Freitag, 5. April 2019

Neuer Standort

Meine abendliche Routine besteht aus Aufpusten.
Ich google Geschirrspülprogramme um zu sehen, welches am ökologischsten ist und welches schnell geht.
Ich kann völlig legitim meine Kleidung auf den Boden schmeißen. 
Ich stelle fest, dass neu gekaufte Geschirr- und Handtücher nicht trocknen, und sich ihr Zweck damit auf ein Minimum reduziert.
Wenn ich frische Luft brauche, habe ich die Wahl zwischen 14 zu öffnenden Fenstern.
Ich werde zum Profi für Montageanleitungen.
Morgens liege ich mit steifem Rücken und lausche einem verrückten Konzert von Vogelgezwitscher, ansonsten ist es einfach still. 

Ich bin umgezogen. Das ist aufregend, anstrengend, furchteinflößend und herrlich. Wie so oft lief das meiste nicht wie geplant. Mein Hab und Gut bekomme ich erst in zwei Wochen, solange ist campen und improvisieren angesagt. Das ist auf jeden Fall eine Erfahrung. Zunächst einmal: es geht, ohne alles. Ohne Kleiderschrank, Bett, Stuhl, Tisch. Aber herausfordernd. Jetzt, zum Ende von Woche 1, meldet sich mein Rücken morgens schon sehr deutlich. Ich schlafe auf einer Camping-Matratze, exakt 52 cm breit. Die und Bettzeug konnte ich mir von meinen Kollegen ausleihen. Und das ist schön! Ich mag es, wenn man Sachen teilt, um zu vermeiden Dinge zu kaufen die man innerhalb kürzester Zeit nicht mehr braucht und dann wegschmeißen würde. Wenn man sich gegenseitig vertraut und unterstützt, wenn es nötig ist. Dass mehrere Leute sich den Umstand gemacht haben und mehr oder weniger dicke Tüten mit auf die Arbeit geschleppt haben, damit ich nicht auf dem Boden schlafe. 

Abendessen, wenig stilvoll
Zusammengeliehenes Matratzenlager

Das Schöne ist, dass wenn man so reduziert lebt, jede Errungenschaft ein Fest ist. Am Anfang hatte ich wirklich nur die olle Luftmatratze, auf der ich nicht nur geschlafen, sondern auch gelesen, gestrickt und alles getan habe. Setze dich mal einen Abend an eine Wand, das ist überhaupt nicht angenehm! Dann habe ich mir einen wunderschönen gebrauchten Retro-Stuhl besorgt. Und jetzt genieße ich es ungemein, auf einem Stuhl sitzen zu können! Zumal dieses Sitzmöbel wirklich eine optische Wonne ist, und ich bekam ihn zu allem Überfluss auch noch geschenkt, nachdem die Verkäuferin mich vergessen hatte, ich eine halbe Stunde in der Kälte wartete und ihr das dann so Leid tat dass sie kein Geld mehr haben wollte. 

Ein Prachstück, oder? Und ich werde ihn neu bepolstern. Kann ja nicht so schwierig sein. 
Weitere Errungenschaften. Sachen selbst zusammenzubauen, zu montieren, zu verkabeln, in Betrieb zu nehmen, zum Beispiel eine Lampe, eine Klopapierrollenhalterung und Internet. Stolz ist gar kein Ausdruck für so viel ungeahnte Selbstständigkeit!


Die Fußbodenheizung, die ich im Bad habe. In Norwegen Standard, aber ich freue mich jeden Morgen aus dem kalten Zimmer auf warme Fliesen zu tappen.

Eine Spülmaschine. 

Die neue Gegend, mit einem Fluss und einer Truppe Singvögeln auf der einen Seite, viele besondere kleine Läden und Cafés auf der anderen Seite. 

Der Arbeitsweg, der es mir erlaubt, mich morgens eine halbe Stunde zu sammeln und es außerdem leicht macht, die von der Fitbit täglich geforderten 10.000 Schritte zu sammeln. 

 
Wenn man sich auf dem Weg zur Arbeit wie im Urlaub fühlt. (Im sehr spießigen Urlaub)
Und so viel mehr. Ja, es ist chaotisch und ungemütlich zu Hause, und manchmal fühle ich mich überhaupt nicht wohl. Vor allem wenn kurz nach zehn Uhr abends ein Alarm unter dem Spülbecken losgeht und ich partout nicht herausfinde, woher das kommt. Erst jede Sicherung einzeln herausnehme und schließlich den kompletten Strom abschalte, bis es aufhört. Und die Nacht über ultra-wachsam bin, auf jedes Geräusch höre in der Angst, einen Wassermelder o.Ä. abgeschaltet zu haben und gerade einen Riesenschaden zu verursachen. Den ich selbst bezahlen muss, weil ich ohne Bank ID noch keine Hausratversicherung abschließen konnte. 

Aber es gibt auch so viele schöne Momente und Entdeckungen. Wenn es erst eingerichtet, ordentlich und wohnlich ist ... dann werde ich mich sicher wohlfühlen. Ich bin dankbar! Grüße aus dem Hottentotten-Lager.

Mittwoch, 27. März 2019

Fehler im System


Ich hatte es ja schon ab und zu anklingen lassen, wie kompliziert es ist in dieses norwegische, elektronische System reinzukommen. Die Schlacht dauert an, und mittlerweile sind so viele absurde Situationen entstanden, dass ich gar nicht umhin kann, einen eigenen Blogpost dazu zu schreiben. Es ist wie in Kafkas düsteren Romanen, oder dem Asterix-Film wo Asterix und Obelix beim Amt den Passierschein A38 beantragen sollen. Völlig verrückt.

Für Norweger, und wenn man einmal drin ist, scheint es zu funktionieren. Alles Offizielle, Medizinische, Finanzielle kann online beantragt, unterschrieben und eingesehen werden. Wer allerdings (noch) nicht drin ist, für den gibt es keine Alternative.

