Grafikdesignweg der ist, den Gott sich für mich ausgedacht hat. Ich weiß nicht, wie ich zu diesem Glück komme, aber ich werde hart arbeiten, um ihn nicht zu enttäuschen.
Es war wunderschön, euch allen Bescheid zu sagen und bei eurer Erleichterung und Freude wieder einmal zu sehen, wie sehr ihr das alles mitgetragen habt. Ich danke euch so dafür!
Die nächsten Monate werden aller Voraussicht nach herrlich und die schlimmen letzten drei Monate sicherlich aufwiegen. Ich habe bis Oktober Zeit, um mich weiter über Grafikdesign zu belesen und zu bilden, an meiner Schwäche dem Zeichnen zu arbeiten, um schöne Sachen zu machen, die ich während des Studiums hinten anstellen muss, um ein bisschen Geld zu verdienen und meinen ersten kompletten Sommer in Berlin zu genießen. Die nächste Station ist Ostern, und endlich wieder bei meiner Familie. Ich freue mich wahnsinnig darauf!
Und innerlich jubele ich noch immer über dieses nicht erwartete Glück. Denn als ich mit Mama telefoniert hatte, klagte ich ihr übrigens gerade wieder einmal mein Leid und jammerte, dass ich so ein schlechtes Gefühl hätte und und und...
Sonntag, 2. Februar 2014
Immer mal wieder ein Weltuntergang
Freitag war kein guter Tag, und das habe ich schon morgens gemerkt. Gesundheitlich ging es mir schon direkt nach dem Aufstehen dreckig und dazu hatte ich einen straffen Zeitplan. 10 Uhr macht das Bastelgeschäft auf, schnell 20 graue Kartons und Klebeplättchen kaufen, dann zurück, die Arbeiten auf Karton aufziehen, vielleicht noch irgendwann was essen und dann los zur Mappenberatung.
Ich war schon die ganze Zeit extrem angespannt und hatte noch nicht einmal Zeit für meine Mitbewohnerin, die mit mir das Essen am nächsten Tag anlässlich meines Geburtstages planen wollte. Nicht ok.
Aber als ich letztendlich meine Arbeiten aufgezogen hatte und so betrachtete, fand ich, dass sie ziemlich vielfältig und sehr gut vorzuzeigen sind. Was ich bei der letzten Mappenberatung mitgenommen hatte ("Nimm ein Thema und zerpflücke das, analysiere es genauestens, beiß dich dran fest und zeig, wie individuell und kreativ du denkst.") hatte ich nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt.
Aber die Kritik war vernichtend, genau das, wovor ich Angst gehabt habe. Kaum eine Sache war ok, nichts hat sie vom Hocker gehauen, nichts hat das Interesse des Professors geweckt sodass er mich vielleicht schonmal im Hinterkopf behalten hätte. Ich möchte sie euch mal zeigen, diese Arbeiten, weil schon oft gefragt wurde und die Mappe zu groß ist, um sie viel durch die Weltgeschichte zu transportieren.
Danach musste ich erst einmal eine Weile Mama verrückt machen und habe mehr Taschentücher verbraucht als in den drei Monaten davor. Ich habe keine Perspektive gesehen, war verletzt weil die Arbeit von Wochen so abgeschmettert wurde und war auch sehr sehr wütend. Auf die, deren Arbeiten im Gesamten quasi komplett durchgewunken und für gut befunden wurden, auch wenn das manchmal für mich absolut nicht nachvollziehbar war. Auf den Professor, der auf mich manchmal den Eindruck machte als ob er willkürlich und sehr launisch seine Beurteilung abgibt, und so eine Arbeit aus Klecksen als Zeug, mit dem man ihn in Ruhe lassen solle deklariert und die andere Arbeit aus Klecksen sehr spannend findet.
Ich wollte alles sein lassen, weil es ja doch keinen Sinn hat, wenn ich nicht nachvollziehen kann, wie der Professor beurteilt und mir dementsprechend wohl etwas Bestimmtes im Sehen fehlt.
Gleichzeitig war ich vollständig aufgelöst weil ich keine Ahnung habe, was ich sonst im Leben machen kann wenn nicht Design.
Ich bin mittlerweile so darauf trainiert, jedes Werbeplakat, jedes Unternehmensdesign, jede Plastetüte genau zu betrachten und zu analysieren. Ich lese mir das komplette, fette Handbuch zu den letztjährigen Wahlplakaten der CDU durch, in denen bis aufs Kleinste die Farben, der Aufbau, die Schriftarten etc. mit einer Begründung festgelegt sind. Abends vor dem Schlafengehen lese ich über das Design des 20. Jahrhunderts und wenn man mir etwas Gutes tun will bittet man mich darum, eine Visitenkarte für jemanden zu gestalten. Ich möchte zu denen gehören, die mit Design Einfluss auf die Gesellschaft haben, Sachen besser und schöner machen, ich möchte die Leute überraschen, verwundern und zum Staunen bringen.
Ich möchte auch diese bekloppten Professoren zum Staunen bringen, jemand sein in dem sie Potential sehen und den sie gerne fordern und fördern!!! Ich möchte endlich mal wieder etwas schaffen, auf etwas stolz sein wie früher bei den Mathearbeiten, wenn sie gut liefen. Etwas vorzuweisen haben, nicht so (scheinbar?) ohne Ziel durchs Leben steuern und jedes Mal ins Stottern kommen wenn man mich fragt "was ich denn jetzt so mache". Ich möchte ein ganz normaler Student sein, in der Prüfungsphase nicht mehr ansprechbar und hinterher grenzenlos erleichtert.
Wenn das also nicht klappt, was mache ich dann? Was ist, wenn ich Anfang April keine e-Mail bekomme, oder gar Ende März nicht einmal auf der Liste für die Auswahlgespräche stehe? Es gibt noch die Möglichkeit Potsdam. Aber ansonsten... Inklusive Praktikum 7 Monate für etwas vergeudet und immer noch keinen Schritt weiter. Und keine Ahnung, was ich mit mir anfangen soll. Doch einen Kompromiss machen, die Schiene sicheren Job und festes Einkommen wählen, und dabei ewig darüber grübeln, wie es geworden wäre wenn...?
Ich muss sagen, ich war echt wütend auf Gott, ausgerechnet. Alle beten so viel, warum...? Sag mir doch endlich mal, wo es langgeht. Hast nicht Du diesen Wunsch in mein Herz gelegt, so sehr wie es mich dahin drängt? Warum muss bei mir immer alles so kompliziert sein?!
Es ist unglaublich, wieviele ermutigende Worte von Ferne und von Nah innerhalb kürzester Zeit an mich gerichtet wurden. Ihr habt mich wieder auf die richtige Spur gebracht, und die Gemeinschaft mit einigen von euch hat mir so gut getan.
Denn ja, natürlich, es ist noch nicht die endgültige Absage. Ich habe außerdem auch noch ein bisschen Zeit, um einiges noch geradezubügeln. Andere Professoren könnten vielleicht ganz anderer Meinung sein. UND: letztendlich entscheiden es nicht die Professoren. Und wenn Gott nicht will dass ich Kommunikationsdesign studiere, dann hilft es eben alles nichts. Wenn aber doch, dann wird es auch so kommen. Ich kann durch Panik, Hast und Arbeitswahn das Ergebnis nicht positiv beeinflussen.
Nach wie vor bin ich mir nicht ganz sicher, in welche Richtung ich in den nächsten 3 Wochen arbeiten soll, denn ganz klar wurde es mir nicht. Aber das ist mein Schlachtplan:
Ich werde mir trotzdem Arbeit suchen, damit die Mappe nicht das einzige ist, was ich in diesen Tagen mache.
Ich werde mir soviel Ratschläge wie möglich von verschiedensten Leuten holen, z.B. zwei überaus freundlichen Erstsemestlern die mir ihre Hilfe schon angeboten haben.
Ich werde viel lockerer und freier arbeiten, mir vielleicht demnächst auch noch mehr Zeichenutensilien wie Pastellkreiden, Aquarellfarben usw. zulegen, um die "rotzigen Zeichnungen" zu produzieren die sie so gerne sehen wollen.
Ich werde es lockerer nehmen. Es zumindest versuchen. Versuchen, nicht mehr so zu verkrampfen wie es im letzten Monat der Fall gewesen war und vielleicht sogar tatsächlich Spaß an der Arbeit zu haben. Und dann... liegt es nur in Gottes Hand. Und es wird gut sein. Auch wenn ich daran hart zu knabbern habe, so ist es.
Und deshalb geht es mir vielleicht sogar besser als vor dieser Mappenberatung. Denn ein bisschen habe ich losgelassen, und ein bisschen bin ich offener für Gott und seine Entscheidung. Ich habe begriffen, dass ich aus mir heraus nicht zu diesem Studium zugelassen werde, sondern nur mit Gottes Hilfe. Und ich habe wieder einmal gespürt, was für ein starkes Netz mich auffängt, wenn ich sehr sehr niedergeschlagen bin. Danke dafür an euch! Auch wenn ich im Moment sehr sehr unsicher, ein bisschen ängstlich und nur mit viel Willenskraft nicht panisch bin, möglicherweise komme ich ja so langsam auf den richtigen Weg - zur HTW oder woandershin.
Ich war schon die ganze Zeit extrem angespannt und hatte noch nicht einmal Zeit für meine Mitbewohnerin, die mit mir das Essen am nächsten Tag anlässlich meines Geburtstages planen wollte. Nicht ok.
Aber als ich letztendlich meine Arbeiten aufgezogen hatte und so betrachtete, fand ich, dass sie ziemlich vielfältig und sehr gut vorzuzeigen sind. Was ich bei der letzten Mappenberatung mitgenommen hatte ("Nimm ein Thema und zerpflücke das, analysiere es genauestens, beiß dich dran fest und zeig, wie individuell und kreativ du denkst.") hatte ich nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt.
Aber die Kritik war vernichtend, genau das, wovor ich Angst gehabt habe. Kaum eine Sache war ok, nichts hat sie vom Hocker gehauen, nichts hat das Interesse des Professors geweckt sodass er mich vielleicht schonmal im Hinterkopf behalten hätte. Ich möchte sie euch mal zeigen, diese Arbeiten, weil schon oft gefragt wurde und die Mappe zu groß ist, um sie viel durch die Weltgeschichte zu transportieren.
| "Fotografie nicht das richtige Medium" |
| "Zu steif, weil immer aus dem gleichen B" |
| "Die Zeichnungen sind zwar sehr zurückhaltend, aber noch ok." |
| "Eine spannende Komposition, ich weiß aber nicht ob Sie das beabsichtigt haben." |
| Kein Kommentar. |
| "Technisch kann ich es nicht beurteilen, aber das Sujet ist zu kitschig!" |
| Kein Kommentar. |
| "Da haben Sie so viele Fotos raufgetan weil sie einzeln nicht stark genug sind." |
| "Teilweise zu einfach." |
| "Kindisch." |
Danach musste ich erst einmal eine Weile Mama verrückt machen und habe mehr Taschentücher verbraucht als in den drei Monaten davor. Ich habe keine Perspektive gesehen, war verletzt weil die Arbeit von Wochen so abgeschmettert wurde und war auch sehr sehr wütend. Auf die, deren Arbeiten im Gesamten quasi komplett durchgewunken und für gut befunden wurden, auch wenn das manchmal für mich absolut nicht nachvollziehbar war. Auf den Professor, der auf mich manchmal den Eindruck machte als ob er willkürlich und sehr launisch seine Beurteilung abgibt, und so eine Arbeit aus Klecksen als Zeug, mit dem man ihn in Ruhe lassen solle deklariert und die andere Arbeit aus Klecksen sehr spannend findet.
Ich wollte alles sein lassen, weil es ja doch keinen Sinn hat, wenn ich nicht nachvollziehen kann, wie der Professor beurteilt und mir dementsprechend wohl etwas Bestimmtes im Sehen fehlt.
Gleichzeitig war ich vollständig aufgelöst weil ich keine Ahnung habe, was ich sonst im Leben machen kann wenn nicht Design.
Ich bin mittlerweile so darauf trainiert, jedes Werbeplakat, jedes Unternehmensdesign, jede Plastetüte genau zu betrachten und zu analysieren. Ich lese mir das komplette, fette Handbuch zu den letztjährigen Wahlplakaten der CDU durch, in denen bis aufs Kleinste die Farben, der Aufbau, die Schriftarten etc. mit einer Begründung festgelegt sind. Abends vor dem Schlafengehen lese ich über das Design des 20. Jahrhunderts und wenn man mir etwas Gutes tun will bittet man mich darum, eine Visitenkarte für jemanden zu gestalten. Ich möchte zu denen gehören, die mit Design Einfluss auf die Gesellschaft haben, Sachen besser und schöner machen, ich möchte die Leute überraschen, verwundern und zum Staunen bringen.
Ich möchte auch diese bekloppten Professoren zum Staunen bringen, jemand sein in dem sie Potential sehen und den sie gerne fordern und fördern!!! Ich möchte endlich mal wieder etwas schaffen, auf etwas stolz sein wie früher bei den Mathearbeiten, wenn sie gut liefen. Etwas vorzuweisen haben, nicht so (scheinbar?) ohne Ziel durchs Leben steuern und jedes Mal ins Stottern kommen wenn man mich fragt "was ich denn jetzt so mache". Ich möchte ein ganz normaler Student sein, in der Prüfungsphase nicht mehr ansprechbar und hinterher grenzenlos erleichtert.
Wenn das also nicht klappt, was mache ich dann? Was ist, wenn ich Anfang April keine e-Mail bekomme, oder gar Ende März nicht einmal auf der Liste für die Auswahlgespräche stehe? Es gibt noch die Möglichkeit Potsdam. Aber ansonsten... Inklusive Praktikum 7 Monate für etwas vergeudet und immer noch keinen Schritt weiter. Und keine Ahnung, was ich mit mir anfangen soll. Doch einen Kompromiss machen, die Schiene sicheren Job und festes Einkommen wählen, und dabei ewig darüber grübeln, wie es geworden wäre wenn...?
Ich muss sagen, ich war echt wütend auf Gott, ausgerechnet. Alle beten so viel, warum...? Sag mir doch endlich mal, wo es langgeht. Hast nicht Du diesen Wunsch in mein Herz gelegt, so sehr wie es mich dahin drängt? Warum muss bei mir immer alles so kompliziert sein?!
Es ist unglaublich, wieviele ermutigende Worte von Ferne und von Nah innerhalb kürzester Zeit an mich gerichtet wurden. Ihr habt mich wieder auf die richtige Spur gebracht, und die Gemeinschaft mit einigen von euch hat mir so gut getan.
Denn ja, natürlich, es ist noch nicht die endgültige Absage. Ich habe außerdem auch noch ein bisschen Zeit, um einiges noch geradezubügeln. Andere Professoren könnten vielleicht ganz anderer Meinung sein. UND: letztendlich entscheiden es nicht die Professoren. Und wenn Gott nicht will dass ich Kommunikationsdesign studiere, dann hilft es eben alles nichts. Wenn aber doch, dann wird es auch so kommen. Ich kann durch Panik, Hast und Arbeitswahn das Ergebnis nicht positiv beeinflussen.
Nach wie vor bin ich mir nicht ganz sicher, in welche Richtung ich in den nächsten 3 Wochen arbeiten soll, denn ganz klar wurde es mir nicht. Aber das ist mein Schlachtplan:
Ich werde mir trotzdem Arbeit suchen, damit die Mappe nicht das einzige ist, was ich in diesen Tagen mache.
Ich werde mir soviel Ratschläge wie möglich von verschiedensten Leuten holen, z.B. zwei überaus freundlichen Erstsemestlern die mir ihre Hilfe schon angeboten haben.
Ich werde viel lockerer und freier arbeiten, mir vielleicht demnächst auch noch mehr Zeichenutensilien wie Pastellkreiden, Aquarellfarben usw. zulegen, um die "rotzigen Zeichnungen" zu produzieren die sie so gerne sehen wollen.
Ich werde es lockerer nehmen. Es zumindest versuchen. Versuchen, nicht mehr so zu verkrampfen wie es im letzten Monat der Fall gewesen war und vielleicht sogar tatsächlich Spaß an der Arbeit zu haben. Und dann... liegt es nur in Gottes Hand. Und es wird gut sein. Auch wenn ich daran hart zu knabbern habe, so ist es.