Die erste Voraussetzung ist eine norwegische Personennummer, und ich berichtete davon, dass ich bei der zuständigen Behörde im Dezember einen Termin für Anfang April bekommen habe. 
Nur weil mein Arbeitgeber eine Agentur angeheuert und teuer Geld bezahlt hat, habe ich meine Nummer im Schnellverfahren bekommen. Damit konnte ich ein Bankkonto eröffnen und mein Gehalt bekommen (nach zwei Monaten). Außerdem bezahle ich jetzt beim einkaufen endlich nicht mehr teure Gebühren und absurde Wechselkurse.

Damit konnte ich auch ein Dokument beantragen, das ich brauchte um bei der deutschen Botschaft einen neuen Reisepass zu bekommen. Den Reisepass braucht man nämlich, um zu seinem Konto eine Bank ID zu bekommen. Diese bescheuerte Nummer treibt mich wirklich in den Wahnsinn, dazu später mehr.

Immerhin erschien ich mit der Personennummer auf dem offiziellen Radar, was bedeutet dass ich endlich einen Arzt zugewiesen bekam. Ab diesem Zeitpunkt durfte ich krank sein! Man darf nämlich nur zu dem Allgemeinarzt gehen, der einem zugeteilt wurde, und nur mit einer Überweisung von diesem Arzt zu anderen Spezialisten. 

Zum Beispiel dem Ohrenarzt. Ich habe ein kleines Handicap, und das sind sehr kleine Gehörgänge. Das ist eigentlich nicht weiter schlimm, wenn ich regelmäßig zu einer Ohrenreinigung gehen kann. Passiert das aber nicht, ist die Kacke am dampfen. Wirklich.

Ich merkte schon Anfang Februar, dass es knapp wird, und wachte nachts oft mit Ohrenschmerzen auf. Aber – keine Personennummer, kein Allgemeinarzt, kein Ohrenarzt. Also wartete ich ab.

Anfang März, mit Personennummer, bekam ich den Brief mit der Adresse einer, ab sofort meiner, Ärztin. Ich machte mich direkt auf, und tigerte eine ganze Weile durch den Gebäudekomplex, in dem diese Ärztin ihre Praxis haben sollte. Nachdem ich nichts Konkretes fand, setzte ich mich einfach in einen offensichtlichen Wartezimmerbereich. Und bekam mit, wie eine Frau neben mir eine vorbeieilende Schwester fragte, was denn mit Frau XY, meiner Ärztin sei, sie sei gar nicht mehr ausgeschildert. „Na die hat aufgehört!“. Aha? Wieso erfährt man das nicht? Und wo gehe ich jetzt hin?

Man hat das Recht darauf, bis zu zweimal pro Jahr seinen Arzt zu wechseln. Das passiert – natürlich online. Und dafür brauche ich eine Bank ID. Da mein Reisepass noch nicht fertig war hatte ich die nicht, und somit wiederum keine Möglichkeit zu einem Arzt zu gehen.

Seid ihr schon verwirrt? Das ist erst der Anfang.

Also machte ich mich über eine Alternative schlau, die Ohren wurden dringend. 
Ein Norweger hat hier zwei Unternehmen mit dem selben Konzept gegründet. Eine Friseurkette, in der am Fließband Haare geschnitten werden, ohne Termin, zum Festpreis und in einem festen Zeitrahmen von 15 Minuten pro Kunde. Schnell, unkompliziert, unpersönlich.

Diese Kette läuft gut, und deshalb hat dieser Mann ein zweites Unternehmen aufgebaut. Das selbe Konzept, für private Ärzte. Man kann online unkompliziert einen Termin buchen, Montag bis Sonntag, zahlt einen Festpreis und bekommt 20 Minuten mit einem Arzt. Keine Sprechstundenhilfe, extrem kleine Räume, Masse statt Klasse. Auch das läuft gut. 

Also habe ich dort einen Termin gebucht. Vor der Arbeit schnell dieses Ohrenproblem klären lassen und weiterschweben, so hatte ich mir das gedacht. Ich habe naiverweise immer noch ein Urvertrauen in Ärzte. Der Kittel in weiß wird doch wissen, was zu tun ist?

Der Kittel in weiß war extrem jung, nervös und unerfahren. Immerhin stellte sie direkt fest, dass meine Ohren unnormal klein sind, und gereinigt werden müssen. Sodann kramte sie ein Gerät aus ihrem Schrank und baute es umständlich auf. Es sah aus, als hätte sie es noch nie zu vor benutzt. Als es nicht funktionierte, wies ich sie darauf hin, dass vielleicht noch der Power On-Knopf zu drücken ist. Und schon spritzte Wasser aus der Düse.

Die nächsten zehn Minuten bestanden aus viel Wasser, das überall hin gelaufen ist und sich in meinem Schoß sammelte, was später natürlich original so aussah wie eingepinkelt.
Erfolgreich verstopfte die Dame meine Ohren damit endgültig. „Ich höre jetzt links nichts mehr!“, bemerkte ich, nicht allzu vorwurfsvoll, denn ich sah dass der Stresslevel der Ärztin schon enorm hoch war. „Das geht in ein paar Minuten wieder weg.“ Aha. Ich lebe ja nun schon eine Weile mit diesen Ohren, und weiß dass es nicht so ist. Aber ich sagte nichts weiter.
Auf der rechten Seite wiederum, meinte die Ärztin eine Infektion entdeckt zu haben. Davon wollte sie eine Probe einschicken. Mit einem langen Wattestäbchen stichelte sie in meinem Ohr herum, und erwischte mehrmals diese Stelle. Und das war wirklich krass. So einen Schmerz habe ich noch nie gespürt, mir schossen sofort die Tränen in die Augen.  Ich konnte die nächsten zwei Stunden einfach nicht mehr aufhören zu heulen. Keine Ahnung was das war. Wie ein umgelegter Schalter.