Und deshalb geht es mir vielleicht sogar besser als vor dieser Mappenberatung. Denn ein bisschen habe ich losgelassen, und ein bisschen bin ich offener für Gott und seine Entscheidung. Ich habe begriffen, dass ich aus mir heraus nicht zu diesem Studium zugelassen werde, sondern nur mit Gottes Hilfe. Und ich habe wieder einmal gespürt, was für ein starkes Netz mich auffängt, wenn ich sehr sehr niedergeschlagen bin. Danke dafür an euch! Auch wenn ich im Moment sehr sehr unsicher, ein bisschen ängstlich und nur mit viel Willenskraft nicht panisch bin, möglicherweise komme ich ja so langsam auf den richtigen Weg - zur HTW oder woandershin.
Montag, 27. Januar 2014
Warum ich jedes Mal sage "Nie wieder!"
In 15 Stunden könnte man 3 Marathons rennen, oder 2 dicke Bücher lesen, oder eine Doppelschicht arbeiten, oder ein komplettes Haus einem Frühjahrsputz unterziehen, oder viele andere sinnvolle Dinge tun.
Man kann sich aber auch in 7 verschiedene Züge setzen und erfahren, wie groß Deutschland ist.
Das Reisen mit dem Schönes-Wochenend-Ticket der Deutschen Bahn hat viele Vorteile. Es ist sehr günstig, zum Beispiel. Und... naja, das war es eigentlich auch schon. Aber es ist eben günstig. Für 7,30€ bin ich von Berlin bis nach Baden-Württemberg gekommen.
Das Reisen mit dem SW-Ticket ist aber nicht einfach Reisen. Es ist eine Herausforderung, der sich nur die Kühnsten stellen. Es ist ein Abenteuer voller Überraschungen, die schon lange vor Reisebeginn bei der Organisation und Suche der 4 Mitfahrer beginnen. Da wird munter gebucht und storniert, diesmal bis halb fünf Uhr morgens, anderthalb Stunden vor Fahrtbeginn. Es ist eine Prüfung, so eine Bahnfahrt. Erinnert beinahe schon an einen Pilgerweg, an dessen Ende man sich geläutert und voll Reue verspricht, so etwas nie wieder zu tun. Für den öffentlichen Nahverkehr der Deutschen Bahn muss man wirklich besonders mutig sein. Oder besonders bescheuert.
Letzteres traf wohl auf die Gruppe von 16-18 Jährigen "Herthafans" zu, die fatalerweise genau hinter uns auf dem Weg nach Frankfurt ihr Quartier bezogen hatten. Vernunft und Anstand auf dem Bahnsteig vergessen hatten sie dafür reichlich Bier, Schnaps und Milchbrötchen dabei. Und Boxen, aus denen ab halb neun musikalische Höhepunkte der deutschen Kultur wie "Atemlos" von Helene Fischer oder "Oskar der kleine Killerelefant" schallten und mit Leidenschaft mitgegröhlt wurden. Die Jungens waren bald so voll wie die Kloschüssel der Zugtoilette, in der die Spülung nicht funktionierte. Erst später ging man dann über zu Hertha-Fanliedern, wobei fehlende Textsicherheit durch Lautstärke wettgemacht wurde. 4 Stunden begleitete uns dieses zunehmend alkoholisierte Halbstarken-Kollektiv und war gleichzeitig Stoff für ausgesprochen intelligente Gespräche meiner Mitfahrer über Fußball, Fans und Ultras.
Die beiden angenehmeren der vier Mitfahrer fuhren nur eine kurze Strecke und bald waren wir zu dritt. Ein ergrauter Mann aus der Rentenversicherung, eine quietschbunt (alles aus "Preimarkt") angezogene Mittvierzigerin "aus der Gastronomie" und icke.
Weil sie eine tödliche Wolke aus billigstem Parfum mit sich zog, entfernte ich mich unauffällig immer weitmöglichst von den Beiden. Ich bekam von dem Gestank und von dem dämlichen Gequatsche über die ungerechte Welt und "die" schlimmste Kopfschmerzen.
Etwa alle 15 Minuten klingelte das Telefon der Dame. Dann kramte sie es aus unzähligen Taschen, Handytaschen und Hüllen hervor während der nervtötende Klingelton immer lauter wurde bis auch jeder im Waggon wusste, dass Mutti jetzt (wieder) mit Töchterchen telefonierte.
Dann wurde erst abgearbeitet, wo sich Mutti jetzt befindet, wobei sie das oft bis zu dreimal in den Hörer schreien musste, dann was gerade gegessen wurde, wird oder geplant wird zu essen und dann ging es mit weiterem sinnvollen Smalltalk weiter.
Das ist ja alles noch fast normal, wenn auch zum in die Sitzpolster beißen. Richtig lustig wurde es beim vorletzten Umsteigen. Es gelang meiner Reisebegleitung (damit meine ich beide) nicht, ihre Koffer, Taschen, Jacken und was sie sonst noch alles mit sich herumschleppten in dem Zeitfenster von Ansage des Bahnhofs bis erneuter Abfahrt des Zuges zusammenzuraffen. Auch nicht nachdem ich sie (so höflich wie ich noch dazu imstande war) zur Eile antrieb. Wir standen vor verschlossener Zugtür und fuhren weiter, in die falsche Richtung.
Während die beiden sich vor aufgeregtem Gegacker überschlugen ("der hat doch keine 30 Sekunden gehalten!", "das können die doch nicht machen!", "das gibts doch nicht" und immer wieder "Jetzt fahren wir weiter. Jetzt fahren wir zu weit..."), platzte ich vor Wut bald. Immerhin war ich zu der Zeit schon 11 Stunden Zug gefahren und hatte mir eine ganze Menge Müll anhören müssen.
Während ich also versuchte, eine neue Verbindung zu finden, bemerkte die Dame, dass ihr Kakao in der Tasche ausgelaufen war. Schon alleine 11 Stunden lang so einen Kakaobecher mit Aludeckel in der Handtasche mit sich herumzutragen ist doch ein klar formuliertes "dich brauch ich nicht!" an den gesunden Menschenverstand. Sie schwenkte also völlig entsetzt den kaputten Kakaobecher herum und entleerte einen halben Liter der wirklich nach Rückwärtsgegessenem stinkenden Brühe weiter in ihre Tasche, über den Fußboden, ihren Koffer und schließlich auch die Reisetasche des Herrn. Der war bedauernswerterweise nur für zwei Tage verreist und hatte genau ein einziges Hemd darin - das war jetzt nicht mehr ganz so weiß.
Mitten rein in dieses Chaos kam der nächste Halt, scheinbar ganz überraschend für den Herren, denn als wir auf dem Bahnsteig standen fiel uns auf, dass er den Ausstieg nicht geschafft hatte.
Wie egal mir das dann war kann sich keiner vorstellen.
Die Eskapade führte dazu, dass sich die Zugfahrt noch um ein Stündchen verlängerte und ich meinen Enkeln später was zu erzählen habe. Zum Glück verabschiedete sich auch meine letzte Mitfahrerin relativ bald und ich hatte endlich meine Ruhe.
Um zehn Uhr abends, nach 15 Stunden, hatte ich dann weder sportlich etwas erreicht, noch ein gutes Buch gelesen, hatte kein Geld verdient und auch sonst nichts Sinnvolles erledigt, aber ich war am Ende meiner Reise angelangt, und hatte dafür nur 7,30€ bezahlt. Vor Kopfschmerzen und Müdigkeit konnte ich kaum einen klaren Gedanken fassen, aber eins wusste ich ganz sicher: "NIE WIEDER!"
Mal sehen, wie lange es dauert, um diesen guten Vorsatz wieder voll jugendlichen Leichtsinns und Optimismus zu vergessen. Ich befürchte, nicht lange genug.
Man kann sich aber auch in 7 verschiedene Züge setzen und erfahren, wie groß Deutschland ist.
Das Reisen mit dem Schönes-Wochenend-Ticket der Deutschen Bahn hat viele Vorteile. Es ist sehr günstig, zum Beispiel. Und... naja, das war es eigentlich auch schon. Aber es ist eben günstig. Für 7,30€ bin ich von Berlin bis nach Baden-Württemberg gekommen.
Das Reisen mit dem SW-Ticket ist aber nicht einfach Reisen. Es ist eine Herausforderung, der sich nur die Kühnsten stellen. Es ist ein Abenteuer voller Überraschungen, die schon lange vor Reisebeginn bei der Organisation und Suche der 4 Mitfahrer beginnen. Da wird munter gebucht und storniert, diesmal bis halb fünf Uhr morgens, anderthalb Stunden vor Fahrtbeginn. Es ist eine Prüfung, so eine Bahnfahrt. Erinnert beinahe schon an einen Pilgerweg, an dessen Ende man sich geläutert und voll Reue verspricht, so etwas nie wieder zu tun. Für den öffentlichen Nahverkehr der Deutschen Bahn muss man wirklich besonders mutig sein. Oder besonders bescheuert.
Letzteres traf wohl auf die Gruppe von 16-18 Jährigen "Herthafans" zu, die fatalerweise genau hinter uns auf dem Weg nach Frankfurt ihr Quartier bezogen hatten. Vernunft und Anstand auf dem Bahnsteig vergessen hatten sie dafür reichlich Bier, Schnaps und Milchbrötchen dabei. Und Boxen, aus denen ab halb neun musikalische Höhepunkte der deutschen Kultur wie "Atemlos" von Helene Fischer oder "Oskar der kleine Killerelefant" schallten und mit Leidenschaft mitgegröhlt wurden. Die Jungens waren bald so voll wie die Kloschüssel der Zugtoilette, in der die Spülung nicht funktionierte. Erst später ging man dann über zu Hertha-Fanliedern, wobei fehlende Textsicherheit durch Lautstärke wettgemacht wurde. 4 Stunden begleitete uns dieses zunehmend alkoholisierte Halbstarken-Kollektiv und war gleichzeitig Stoff für ausgesprochen intelligente Gespräche meiner Mitfahrer über Fußball, Fans und Ultras.
Die beiden angenehmeren der vier Mitfahrer fuhren nur eine kurze Strecke und bald waren wir zu dritt. Ein ergrauter Mann aus der Rentenversicherung, eine quietschbunt (alles aus "Preimarkt") angezogene Mittvierzigerin "aus der Gastronomie" und icke.
Weil sie eine tödliche Wolke aus billigstem Parfum mit sich zog, entfernte ich mich unauffällig immer weitmöglichst von den Beiden. Ich bekam von dem Gestank und von dem dämlichen Gequatsche über die ungerechte Welt und "die" schlimmste Kopfschmerzen.
Etwa alle 15 Minuten klingelte das Telefon der Dame. Dann kramte sie es aus unzähligen Taschen, Handytaschen und Hüllen hervor während der nervtötende Klingelton immer lauter wurde bis auch jeder im Waggon wusste, dass Mutti jetzt (wieder) mit Töchterchen telefonierte.
Dann wurde erst abgearbeitet, wo sich Mutti jetzt befindet, wobei sie das oft bis zu dreimal in den Hörer schreien musste, dann was gerade gegessen wurde, wird oder geplant wird zu essen und dann ging es mit weiterem sinnvollen Smalltalk weiter.
Das ist ja alles noch fast normal, wenn auch zum in die Sitzpolster beißen. Richtig lustig wurde es beim vorletzten Umsteigen. Es gelang meiner Reisebegleitung (damit meine ich beide) nicht, ihre Koffer, Taschen, Jacken und was sie sonst noch alles mit sich herumschleppten in dem Zeitfenster von Ansage des Bahnhofs bis erneuter Abfahrt des Zuges zusammenzuraffen. Auch nicht nachdem ich sie (so höflich wie ich noch dazu imstande war) zur Eile antrieb. Wir standen vor verschlossener Zugtür und fuhren weiter, in die falsche Richtung.
Während die beiden sich vor aufgeregtem Gegacker überschlugen ("der hat doch keine 30 Sekunden gehalten!", "das können die doch nicht machen!", "das gibts doch nicht" und immer wieder "Jetzt fahren wir weiter. Jetzt fahren wir zu weit..."), platzte ich vor Wut bald. Immerhin war ich zu der Zeit schon 11 Stunden Zug gefahren und hatte mir eine ganze Menge Müll anhören müssen.
Während ich also versuchte, eine neue Verbindung zu finden, bemerkte die Dame, dass ihr Kakao in der Tasche ausgelaufen war. Schon alleine 11 Stunden lang so einen Kakaobecher mit Aludeckel in der Handtasche mit sich herumzutragen ist doch ein klar formuliertes "dich brauch ich nicht!" an den gesunden Menschenverstand. Sie schwenkte also völlig entsetzt den kaputten Kakaobecher herum und entleerte einen halben Liter der wirklich nach Rückwärtsgegessenem stinkenden Brühe weiter in ihre Tasche, über den Fußboden, ihren Koffer und schließlich auch die Reisetasche des Herrn. Der war bedauernswerterweise nur für zwei Tage verreist und hatte genau ein einziges Hemd darin - das war jetzt nicht mehr ganz so weiß.
Mitten rein in dieses Chaos kam der nächste Halt, scheinbar ganz überraschend für den Herren, denn als wir auf dem Bahnsteig standen fiel uns auf, dass er den Ausstieg nicht geschafft hatte.
Wie egal mir das dann war kann sich keiner vorstellen.
Die Eskapade führte dazu, dass sich die Zugfahrt noch um ein Stündchen verlängerte und ich meinen Enkeln später was zu erzählen habe. Zum Glück verabschiedete sich auch meine letzte Mitfahrerin relativ bald und ich hatte endlich meine Ruhe.
Um zehn Uhr abends, nach 15 Stunden, hatte ich dann weder sportlich etwas erreicht, noch ein gutes Buch gelesen, hatte kein Geld verdient und auch sonst nichts Sinnvolles erledigt, aber ich war am Ende meiner Reise angelangt, und hatte dafür nur 7,30€ bezahlt. Vor Kopfschmerzen und Müdigkeit konnte ich kaum einen klaren Gedanken fassen, aber eins wusste ich ganz sicher: "NIE WIEDER!"
Mal sehen, wie lange es dauert, um diesen guten Vorsatz wieder voll jugendlichen Leichtsinns und Optimismus zu vergessen. Ich befürchte, nicht lange genug.
Freitag, 17. Januar 2014
Hoch und runter, und hoch und runter, und wieder...
Manchmal liege ich abends im Bett und denke mir, ich werde sie alle wegfegen. Dann habe ich die Liste an "Werken" in meinem Kopf und bin von jedem einzelnen überzeugt.
Dann gibt es wieder diese schrecklichen Momente in denen ich mir sicher bin, alles zu verhauen, in die ganz falsche Richtung zu arbeiten, nicht genug Zeit zu haben und dass alles was ich bis jetzt fabriziert habe ausnahmslos großer Mist ist. Ich werde es niemals schaffen, es hat keinen Sinn, ich sollte mir einen langweiligen Studiengang suchen der meinen Kompetenzen entspricht...
Bitte hört nicht auf zu beten! Manchmal stecke ich in einer Krise, kann vor Panik keinen klaren Gedanken mehr fassen und würde mich am liebsten unter dem Teppich verkriechen und nie wieder hervorkommen. Und dann, innerhalb von Minuten ändert sich das, ich habe eine neue Idee, neuen Mut, und fange an weiterzuarbeiten.
Ich bin mir ganz sicher, dass das davon kommt, dass in dem Moment gerade jemand gebetet hat. Genauso wie die Ideen, die aus heiterem Himmel kommen, meistens kurz bevor ich einschlafe. "Jetzt hat jemand Gott in den Ohren gelegen", denke ich mir dann. Und "Danke".
Ich spüre, dass Gott mich trägt. Ich habe schon eine ganze Menge umgesetzt, ich arbeite tatsächlich Tag für Tag meine Liste ab, merke, dass ich dabei sehr viel lerne. Auch wenn im Moment wieder so eine Phase ist in der ich alles anzweifle... ich glaube es kommt so langsam was zusammen. Das Wichtigste ist, immer weiterzumachen; das gilt vielleicht für jeden Bereich im Leben.
Spannend wird es am 31. Januar, da ist die nächste Mappenberatung. Ich fürchte niederschmetternde Kritik und hoffe auf aufmunternde, anspornende Worte...