Da sie einsah, dass nicht viel erreicht wurde, stellte sie mir wenigstens die heißersehnte Überweisung zu einem Ohrenarzt aus. 
„Wie lange dauert das bis ich einen Termin bekomme?“ 
„Wahrscheinlich 2 – 4 Wochen.“
„Auch wenn es akut ist?!“
„Naja, wenn bei der Probe was rauskommt geht es vielleicht schneller. Aber ansonsten nicht.“
Ich bezahlte brav meinen Betrag, sollte in einigen Tagen Bescheid bekommen was bei dieser Probe herauskommt und machte mich auf und davon. Der Weg zur Arbeit war peinlich, weil ich nicht aufhören konnte zu weinen. Ich hörte auf einem Ohr nichts. Und das alles sollte erst in ein paar Wochen behoben werden. Auf der Arbeit merkte meine Kollegin sofort dass etwas nicht stimmt und ich konnte mich bei ihr zu Ende ausheulen.

Das norwegische Gesundheitssystem? Ich werde es nicht wagen, hier ernsthaft krank zu werden. Und viele Deutschen haben es mir bestätigt – das ist hier ein ganz anderes Niveau als in Deutschland. Die richtige Therapie zu bekommen ist Glückssache. Dass die Norweger so gelassen sind, ist meistens angenehm. Aber an diesem Punkt ziehe ich deutsche Gründlichkeit vor.

Immerhin ist am nächsten Tag ein kleines Wunder passiert. Da telefonieren etwas ist, was ich am liebsten vermeide, bin ich direkt zu dem Ohrenarzt hingegangen. Die ganze Nacht legte ich mir die Worte zurecht, die die Sprechstundenhilfe davon überzeugen sollten, mir einen früheren Termin zu geben.
Ich baute mich also am nächsten Morgen vor ihr auf (damit bin ich ja schnell fertig) und begann meine Rede. Nach anderthalb Sätzen unterbrach sie mich schon: „Ich habe jetzt einen Termin, wollen Sie gleich hier bleiben?“
Hätte sie nicht hinter einer Glasscheibe gesessen, hätte ich sie geküsst!
Keine zwei Minuten später saß ich bei einer echten, erfahrenen, extrem freundlichen Ärztin. Und sie hat alles wieder gut gemacht. Dabei den Kopf geschüttelt über das, was ich ihr vom Vortag erzählte. Die „Infektion“ sei einfach getrocknetes Blut von der brutalen Behandlung. Sie prüfte vorsichtshalber noch, ob dadurch dauerhafte Schäden an den Trommelfellen entstanden sind. Glücklicherweise nicht.
Und, um diesen wundervollen Arztbesuch zu krönen, gab sie mir auch direkt den nächsten Termin mit, sodass ich nie wieder den Umweg über zweifelhafte Allgemeinärzte machen muss. 

Diese Geschichte ging also gut. 

Trotzdem brauche ich nach wie vor eine Bank ID. Um den Vertrag für mein Kautionskonto zu unterschreiben. Glücklicherweise ist der Vermieter geduldig, das hätte ich nämlich schon Ende Februar machen müssen.

Um Vipps einzurichten. Vipps ist eine App um Geld zu überweisen, und von der Kirche über den Flohmarkt, jeder bezahlt nur noch damit. Ein weiteres kleines Detail, das zeigt dass man noch nicht dazugehört und das Leben umständlicher macht für alle Beteiligten. Kein Mensch verwendet hier noch Bargeld.

Um meinen Allgemeinarzt zu wechseln.

Um mich beim Portal für meine Steuern einzuloggen.

Um die Ergebnisse von dieser ominösen Probe einzusehen. Ja, sogar das passiert online und ich habe zur Zeit keinen Zugriff darauf!

Mittlerweile habe ich ja einen Reisepass und die Bank ID schon lange beantragt. Der Brief dafür ist auch bei meiner Post angekommen. Und schon zweimal habe ich versucht, den ausgehändigt zu bekommen. Man muss sich mit seinem Reisepass ausweisen, und dieser wird gescannt. 

Aus irgendeinem Grund hat der Scanner ein Problem mit meinem nagelneuen, Reisepass. Es gibt immer eine Fehlermeldung. Samstag trieb ich einen völlig gestressten und unfreundlichen Mitarbeiter damit in den Wahnsinn, bis er mich wegschickte und meinte an Wochentagen seien erfahrenere Leute da.

Gestern stand ich 40 Minuten an dieser Poststelle, mein Pass wurde unzählige Male gescannt. Hinter mir aus der Schlange mischte sich eine junge Frau ein und meinte, sie arbeite mit Pässen, ob sie mal gucken könne … Daraufhin beratschlagte sie sich mit dem Postangestellten, der Scan sieht eigentlich gut aus, keiner weiß woher die Fehlermeldung kommt.
Sie ging einkaufen, der Angestellte telefonierte sonstwo herum um herauszufinden was an dem Gerät kaputt ist. Ich wollte so gerne diesen blöden Brief bekommen! Wenn er nicht innerhalb einer Woche abgeholt wird, wird er nämlich wieder zurückgeschickt. Nix mit Bank ID.
Die Frau aus der Schlange war fertig mit einkaufen, ich stand immer noch da. Sie entpuppte sich als Deutsche, versuchte weiter zu helfen, ob ich mich nicht mit meinem deutschen Personalausweis ausweisen könne.
Nein, das geht nicht, da steht nämlich das Geschlecht nicht drauf, dieses Dokument wird in Norwegen nicht anerkannt.

Und somit musste ich auch dieses Mal unverrichteter Dinge wieder abziehen. Sie versuchen, das Gerät zu reparieren, ich soll in zwei Tagen wiederkommen. Ich hoffe, dass der Brief dann noch da ist.

Ist es nachvollziehbar, dass ich mittlerweile von diesem norwegischen Onlinekram extrem genervt bin? So dumm kann man gar nicht denken, wie es an jeder Stelle kommt. Und alles hängt zusammen, sodass eine einzelne fehlende Komponente dafür sorgt, dass man außen vor steht. Deutsche Bürokratie ist Urlaub dagegen.

Ich harre natürlich weiter aus und hoffe. Bald bricht der vierte Monat hier an, vielleicht habe ich es ja dann doch bald mal endlich geschafft, Teil dieses Systems zu werden! Und dann muss ich auch eine Weile hier bleiben, so hart wie das erkämpft ist.

Ist lang geworden heute, und deshalb fang ich nicht noch an, über Wohnung und Allgemeinzustand zu erzählen. Aber auch dazu schreibe ich euch bald!

Lasst es euch gut gehen, genießt den Frühling! Man sieht sich. 

Samstag, 23. Februar 2019

Manchmal ist es nicht so cool

Es ist leichter, zu schreiben wenn es einem richtig gut geht. Im Moment ist es nicht so, aber da das auch zur Geschichte gehört kommt trotzdem ein Blogeintrag.

Auf einmal bin ich nämlich einsam, fremd, alleine, weit weg. Was fast zwei Monate überhaupt kein Problem war, kommt jetzt mit Wucht, warum auch immer, verspätet. Abends. An den Wochenenden. Ich dachte, ich bin jemand der gut mit sich selbst auskommt und es endlos genießt, wenn niemand da ist, vor allem nach den letzten fünf Jahren im Wohnheim ohne jemals Ruhe zu haben. Stattdessen merke ich, dass ich unendlich viel Gemeinschaft und Dialog brauche.

Gleichzeitig hat meine Wohnungssuche Fahrt aufgenommen, ich war beinahe jede Woche bei 3 – 4 Besichtigungen und gerade als ich mich entschlossen hatte, nach einer WG zu suchen, bot sich mir die perfekte kleine Einzimmerwohnung an, die im besten Teil der Stadt liegt. Und eine Entscheidung musste innerhalb eines Tages getroffen werden.

Wenn ich sage, dass ich schlecht bin in Entscheidungen, antworten mir die meisten "Oh, ich auch!". Aber ernsthaft, meine Unfähigkeit zu einem Entschluss ist extrem, und erzeugt endlos Panik und Verzweiflung. Ich konnte nicht schlafen, ich hatte Angst davor mich falsch zu entscheiden. Ich suchte nach Alternativen, fand aber nichts.
Ich habe meine Kollegen in den Wahnsinn getrieben mit endlosem Abwägen von Vor- und Nachteilen von WGs und Wohnungen. Es hat sich alles aufgewogen, und es gibt zu allem gute und schlechte Beispiele. Manche werden in WGs Freunde fürs Leben, andere finden es so schlimm dass sie lieber Überstunden machen als nach Hause zu kommen. Manche genießen es alleine zu wohnen, anderen fehlt etwas. Letzten Endes konnte mir niemand einen anderen Rat geben als "Das musst du selbst entscheiden".

Das habe ich also, ich musste. Ich hätte gerne noch ein paar Wochen weiter darüber gebrütet. Aber so funktioniert das Leben nicht, und vor allem nicht der Wohnungsmarkt.
Ich werde also ab März eine kleine Einraumwohnung mitten in Grünerløkka mieten, gegenüber einer Designhochschule und direkt am Fluß. Es ist wunderschön, und ich glaube ich kann mich dort wohlfühlen, besonders im Sommer.
Habe ich den Schritt bereut? Schon tausend Mal, das gehört zu meiner Entscheidungsunfähigkeit dazu.

Auf Instagram ist mir ein Zitat aus der ZEIT begegnet:




Ich finde es wunderbar, und versuche, mich öfter daran zu erinnern. Weder geht die Welt unter, wenn ich mich falsch entschieden habe, noch kann ich es nicht irgendwann (nach einem Jahr Mindestmietdauer …) rückgängig machen. Warum diese Angst vor einem Fehler. Die Angst, etwas zu verpassen. Ich probiere es jetzt einfach aus.

Trotzdem ist die ganze Wohnungssache immer noch furchteinflößend. Eine große Menge Kaution muss auf ein bestimmtes Konto überwiesen werden. Für diesen Vertrag brauche ich eine Bank-ID, für diese ID ein norwegisches Konto, und das dauert Ewigkeiten und hängt mit meinem deutschen Reisepass zusammen, den ich auch erst in frühestens einer Woche erhalten werde. Jede Kleinigkeit ist so unglaublich kompliziert hier in Norwegen!
Außerdem brauche ich unendlich viel, in der Wohnung ist bis auf eine Küche nichts. Besteck, Möbel, ... Bis ich meine eigenen Habseligkeiten habe muss ich mir eine Luftmatratze von meiner Kollegin borgen. Dann muss ich mich um ein Stromabo kümmern. Es gibt unterschiedlichste Arten Strom zu beziehen, entweder mit Festpreis, oder mit Momentpreis, oder eine Kombination aus beidem, zusätzlich zahlt man auch noch eine Gebühr um das Stromnetz an sich nutzen zu können … Ich weiß nicht ob es in Deutschland auch so schwierig ist. Wenigstens Internet ist schon da.

Das ist mir alles viel zu erwachsen. Da muss ich jetzt durch. Bald ist (doch hoffentlich) Frühling, ich freue mich auf den nächsten Besuch zu Hause und auf den Moment, wenn die Wohnung wohnlich, zum Zuhause geworden ist. Ich glaube, das dauert noch lange.

Ich bin euch sehr dankbar, wenn ihr weiter im Gebet an mich denkt. Ich würde mir im Moment so sehr weitere Personen wünschen, die in der Nähe wohnen und einfach da sind, auch am Wochenende. Mit denen man unspektakulär Zeit verbringen kann, ohne dass es zu einem Riesenevent werden muss. Und dass meine Wohnung zu einem Zuhause wird.