Deadline ist, wie ich heute erfahren habe, der 28. März. Da ist Mappen- und Hausaufgabenabgabe. Am 29. sind schon die Gespräche. Und dann - warte ich auf die e-Mail. Da bekomme ich jetzt schon Herzrasen.
Übrigens kann ich vielleicht sogar Unterstützung bekommen in dieser Zeit. Mein Antrag auf Arbeitslosengeld läuft, ich habe mich anderthalb Stunden durch stapelweise Formulare gekämpft und verschiedene Leute mit den ganzen Sachen, die ich zu kopieren und drucken hatte verrückt gemacht. Jetzt kommt es nur noch darauf an, ob ich meinem Jobvermittler die Situation einleuchtend erklären kann. Das passiert dann nächsten Mittwoch.
Danke Gott, dass das alles gar nicht so schlimm war mit dem Antrag auf Arbeitslosengeld.
Danke, dass es so viele Menschen gibt, die an mich denken und mir immer wieder Mut machen.
Danke, dass es bei MäcGeiz gutes Aquarellpapier gibt.
Danke, dass ich bald steinalt werde und dann ein paar Tage Energie tanken kann.
Danke, dass heute so schön die Sonne geschienen hat. Ich freue mich auf den Frühling in Berlin!
Danke, dass die Strecke zu Oma und Opa so sensationell gut mit dem Fahrrad zu fahren ist. Du hast wirklich an alles gedacht.
Danke, dass das vor mir liegende Jahr voller "Freu-Punkte" ist. Lauter schöne Termine, auf die man hinarbeiten kann.
Danke, dass der Aldi Fotoservice heute zwei Dateien geschluckt hat, die über 10MB groß waren, obwohl eigentlich vorher dastand, dass das nicht sein darf.
Danke für Cathie, die sich Gedanken um meinen Geburtstag macht. Toll, was du für Leute aufgetrieben hast um mit mir zusammen zu wohnen!
Danke, dass morgen Samstag ist. Bitte lass mich ganz viele gelbe Dinge in der Stadt entdecken!
Dann gibt es wieder diese schrecklichen Momente in denen ich mir sicher bin, alles zu verhauen, in die ganz falsche Richtung zu arbeiten, nicht genug Zeit zu haben und dass alles was ich bis jetzt fabriziert habe ausnahmslos großer Mist ist. Ich werde es niemals schaffen, es hat keinen Sinn, ich sollte mir einen langweiligen Studiengang suchen der meinen Kompetenzen entspricht...
Bitte hört nicht auf zu beten! Manchmal stecke ich in einer Krise, kann vor Panik keinen klaren Gedanken mehr fassen und würde mich am liebsten unter dem Teppich verkriechen und nie wieder hervorkommen. Und dann, innerhalb von Minuten ändert sich das, ich habe eine neue Idee, neuen Mut, und fange an weiterzuarbeiten.
Ich bin mir ganz sicher, dass das davon kommt, dass in dem Moment gerade jemand gebetet hat. Genauso wie die Ideen, die aus heiterem Himmel kommen, meistens kurz bevor ich einschlafe. "Jetzt hat jemand Gott in den Ohren gelegen", denke ich mir dann. Und "Danke".
Ich spüre, dass Gott mich trägt. Ich habe schon eine ganze Menge umgesetzt, ich arbeite tatsächlich Tag für Tag meine Liste ab, merke, dass ich dabei sehr viel lerne. Auch wenn im Moment wieder so eine Phase ist in der ich alles anzweifle... ich glaube es kommt so langsam was zusammen. Das Wichtigste ist, immer weiterzumachen; das gilt vielleicht für jeden Bereich im Leben.
Spannend wird es am 31. Januar, da ist die nächste Mappenberatung. Ich fürchte niederschmetternde Kritik und hoffe auf aufmunternde, anspornende Worte...
Deadline ist, wie ich heute erfahren habe, der 28. März. Da ist Mappen- und Hausaufgabenabgabe. Am 29. sind schon die Gespräche. Und dann - warte ich auf die e-Mail. Da bekomme ich jetzt schon Herzrasen.
Übrigens kann ich vielleicht sogar Unterstützung bekommen in dieser Zeit. Mein Antrag auf Arbeitslosengeld läuft, ich habe mich anderthalb Stunden durch stapelweise Formulare gekämpft und verschiedene Leute mit den ganzen Sachen, die ich zu kopieren und drucken hatte verrückt gemacht. Jetzt kommt es nur noch darauf an, ob ich meinem Jobvermittler die Situation einleuchtend erklären kann. Das passiert dann nächsten Mittwoch.
Danke Gott, dass das alles gar nicht so schlimm war mit dem Antrag auf Arbeitslosengeld.
Danke, dass es so viele Menschen gibt, die an mich denken und mir immer wieder Mut machen.
Danke, dass es bei MäcGeiz gutes Aquarellpapier gibt.
Danke, dass ich bald steinalt werde und dann ein paar Tage Energie tanken kann.
Danke, dass heute so schön die Sonne geschienen hat. Ich freue mich auf den Frühling in Berlin!
Danke, dass die Strecke zu Oma und Opa so sensationell gut mit dem Fahrrad zu fahren ist. Du hast wirklich an alles gedacht.
Danke, dass das vor mir liegende Jahr voller "Freu-Punkte" ist. Lauter schöne Termine, auf die man hinarbeiten kann.
Danke, dass der Aldi Fotoservice heute zwei Dateien geschluckt hat, die über 10MB groß waren, obwohl eigentlich vorher dastand, dass das nicht sein darf.
Danke für Cathie, die sich Gedanken um meinen Geburtstag macht. Toll, was du für Leute aufgetrieben hast um mit mir zusammen zu wohnen!
Danke, dass morgen Samstag ist. Bitte lass mich ganz viele gelbe Dinge in der Stadt entdecken!
Mittwoch, 11. Dezember 2013
Meine Bitte an euch!
Ich habe letzte Woche erfolgreich mein Praktikum zum Ende gebracht. Also eigentlich nicht wirklich, denn sie wollen mir weiterhin punktuell Aufträge zuschicken und mich machen lassen, was für mich ein sehr schöner Einstieg in die Berufswelt sein könnte.
Aber zumindest endet jetzt die bafög-geförderte 40-Stunden Woche die wenig Raum für anderes lässt. Ich muss nicht mehr 9.15 Uhr los um 10 Uhr auf Arbeit zu sein, mich ab 12 Uhr auf meine mitgenommene Stulle freuen, diese 14 Uhr verzehren und gegen 18 Uhr auf Feierabend drängen. Ich muss keine Überstunden mehr machen, werde nicht mehr gefragt ob ich Samstags beim Shooting helfen kann, muss freitags keine Übersicht der über die Woche erledigten Arbeit mehr vorzeigen.
Was mache ich also jetzt?
Es ist Zeit, es endlich anzugehen, dem Schrecken Mappe und Studiumsbewerbung die Stirn zu bieten.
Ich glaube es gibt kaum einen anderen Studiengang außerhalb der kreativen Bereiche, an denen mein Abiturszeugnis irrelevant ist und mir nicht dadurch die Türen schon geöffnet werden. Es könnte so einfach sein... aber ich habe mir etwas ausgesucht, was schwierig ist, weil ich das wirklich will. Ich habe mir den Weg ausgesucht, bei dem ich ein Vorpraktikum machen muss, eine Mappe erarbeiten muss, eine Hausaufgabe erledigen muss und zu guter Letzt ein Bewerbungsgespräch meistern, um möglicherweise zum Studium angenommen zu werden.
Mir zittern beim Gedanken daran schon seit mehr als 3 Jahren die Knie, aber jetzt wird es angegangen.
Wahrscheinlich mache ich mir selbst viel mehr Stress und Druck als legitim wäre, schon allein dadurch, dass ich mich nur auf diese eine Hochschule fokussiere. Aber wenn diese mich doch mit ihren Projekten, ihrem Auftreten, ihrem Studiumsaufbau und nicht zuletzt ihrem Standort so überzeugt?
Jetzt kennt ihr also annähernd das Dilemma und mir ist überhaupt nicht wohl. Anderthalb Monate habe ich Zeit für die Mappe, dann einen Monat für die gestellte Hausaufgabe und dann wird es richtig bitterernst. Ähnlich ohnmächtig einem herannahenden Datum gegenüber habe ich mich das letzte Mal vor dem Abitur gefühlt.
Ich habe eine große Bitte an euch. Betet für mich! Nichts ist wirkungsvoller, hilfreicher, ermutigender, sinnvoller und erfolgsversprechender. Bitte betet für gute Ideen, für gute Umsetzung, dass die Zeit reicht, und gute Umstände bei der Mappensichtung.
Bei dieser Studiumsbewerbung ist so viel "Glück" dabei, es gibt so viele Faktoren, die der Bewerber selbst überhaupt nicht beeinflussen kann. Innerhalb von 2 Tagen müssen 10 Professoren mehr als 400 Mappen sichten. Dabei bleibt für jede Mappe 5 bis maximal 10 Minuten. Wenn der Professor gelangweilt, genervt, schlecht gelaunt oder hungrig ist, ist das schon ein fettes Minus. Wenn er für sein Leben gern Bananen isst, könnte das bei meinem Mappenthema schon ein fettes Plus sein.
Gott ist der, der alles lenkt und leitet und eigentlich sollte ich es mir wirklich nicht selbst so schwer machen. Denn ich kann strampeln wie ich will und scheitern oder schlechte Sachen produzieren wie ich will und trotzdem angenommen werden, wenn es in seinem Plan steht. Ich weiß gar nicht, warum ich das nicht so einfach annehmen und ganz gelöst an die Arbeit gehen kann.
Danke, dass ich auf eure Unterstützung zählen kann. Lasst uns die Leitungen nach oben zum glühen bringen, damit ich diese Aufgabe irgendwie bewältige. Denn eins ist klar: Kommunikationsdesign ist an sich schon ein völlig überlaufener Studiengang, aber sich auch noch in Berlin zu bewerben, wo sowieso jeder hinwill, das trauen sich nur die ganz bekloppten Leute. Allein schaff ich es nie, mich bei dieser Konkurrenz behaupten zu können. Zum Glück muss ich nichts allein machen.
Und eins sag ich euch. Sollte es klappen, schmeiße ich eine fette Party. Dann lass ich sowas von die Korken knallen!!!
Ps.: Wenn ihr mir außerdem noch helfen wollen würdet, dann sammelt doch Bananen in Prospekten, Zeitungen, Zeitschriften etc. und lasst mir diese Anfang Januar zukommen. Bilder und als ausgeschriebene Worte sind mir gleichermaßen absolut willkommen!
Aber zumindest endet jetzt die bafög-geförderte 40-Stunden Woche die wenig Raum für anderes lässt. Ich muss nicht mehr 9.15 Uhr los um 10 Uhr auf Arbeit zu sein, mich ab 12 Uhr auf meine mitgenommene Stulle freuen, diese 14 Uhr verzehren und gegen 18 Uhr auf Feierabend drängen. Ich muss keine Überstunden mehr machen, werde nicht mehr gefragt ob ich Samstags beim Shooting helfen kann, muss freitags keine Übersicht der über die Woche erledigten Arbeit mehr vorzeigen.
Was mache ich also jetzt?
Es ist Zeit, es endlich anzugehen, dem Schrecken Mappe und Studiumsbewerbung die Stirn zu bieten.
Ich glaube es gibt kaum einen anderen Studiengang außerhalb der kreativen Bereiche, an denen mein Abiturszeugnis irrelevant ist und mir nicht dadurch die Türen schon geöffnet werden. Es könnte so einfach sein... aber ich habe mir etwas ausgesucht, was schwierig ist, weil ich das wirklich will. Ich habe mir den Weg ausgesucht, bei dem ich ein Vorpraktikum machen muss, eine Mappe erarbeiten muss, eine Hausaufgabe erledigen muss und zu guter Letzt ein Bewerbungsgespräch meistern, um möglicherweise zum Studium angenommen zu werden.
Mir zittern beim Gedanken daran schon seit mehr als 3 Jahren die Knie, aber jetzt wird es angegangen.
Wahrscheinlich mache ich mir selbst viel mehr Stress und Druck als legitim wäre, schon allein dadurch, dass ich mich nur auf diese eine Hochschule fokussiere. Aber wenn diese mich doch mit ihren Projekten, ihrem Auftreten, ihrem Studiumsaufbau und nicht zuletzt ihrem Standort so überzeugt?
Jetzt kennt ihr also annähernd das Dilemma und mir ist überhaupt nicht wohl. Anderthalb Monate habe ich Zeit für die Mappe, dann einen Monat für die gestellte Hausaufgabe und dann wird es richtig bitterernst. Ähnlich ohnmächtig einem herannahenden Datum gegenüber habe ich mich das letzte Mal vor dem Abitur gefühlt.
Ich habe eine große Bitte an euch. Betet für mich! Nichts ist wirkungsvoller, hilfreicher, ermutigender, sinnvoller und erfolgsversprechender. Bitte betet für gute Ideen, für gute Umsetzung, dass die Zeit reicht, und gute Umstände bei der Mappensichtung.
Bei dieser Studiumsbewerbung ist so viel "Glück" dabei, es gibt so viele Faktoren, die der Bewerber selbst überhaupt nicht beeinflussen kann. Innerhalb von 2 Tagen müssen 10 Professoren mehr als 400 Mappen sichten. Dabei bleibt für jede Mappe 5 bis maximal 10 Minuten. Wenn der Professor gelangweilt, genervt, schlecht gelaunt oder hungrig ist, ist das schon ein fettes Minus. Wenn er für sein Leben gern Bananen isst, könnte das bei meinem Mappenthema schon ein fettes Plus sein.
Gott ist der, der alles lenkt und leitet und eigentlich sollte ich es mir wirklich nicht selbst so schwer machen. Denn ich kann strampeln wie ich will und scheitern oder schlechte Sachen produzieren wie ich will und trotzdem angenommen werden, wenn es in seinem Plan steht. Ich weiß gar nicht, warum ich das nicht so einfach annehmen und ganz gelöst an die Arbeit gehen kann.
Danke, dass ich auf eure Unterstützung zählen kann. Lasst uns die Leitungen nach oben zum glühen bringen, damit ich diese Aufgabe irgendwie bewältige. Denn eins ist klar: Kommunikationsdesign ist an sich schon ein völlig überlaufener Studiengang, aber sich auch noch in Berlin zu bewerben, wo sowieso jeder hinwill, das trauen sich nur die ganz bekloppten Leute. Allein schaff ich es nie, mich bei dieser Konkurrenz behaupten zu können. Zum Glück muss ich nichts allein machen.
Und eins sag ich euch. Sollte es klappen, schmeiße ich eine fette Party. Dann lass ich sowas von die Korken knallen!!!
Ps.: Wenn ihr mir außerdem noch helfen wollen würdet, dann sammelt doch Bananen in Prospekten, Zeitungen, Zeitschriften etc. und lasst mir diese Anfang Januar zukommen. Bilder und als ausgeschriebene Worte sind mir gleichermaßen absolut willkommen!
Sonntag, 24. November 2013
S-Bahn
Kennt ihr das, wenn sich urplötzlich eine seltsame Trübseligkeit über euch legt? Bei mir war das gerade so, und ich weiß gar nicht warum ich mir plötzlich so einsam und verlassen vorkam. Nachdem ich in aller Traurigkeit meine Abendbrot gegessen habe, musste ich noch den Müll runterbringen.
Als ich unten im Hinterhof war, empfing mich so eine herrlich kühle, frische Luft, es roch nach Weihnachten! Und außerdem probt gerade ein Chor da unten. Das hörte sich so lustig an, dass es mir jetzt fast schon wieder gut geht.
Wovon ich aber eigentlich schreiben wollte, ist die Berliner S-Bahn. Seit zweieinhalb Monaten fahre ich jetzt beinahe jeden Tag ein mehr oder weniger langes Stück mit der S-Bahn und ständig beobachte ich Szenen, die mir unglaublich poetisch, vielsagend, traurig oder einfach skuril vorkommen. Ich glaube, man könnte ein Jahr lang S-Bahn fahren und ein echt dickes Buch darüber schreiben. In der S-Bahn erhält man Einblicke in den Alltag anderer Menschen, bekommt manchmal schneller als gut wäre mit, wie die Beziehungen untereinander sind, kann vielleicht für 7 Minuten unbemerkt teilhaben an ihrem Leben. Das Schöne an diesen anonymen Figuren ist: was man nicht weiß, kann man sich dazudenken. Und auch wenn ich jeden Tag genervt bin von der Fahrt, den Verspätungen, der "nutzlosen" Zeit die meinen Feierabend unnötig weit in die Ferne rückt... S-Bahn fahren ist schon ein echtes Erlebnis.