Zum Schluss noch einige neue Erkenntnisse aus diesem Land:

  • Es gibt hier keine Spatzen. Also, wirklich keinen einzigen. Ich sehe Möwen und ein paar Tauben aber das wars. 
  • Die Norweger habens mit dem Feuer. Jede größere Wohnung muss einen zweiten Ausgang haben (gruselig, immer diese Türen in den hintersten Ecken die nie jemand aufmacht und in enge, unbenutzte Treppenhäuser führen), und in jeder Wohnung muss ein Feuerlöscher stehen. Wie ich den in meinem sowieso schon winzigen neuen Heim unterbringe muss ich mir noch überlegen.
  • Es gibt keine Bäume an den Straßen. Schade! In Berlin pflegte ich eine intensive Freundschaft mit dem Baum vor meinem Fenster und ging mit ihm durch alle Jahreszeiten. Hier gibt es zwar Parks, aber die Straßen sind ausschließlich zur Fortbewegung gedacht und werden nicht begrünt. 
  • Wer einen großen Cappuccino/Latte Macchiato/sowas bestellt, bekommt mehr Kaffee, und nicht mehr Milch in die Tasse. Muss man wissen, wenn man sensibel für Koffein ist. 
  • Briefe werden hier von A4 nicht gedrittelt, sondern halbiert. Es kommt mir extrem unhandlich vor, diese Oschis aus dem Briefkasten zu ziehen, auch wenn es sich tatsächlich um die selbe Menge Papier handelt.
  • Norweger machen beim Sprechen ein Geräusch, über das sich die meisten überhaupt nicht bewusst sind. Als ich das beim Mittagessen zur Sprache brachte, brachte ich meine Kollegin vollständig aus der Fassung. Sie macht das auch, glaubte mir aber kein Wort. Es handelt sich um ein einatmendes "Ja", das vor allem mittelalte Frauen benutzen und mir auch in Deutschland schon begegnet ist. Hier ist es aber extrem gebräuchlich und sehr typisch. In die gleiche Kategorie gehören bestätigende Laute, die als zuhörender Gesprächspartner ununterbrochen von sich gegeben werden um zu zeigen dass man aufmerksam bei der Sache ist. Das habe ich mir auch schon angewöhnt. 

Sonntag, 3. Februar 2019

Nach 34 Tagen

Ok, jetzt ist ein Monat umgegangen, gefühlt ungefähr 10 Jahre. Es ist verrückt, fühlt sich aber total normal an – diese Schneemassen, für die ich mich trotzdem immer noch begeistern kann. Die Dunkelheit, die vor kurzem noch meinen Arbeitstag fest eingeschlossen hat, und jetzt rapide weichen muss. "Unser" Haus, Büro, 6 Etagen voller Ideen, Macbooks, Kaffee. Arbeiten ist schön. Und trotzdem sind Wochenenden wundervoll, Freitagabends freue ich mich wieder wie zu Schulzeiten.   Ich kann euch keine zusammenhängende Geschichte über den letzten Monat erzählen, aber von vielen Kleinigkeiten in meinem nordischen Alltag.

Namen. Es ist wie mit Obst – viel Exotisches wird importiert, und man glaubt mittlerweile alles zu kennen. Weit gefehlt. Oder habt ihr schonmal von Leuten gehört, die Gro, Gøril oder Izelin heißen? Alles übrigens Frauen.

Schlittenfahren. Und wenn, dann richtig. Zu der Rodelstrecke schlechthin kommt man mit der S-Bahn, die sich eine halbe Stunde lang einen Berg hoch quält. Dann leiht man sich einen Schlitten aus, der schon optisch klar macht dass die Abfahrt knallharte Action wird und kein Kinderspiel. Den Helm gibt es gratis dazu, und sie werden wissen warum. Die zehnminütige Tour ist furchteinflößend und spaßig, der Boden besteht zum größten Teil aus Eis, der Schnee peitscht einem ins Gesicht, bremsen hilft nicht, die Kurven werden waghalsig genommen und Überholmanöver sind herrlich brenzlig. Wenn der Schnitten dann endlich langsamer wird und austrudelt zittern die Knie, der Rücken schmerzt von den unzähligen Bodenwellen die nicht anders als in voller Fahrt mitgenommen werden können, das Gesicht ist klatschnass und eiskalt. Einmal kurz alle Gehirnzellen wieder einsammeln, dann den Schlitten und schließlich geht es mit der S-Bahn wieder den Berg hoch. Den ganzen Tag kann man das machen.
Eine Kollegin erzählt mir ein paar Tage später, dass auf dieser Strecke regelmäßig Leute nicht nur ernsthaft verletzt werden, sondern sogar sterben. Aber deshalb verzichtet ein Norweger nicht auf irgendeine Art von Wintersport.




Glatteis. Dieses Jahr ist es besonders schlimm, und die Autoritäten sind überfordert. Ständig schmilzt der Schnee und friert wieder fest, jeder Gehsteig ist voller Überraschungen. Man lernt, vorsichtig zu gehen, und trotzdem ist man hin und wieder zu spektakulären Einlagen genötigt um Extremitäten zurückzuholen die sich urplötzlich ganz woanders befinden als man es erwartet hätte. Immerhin geht es den Norwegern auch so, der Trick ist, hinterher so in seinem Trott weiterzugehen als hätte es diese peinlichen eineinhalb Sekunden nie gegeben.

Geburtstag. Ich hatte nicht damit gerechnet, so schnell schon wieder älter zu werden, und somit nichts für diesen Tag geplant. Es fand sich jedoch recht schnell eine Gruppe, mit der ich nach der Arbeit in einer schönen gemütlichen Bar ein Bierchen (Weinchen) trinken gegangen bin. Es war ein sehr netter Abend und ich bin so dankbar für diese Kollegen!


Bürokratie. Ich dachte, mich könne nichts mehr schocken, da ich immerhin die deutsche Zettelwirtschaft kenne. Aber auch in Norwegen versteht man es, beim Amt Frustration aufkommen zu lassen. Vielleicht ist es auch eine Art natürliche Auslese bei den Einwanderern. Zweimal war ich schon an Stelle A, bis ich erfahren habe, dass ich mich zuerst an Stelle B anmelden muss bevor an Stelle A irgendetwas zu machen ist. An Stelle B hatte ich mir schon im Dezember einen Termin reserviert – für Mitte April.
Ohne offiziell angemeldet zu sein und eine ID-Nummer zu bekommen, geht in Norwegen gar nichts. Kein Bankkonto, kein Arztbesuch. Ohne ersteres zahle ich bei jeder Gehaltsüberweisung auf mein deutsches Konto irrsinnige Gebühren. Letzteres macht ein blödes Gefühl. Ich wollte mich eigentlich schon in mein Schicksal fügen, aber die Leute aus der Personalabteilung haben mir geholfen. Bei schwierigen Fällen beauftragen sie eine Firma, die sich nur damit beschäftigt, Ausländern beim Start in Norwegen zu helfen. Und zack, hatte ich zwei Tage später einen Termin bei Stelle B. Nicht unbedingt demokratisch … Trotzdem bin ich natürlich froh, dass jetzt alles in die Wege geleitet ist.

Wohnung. Ich bin auf Suche, aber auch wählerisch. Zudem ist es eine Entscheidung, für die ich mich kaum erwachsen genug fühle. Wie kann ich wissen, ob ich über den Tisch gezogen werde oder nicht? Ob eine Wohnung in Ordnung ist, und der dazugehörige Mietvertrag außerdem? Welche Fragen man bei einer Wohnungsbesichtigung stellt? Eine hätte ich schon bekommen können, aber das Bauchgefühl war dagegen. Außerdem ständig die Frage: was, wenn noch eine bessere kommt? Ich kann kaum verstehen, wie es manche Leute schaffen, zu heiraten. Das muss man sich ja noch viel krasser entscheiden …

Autokorrektur. Ihr glaubt nicht, was für eine Menge an Ärger eine Autokorrektur verursacht, auf die man zwar keinesfalls verzichten kann/will, die aber, sobald man seine Nachrichten auf norwegisch schreibt, ständig querschlägt. Bei. jedem. Wort. Das sind Probleme, mit denen man nicht gerechnet hat.

Apropos Sprache. Ich habe das Gefühl, dass nichts passiert, und dann kann ich in einem norwegischen Meeting plötzlich doch jedem Wort folgen. Und, ganz ganz langsam, auch sprechen. Ich bin froh über ein paar Leute, die immer wieder mit mir üben und mich aus der Englisch-Komfortzone holen. In der Gemeinde spreche ich ausschließlich nur norwegisch, von Anfang an. Dabei bleibt aber manches auch auf der Strecke, ich würde doch manchmal gerne so viel mehr erzählen. Sowieso merke ich, dass man in jeder Sprache, die man spricht, ein bisschen ein anderer Mensch ist. Auf deutsch bin ich viel witziger als auf englisch. Auf norwegisch natürlich stiller. Manchmal verzweifle ich regelrecht an der Unmöglichkeit, das auszudrücken was mir gerade durch den Kopf schießt. Oder mal eben einen trockenen Kommentar im Berliner Dialekt loslassen zu können.

Werbung. Seit ein paar Tagen erhalte ich endlich norwegische Werbung (auf Internetseiten/Instagram/...). Damit bin ich offiziell kein Tourist mehr, sondern Einwanderer, oder?

Fußball bringt mich gerade ein bisschen zum verzweifeln. Ich habe ein kurzes, aber sehr intensives Projekt bekommen, in dem ich innerhalb von zwei Wochen eine Fußball-App visuell und in der Bedienung verbessern soll. So etwas habe ich noch nie zuvor gemacht, außerdem muss ich mein geliebtes Büro verlassen um direkt beim Kunden zu sitzen, das heißt im/am Osloer Stadion, zusammen mit sechs Männern die schon ewig daran arbeiten und alle möglichen Meinungen dazu haben. Ich lerne viel, und hoffe dass es ein gutes Ende nimmt.

Sonntag, 6. Januar 2019

Det ordner seg

Ok, ja. Am Sonntag, ein paar Stunden und unruhige Nacht vor endgültigem Abflug, war nicht mehr viel übrig vom Optimismus. Ich war panisch, traurig, und wunderte mich über so eine dämliche Entscheidung. Tausend Kilometer von meiner Familie wegzuziehen, mein Heimatland hinter mir zu lassen und in eine Stadt zu gehen, in der ich null Personen kenne.

Ich war gar nicht mutig. Ich hätte mich gerne in einer Sofaecke zusammengerollt und wäre für immer dort geblieben.

Stattdessen räumte ich 100 Sachen aus Koffer A raus, packte sie in Koffer B und C. Wog, verfrachtete wieder einen Teil von Koffer B nach A, und von C nach D. Wog. Legte ein Teil mehr auf den "Morgen anzuziehen"-Haufen.
Alles Mögliche ging an diesem Tag schief. Bis zum Abend wusste ich nichtmal, ob beide Brüder mitfliegen würden wie geplant, einer oder gar keiner. Ich musste mich noch um Bustickets vom Flughafen zur Wohnung kümmern. Ich bekam mit, dass man in Norwegen mit dem deutschen Ausweis nicht weiterkommt, sondern einen Reisepass braucht. Erst war ich erleichtert, den überhaupt im Koffer zu haben, und nicht in dem gemieteten Storage in Lichtenberg. Dann stellte ich fest, dass er seit einem Jahr abgelaufen ist. Shit happens. Das heißt Probleme beim anmelden und allen Behördengängen, bei der Kontoeröffnung usw.
Hätte man das vorher wissen und den Pass noch in aller Ruhe verlängern können? Vielleicht. Aber so viele Sachen, die zu bedenken und organisieren waren, weigere ich mich, mich über mich zu ärgern. Eher darüber, dass Norwegen nicht in der EU ist und damit alles dreimal so kompliziert.