Traurig, schockierend, und gleichzeitig mit einem angenenhmen Gruseln zu beobachten sind die jungen Mütter. Ich meine die sehr jungen. Die, die noch nichtmal aus der Phase der Make-Up-Experimente heraus sind. Meistens übergewichtig, nicht die schönsten Klamotten. Immer, und zwar ausnahmslos immer, sind sie allein unterwegs, oder höchstens noch mit einer Mutter, deren faltige Gesichtshaut Bände über die unzähligen Stangen Zigaretten spricht, die sie in ihrem Leben schon konsumiert hat. Asozial. Bloß gut, dass ich nicht so bin. Wie kann man auch so blöd sein...
Meistens haben diese Mütter ihre Kevins oder Melanies nicht im Griff. Die zappeln und krähen und sind auch mit viel Futter nicht zufrieden zu stellen.
Und wisst ihr was? Diese jungen Mütter strahlen so oft eine unglaubliche Zufriedenheit aus. Sogar Glück. Selbstbewusst streichen sie sich die Haare aus dem Gesicht, bevor sie sich wieder voller Hingabe ihrem Baby widmen, das in einem Kinderwagen liegt, den die Mutter anstelle der schicken Klamotten gekauft hat. Sie sehen nur diesen kleinen Wurm, und sind völlig immun gegen alle Blicke, die ihnen zugeworfen werden. Ist die Oma mit dabei, sieht man den Stolz trotz allem Kummer förmlich aus ihren Augen springen. Diese Menschen haben ihren Platz im Leben gefunden, und es ist scheißegal was jemand wie ich darüber denkt, wer sich über das Babygeschrei aufregt, wieviel Abneigung, Ablehnung und Verachtung ihnen von wildfremden Leuten entgegentritt, von denen jeder meint, die Geschichte "solcher Leute" zu kennen.
Vor ein paar Wochen saß ich auf dem Weg nach Hause wieder in einer übervollen S-Bahn. Mir gegenüber saß ein kleiner, türkischer Junge. Eigentlich hatte ich gar keine gute Laune, aber ich grinste ihn an. Der Rest seiner Familie stand etwas abseits, und es kam mir vor als sei es ihm peinlich, wie laut sie alle waren und hätte sich etwas abgesondert.
Vorsichtig öffnete er seine Schulmappe, und holte ein kleines Segelboot, das aus einer Nussschale gebaut war, heraus. Er drehte und wendete es und sah mich verstohlen an. Ich lächelte wieder, und begutachtete es genau.
Er packte es wieder weg, und kramte etwas anderes hervor. Ich weiß nicht mehr, was es war, ein Bild vielleicht. Als ich erneut meine Anerkennung der Bastelarbeit durch ein Lächeln deutlich machte, lachte er zum ersten Mal zurück. Im Laufe von drei Stationen zeigte er mir noch einige andere Sachen, darunter seinen kleinen Bruder. Alles ganz nebenbei, wie unbeabsichtigt, ohne ein Wort. Irgendwann stiegen sie dann aus. Ein nettes Feierabendgespräch.
"Meine" Strecke von zu Hause zur Arbeit kenne ich mitterlweile beinahe in- und auswendig. Und trotzdem entdeckt man doch immer mal wieder ein neues Detail, wenn man nur genau hinschaut. In der zweiten Woche erst bemerkte ich zum Beispiel, dass man eine ganze Weile lang ständig den Fernsehturm hinter den Häuserzeilen herausragen sieht, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Es ist ein kurzer Glücksmoment, wenn ich plötzlich den Fernsehturm sehe, weil ich dann wieder einmal merke, dass ich wirklich in Berlin wohne.
Immer mal wieder sieht man auch plötzlich ein neues Grafitti. Extrem detailgetreu, extrem bunt, oder an extrem unerreichbaren Stellen, die meisten sind mehr als nur eine vandalöse Schmiererei.
In den S-Bahnstationen ist es ein netter Zeitvertreib, die großen Werbeplakate etwas genauer zu betrachten. Warum spricht das eine an, und nervt das andere nur? Welche Farben, wieviele Schriften werden verwendet und wie werden die Elemente angeordnet? Was hätte man besser machen können....?
Na gut, das mag nicht jedem Spaß machen.
Spaßig ist auf jeden Fall der Garten am Treptower Park, der mir im Hellen durch seinen großen, blauen Pool auffällt, durch den beinahe jeden Morgen eine nackte Oma schwimmt, oder im Dunklen durch die hoffnungslos übertriebene Weihnachtsbeleuchtung, die vor keinem Baum und keinem Busch Halt gemacht hat. Immer wieder einen Schmunzler wert, diese Strecke.
Gerade erst diese Woche bot sich mir in meiner U-Bahnstation ein wirklich verstörendes Bild. Es war kurz nach neun Uhr und mitten im Berufstrubel. Auf einer der unbequemen harten Bänke lag ein Obdachloser ausgestreckt. Unter der Bank plätscherte es. Eine große Lache bildete sich unter ihm, ein fieses Rinnsal lief quer durch die Halle unbeeindruckt auf das Gleisbett zu. Der Mann schien nichts zu bemerken, er schlief tief und fest, endlich für eine Zeitlang ungestört von Sicherheitsbeamten.
Die Menschen bremsten kurz ihre betriebsame Hast ab und starrten unangenehm berührt, angeekelt, ungläubig auf diesen schmutzigen Mann, der lediglich eine Schachtel Zigaretten fest umklammert hielt, sonst nichts hatte, auf dieser Bank lag und kurzzeitig nicht mehr fror, nicht mehr hungerte, einfach nur schlief. Und sich dabei extrem einpinkelte.
Es war eine sehr bedrückte Atmosphäre, bis endlich die U-Bahn kam und man dieser Situation entrinnen konnte. Brutal deutlich wurde einem gemacht, was Armut und Obdachlosigkeit bedeutet. Nicht nur eine abgeranzte Erscheinung. Nicht nur das Betteln. Der Verlust jeglicher Würde, wenn alle Menschen dabei zugucken können, wie man sich einnässt und das selbst nicht einmal bemerkt.
Bloß schnell weg, zur Arbeit.
Mir fällt wirklich noch so Vieles ein. Die "Musiker", die manchmal wirklich gut, manchmal witzig, meistens aber einfach nur extrem nervtötend sind, so wie die Frau die jeden Morgen an meiner Station steht und genau das selbe Lied auf dem Akkordeon spielt.
Die Ansagen der Fahrer, die von unendlich gelangweilt über amateurhaft freundlich und ausführlich bis hin zu ernsthaft verzweifelt klingen.
Ein eigenes Kapitel sind auch die Fahrstühle der S-Bahn wert, die einen mit gruseligen Geräuschen laut darüber auszulachen scheinen, dass man ihnen wieder einmal vertraut und sich in die Blechkästen begibt.
Oder das Gepäck mancher Passagiere. Manche scheinen mit der S-Bahn umzuziehen, und andere haben so ein schräges Sammelsurium an Gegenständen bei sich, das selbst mir die Fantasie fehlt um da einen Zusammenhang herzustellen.
Am 9.12. mit Ablauf meiner jetzigen Monatskarte enden meine S-Bahnerfahrungen erst einmal vorläufig. Ich bezweifle stark, dass man auf dem Fahrrad genauso tolle Geschichten erlebt. Aber wer weiß... wenn, dann werde ich euch berichten!
Als ich unten im Hinterhof war, empfing mich so eine herrlich kühle, frische Luft, es roch nach Weihnachten! Und außerdem probt gerade ein Chor da unten. Das hörte sich so lustig an, dass es mir jetzt fast schon wieder gut geht.