"Det ordner seg" – eine norwegische Grundhaltung. Das wird sich alles ergeben. Probier's mal mit Gemütlichkeit. Stress nicht so viel rum.

In der letzten Woche habe ich das oft erlebt. Alles fällt irgendwie an seinen Platz und ordnet sich. Gott greift ein, jeden Tag.

Wir waren in geplanter Personenzahl am Flughafen. Die Koffer waren in Ordnung und wurden angenommen, ich habe dort noch einen vorübergehenden Reiseausweis bei der Polizei machen lassen (Tipp für jeden, der mal in die selbe Situation kommen sollte. Mit einem vorübergehenden Reiseausweis kann man trotzdem fliegen und in die meisten Länder einreisen, auch wenn der eigentliche Reisepass überraschend abgelaufen ist.) Der Abschied war schnell und damit leichter, weil wir plötzlich vor dem Bereich standen in den man nur noch mit Flugticket reinkommt. Es war ein sehr gutes Gefühl, nicht alleine weiterzugehen sondern zwei Kofferträger zu haben! Und die Reise gemeinsam zu erleben.

Und Tschüß! Ab in den Sonnenaufgang.

In Oslo machten wir uns in meiner Wohnung breit, die wir ja ganz für uns hatten. Es fühlte sich erst bedrückend an: diese zwar eingerichtete, aber leblose Wohnung, die irgendwie kahl ist und irgendwie doch an vielen Stellen voller fremder Gegenstände, wie Duschbäder im Bad oder Essen im Kühlschrank. Ich konnte mir nicht vorstellen, daraus ein "Zuhause" machen zu können, aber nachdem ich meine Sachen überall verteilt und ein bisschen umgeräumt hatte ging es schon besser.

Das Bedrückte und Abschieds-Traurige verschwand schließlich, als wir um Mitternacht am Hafen standen. Ich bin kein Fan von Feuerwerks und empfinde Silvester als eine überflüssige Veranstaltung. Aber uns bot sich eine wirklich gute Show. Eine große Menschenmasse hatte sich dort versammelt, und anstatt dass jeder seinen eigenen Dreck in die Luft schoss gab es ein großes, offizielles Feuerwerk. Beeindruckend, visuell, und auch akustisch, denn über dem Wasser dröhnten die Feuerwerkskörper richtig. Die Menge freute sich: besonders große Raketen wurden mit einem begeisterten "Ooooh!" kommentiert. Ein schönes, gemeinsames Erlebnis das mir Oslo sehr lieb machte.

Am 1. Januar fuhren wir drei (nach dem Ausschlafen) mit der U-Bahn auf den Holmenkollen, einer berühmten Skischanze, und machten dort einen herrlichen Spaziergang durch ganz viel Schnee, bei strahlendem Sonnenschein. Auch das ließ in mir ein gutes Gefühl in Bezug auf Oslo zurück.




Am 2. sind die Jungs früh morgens wieder zurück zum Flughafen gefahren. Das hätte wieder ein Grund für Einsamkeit und schlechte Stimmung sein können – aber: det ordner seg! Ich traf mich mit einer Deutschen, die auch erst im September nach Oslo gezogen ist. Ich hatte sie über facebook gefunden und wir tauschten unsere Erfahrungen bei Kaffee aus. Damit verabschiedete sich das Alleine-Gefühl!

Abends war ich nervös vor dem ersten Arbeitstag, aber völlig unnötig. Ich habe mit zwei anderen zusammen angefangen, und wir wurden gemeinsam überall herumgeführt, vorgestellt, bekamen interne Strukturen erklärt und hatten auch Zeit um uns mit unseren neuen Computern und Arbeitsplätzen einzurichten. Es war entspannt und herzlich, ich freue mich wahnsinnig, Teil dieser Agentur geworden zu sein. Um Punkt vier Uhr war natürlich Feierabend, wie man das hier so macht.

Was mich diese Woche noch ein bisschen quälte, war das Einkaufen. Muss ich wirklich auf Gurken verzichten weil ich es nicht mit mir vereinbaren kann, dafür umgerechnet pro Stück über 2€ zu bezahlen? Genauso wie Salat, Äpfeln, Orangen, ... ?
Auch diese Sorge löste sich in Luft auf. Meine in Oslo geborene Kollegin zeigte mir am Freitag einen Laden in einem weniger guten Teil der Stadt, der Obst und Gemüse tatsächlich auf deutschem Preisniveau verkauft, wie auch immer er das schafft. Es ist ein großes Gedränge und Geschiebe, unübersichtlich und anstrengend, aber lohnt sich absolut. Ich war euphorisch. Ein Grund mehr, Oslo zum Zuhause werden lassen zu können!

Freitagabend war ich bei einem Treffen für internationale Neue in Oslo. Ich wusste, dass der Organisator Deutscher ist, und stellte mich ihm vor. "Gibt viele Deutsche heute, da sitzt auch eine", meinte er, und deutete auf eine Jacke die auf der Bank lag. Ich ließ mich daneben nieder. Als sie dann von der Toilette kam, schauten wir uns an und waren beide erstmal ein paar Sekunden sprachlos. "Wir kennen uns ...!?" Tatsächlich haben wir viele gemeinsame Touren bei der Obdachlosenhilfe in Berlin gemacht. So ein wahnsinniger Zufall! Wir konnten es beide den ganzen Abend nicht fassen, haben aber viel gequatscht und werden sicherlich noch einiges miteinander unternehmen.

Wiedersehen in einer Osloer Bar

Schlussendlich, um die Reihe dieser vielen tollen Erlebnisse und Fügungen für diese Woche zu beenden, war ich heute in der Gemeinde die ich mir im Vorhinein ausgeguckt hatte, und bin auch hier überzeugt, am richtigen Ort zu sein. Nicht nur, dass sie ziemlich in der Nähe ist, ich habe direkt Anschluss mit netten Norwegern gehabt, die Predigt ohne Übersetzung verstanden, guten Kaffee getrunken und fühlte mich wohl. Eine Kleingruppe habe ich auch schon und bin gespannt, was für Menschen ich in der nächsten Zeit näher kennenlernen werde.