Wovon ich aber eigentlich schreiben wollte, ist die Berliner S-Bahn. Seit zweieinhalb Monaten fahre ich jetzt beinahe jeden Tag ein mehr oder weniger langes Stück mit der S-Bahn und ständig beobachte ich Szenen, die mir unglaublich poetisch, vielsagend, traurig oder einfach skuril vorkommen. Ich glaube, man könnte ein Jahr lang S-Bahn fahren und ein echt dickes Buch darüber schreiben. In der S-Bahn erhält man Einblicke in den Alltag anderer Menschen, bekommt manchmal schneller als gut wäre mit, wie die Beziehungen untereinander sind, kann vielleicht für 7 Minuten unbemerkt teilhaben an ihrem Leben. Das Schöne an diesen anonymen Figuren ist: was man nicht weiß, kann man sich dazudenken. Und auch wenn ich jeden Tag genervt bin von der Fahrt, den Verspätungen, der "nutzlosen" Zeit die meinen Feierabend unnötig weit in die Ferne rückt... S-Bahn fahren ist schon ein echtes Erlebnis.
Traurig, schockierend, und gleichzeitig mit einem angenenhmen Gruseln zu beobachten sind die jungen Mütter. Ich meine die sehr jungen. Die, die noch nichtmal aus der Phase der Make-Up-Experimente heraus sind. Meistens übergewichtig, nicht die schönsten Klamotten. Immer, und zwar ausnahmslos immer, sind sie allein unterwegs, oder höchstens noch mit einer Mutter, deren faltige Gesichtshaut Bände über die unzähligen Stangen Zigaretten spricht, die sie in ihrem Leben schon konsumiert hat. Asozial. Bloß gut, dass ich nicht so bin. Wie kann man auch so blöd sein...
Meistens haben diese Mütter ihre Kevins oder Melanies nicht im Griff. Die zappeln und krähen und sind auch mit viel Futter nicht zufrieden zu stellen.
Und wisst ihr was? Diese jungen Mütter strahlen so oft eine unglaubliche Zufriedenheit aus. Sogar Glück. Selbstbewusst streichen sie sich die Haare aus dem Gesicht, bevor sie sich wieder voller Hingabe ihrem Baby widmen, das in einem Kinderwagen liegt, den die Mutter anstelle der schicken Klamotten gekauft hat. Sie sehen nur diesen kleinen Wurm, und sind völlig immun gegen alle Blicke, die ihnen zugeworfen werden. Ist die Oma mit dabei, sieht man den Stolz trotz allem Kummer förmlich aus ihren Augen springen. Diese Menschen haben ihren Platz im Leben gefunden, und es ist scheißegal was jemand wie ich darüber denkt, wer sich über das Babygeschrei aufregt, wieviel Abneigung, Ablehnung und Verachtung ihnen von wildfremden Leuten entgegentritt, von denen jeder meint, die Geschichte "solcher Leute" zu kennen.
Vor ein paar Wochen saß ich auf dem Weg nach Hause wieder in einer übervollen S-Bahn. Mir gegenüber saß ein kleiner, türkischer Junge. Eigentlich hatte ich gar keine gute Laune, aber ich grinste ihn an. Der Rest seiner Familie stand etwas abseits, und es kam mir vor als sei es ihm peinlich, wie laut sie alle waren und hätte sich etwas abgesondert.
Vorsichtig öffnete er seine Schulmappe, und holte ein kleines Segelboot, das aus einer Nussschale gebaut war, heraus. Er drehte und wendete es und sah mich verstohlen an. Ich lächelte wieder, und begutachtete es genau.
Er packte es wieder weg, und kramte etwas anderes hervor. Ich weiß nicht mehr, was es war, ein Bild vielleicht. Als ich erneut meine Anerkennung der Bastelarbeit durch ein Lächeln deutlich machte, lachte er zum ersten Mal zurück. Im Laufe von drei Stationen zeigte er mir noch einige andere Sachen, darunter seinen kleinen Bruder. Alles ganz nebenbei, wie unbeabsichtigt, ohne ein Wort. Irgendwann stiegen sie dann aus. Ein nettes Feierabendgespräch.
"Meine" Strecke von zu Hause zur Arbeit kenne ich mitterlweile beinahe in- und auswendig. Und trotzdem entdeckt man doch immer mal wieder ein neues Detail, wenn man nur genau hinschaut. In der zweiten Woche erst bemerkte ich zum Beispiel, dass man eine ganze Weile lang ständig den Fernsehturm hinter den Häuserzeilen herausragen sieht, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Es ist ein kurzer Glücksmoment, wenn ich plötzlich den Fernsehturm sehe, weil ich dann wieder einmal merke, dass ich wirklich in Berlin wohne.
Immer mal wieder sieht man auch plötzlich ein neues Grafitti. Extrem detailgetreu, extrem bunt, oder an extrem unerreichbaren Stellen, die meisten sind mehr als nur eine vandalöse Schmiererei.
In den S-Bahnstationen ist es ein netter Zeitvertreib, die großen Werbeplakate etwas genauer zu betrachten. Warum spricht das eine an, und nervt das andere nur? Welche Farben, wieviele Schriften werden verwendet und wie werden die Elemente angeordnet? Was hätte man besser machen können....?
Na gut, das mag nicht jedem Spaß machen.
Spaßig ist auf jeden Fall der Garten am Treptower Park, der mir im Hellen durch seinen großen, blauen Pool auffällt, durch den beinahe jeden Morgen eine nackte Oma schwimmt, oder im Dunklen durch die hoffnungslos übertriebene Weihnachtsbeleuchtung, die vor keinem Baum und keinem Busch Halt gemacht hat. Immer wieder einen Schmunzler wert, diese Strecke.
Gerade erst diese Woche bot sich mir in meiner U-Bahnstation ein wirklich verstörendes Bild. Es war kurz nach neun Uhr und mitten im Berufstrubel. Auf einer der unbequemen harten Bänke lag ein Obdachloser ausgestreckt. Unter der Bank plätscherte es. Eine große Lache bildete sich unter ihm, ein fieses Rinnsal lief quer durch die Halle unbeeindruckt auf das Gleisbett zu. Der Mann schien nichts zu bemerken, er schlief tief und fest, endlich für eine Zeitlang ungestört von Sicherheitsbeamten.
Die Menschen bremsten kurz ihre betriebsame Hast ab und starrten unangenehm berührt, angeekelt, ungläubig auf diesen schmutzigen Mann, der lediglich eine Schachtel Zigaretten fest umklammert hielt, sonst nichts hatte, auf dieser Bank lag und kurzzeitig nicht mehr fror, nicht mehr hungerte, einfach nur schlief. Und sich dabei extrem einpinkelte.
Es war eine sehr bedrückte Atmosphäre, bis endlich die U-Bahn kam und man dieser Situation entrinnen konnte. Brutal deutlich wurde einem gemacht, was Armut und Obdachlosigkeit bedeutet. Nicht nur eine abgeranzte Erscheinung. Nicht nur das Betteln. Der Verlust jeglicher Würde, wenn alle Menschen dabei zugucken können, wie man sich einnässt und das selbst nicht einmal bemerkt.
Bloß schnell weg, zur Arbeit.
Mir fällt wirklich noch so Vieles ein. Die "Musiker", die manchmal wirklich gut, manchmal witzig, meistens aber einfach nur extrem nervtötend sind, so wie die Frau die jeden Morgen an meiner Station steht und genau das selbe Lied auf dem Akkordeon spielt.
Die Ansagen der Fahrer, die von unendlich gelangweilt über amateurhaft freundlich und ausführlich bis hin zu ernsthaft verzweifelt klingen.
Ein eigenes Kapitel sind auch die Fahrstühle der S-Bahn wert, die einen mit gruseligen Geräuschen laut darüber auszulachen scheinen, dass man ihnen wieder einmal vertraut und sich in die Blechkästen begibt.
Oder das Gepäck mancher Passagiere. Manche scheinen mit der S-Bahn umzuziehen, und andere haben so ein schräges Sammelsurium an Gegenständen bei sich, das selbst mir die Fantasie fehlt um da einen Zusammenhang herzustellen.
Am 9.12. mit Ablauf meiner jetzigen Monatskarte enden meine S-Bahnerfahrungen erst einmal vorläufig. Ich bezweifle stark, dass man auf dem Fahrrad genauso tolle Geschichten erlebt. Aber wer weiß... wenn, dann werde ich euch berichten!
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