Vielen vielen Dank für eure Gebete, sie bewegen wahnsinnig viel!! Die nächsten Schritte sind eine eigene Wohnung/WG und weiterhin ein gutes Ankommen auf der Arbeit, in der Gemeinde und der Stadt. Auch das Norwegische möchte ich gerne bald beherrschen, und wenn möglich nicht so bald krank werden – ich habe das System hier noch nicht verstanden :)

Freitag, 28. Dezember 2018

Zwischen

Zwischen den Jahren. Zwischen Umzugskartons. Zwischen zwei Hauptstädten. Zwischen Wehmut und Vorfreude. Das ist anstrengend auf allen Ebenen! Aber gleichzeitig erlebe ich ein großes Wunder: Gott schenkt mir so viel Kraft und Ruhe, dass ich völlig verblüfft bin.

Vorgezogenes Heimweh, Schwermut über den Abschied, Trauer um das was war und vielleicht nicht wieder wird, hatte ich erst an zwei Tagen in den letzten drei Monaten. Da ich mich mittlerweile kenne wäre ich stark davon ausgegangen, dass es jede einzelne Minute so sein würde. Abschiede kann ich überhaupt nicht, Sorgen machen umso besser. Letztes Jahr vor Haugesund ging es mir schlecht, jedes Mal bevor ich nach Haiti gereist bin, vor meinem Umzug nach Berlin sowieso ... 
Aber jetzt nicht. Ich freue mich auf das neue Leben, neue Freunde, neue Möglichkeiten. Natürlich bin ich manchmal auch ein bisschen traurig, so viele Menschen die mich wirklich lieben hinter mir zu lassen und an einen Ort zu gehen wo ich jetzt erstmal allen noch ziemlich egal bin. Aber dafür freue ich mich auch jetzt schon auf die vielen Wiedersehen und Besuche.

Gott denkt an alles, nicht nur an die äußeren Umstände sondern auch die inneren. Allein würde ich im Leben nicht in ein fremdes Land ziehen (können), aber mit seiner Hilfe muss ich nur Schritt für Schritt gehen und darf komplett vertrauen dass er den Weg kennt, Proviant und Blasenpflaster dabei hat und genügend Pausen macht. 

Kurz vor Weihnachten war ich nochmal zweieinhalb Tage in Oslo, um mein neues Zimmer in Betrieb zu nehmen und eine Kofferladung Kleidung rüberzubringen. Von der Arbeit bekomme ich ja für den Anfang ein Zimmer in einem Apartment gestellt – in toller Lage, mit Spülmaschine, Freundschaftspreis und sogar Putzfrau. Absolut luxuriös. Eigentlich ist es als WG gedacht, aber zunächst werde ich in dieser 3-Zimmer-Wohnung alleine wohnen. Da ich abends oft meine Ruhe brauche um aufzutanken kommt mir das sehr entgegen.





In Oslo muss ich so vieles neu lernen, was ich in den letzten 25 Jahren dachte schon gemeistert zu haben. Grundsätzliches, wie das Sprechen und sogar Gehen (auf ungeräumten, steilen Wegen, das ist kein Spaß! Und irgendwie bin ich die Einzige die an jeder Kreuzung dreimal ausrutscht).
Und Besonderes, wie ein Paket zu empfangen und zu verschicken, Arztbesuche, Schlösser schließen und die Heizung anzuschalten. Außerdem natürlich stadtbezogen: wie komme ich von A nach B (nicht so einfach, wo es doch ständig dunkel ist), wo bekomme ich günstiges Obst & Gemüse (ich bin so verwöhnt vom Maybachufer), wo ist die nächste Bücherei, das nächste Fitnessstudio, der nächste dm (1000 Kilometer südlich) …

Ich fordere meine Neuronen in der nächsten Zeit also maximal heraus und werde noch viel Zeit und Gedanken investieren müssen, bis ich es so gemütlich und routiniert haben werde wie in Berlin. Mein jugendlicher Leichtsinn sagt dazu aber: "Wird schon!"

In Oslo lag Schnee, und nicht zu knapp. Weil es sich vielleicht nicht lohnt, werden die Bürgersteige nicht geräumt und nicht gestreut. Wie schon erwähnt, komme ich dem Boden damit häufiger nah als geplant, während alle anderen, ob mit Absatzschuhen oder Krückstock, sich von den spiegelglatten Straßen überhaupt nicht beeindrucken lassen. Aber auch hinter dieses Geheimnis werde ich kommen. Und mir bis dahin eine Monatskarte kaufen. Aus gesundheitlichen Gründen.

Abgesehen von dieser Gefährdung war sie wunderschön, diese vorweihnachtlich beschneite Stadt. Zwei Dinge gibt es in Oslo nicht: Hupen und rot/grün/blau-blinkende Weihnachtsbeleuchtung. Stattdessen liegt eine friedliche Ruhe über der Stadt, aus den Fenstern scheint es warmweiß auf die Straßen und das alles überträgt sich direkt auf die eigene Stimmung. Ob ich in Zukunft viel mehr Energie haben werde, weil ich mich weniger ärgere, weniger Stress habe und vor allem zu Hause wirklich zur Ruhe kommen kann anstatt mich mit meinen Nachbarn auseinanderzusetzen? 



Aber noch bin ich im hektischen Berlin und staple Kisten. Und stopfe Koffer, ähnlich wie ich es mir bei einem Missionaren vorstellen würde der für fünf Jahre in den Dschungel ausreist: noch ein schönes Naturkosmetik-Duschbad, weil sie sowas da drüben ja nicht haben. Gewürze, weil die da drüben so teuer sind. Nüsse, man weiß ja nicht was man kriegt. Früchtetee, denn dort gibt es ja nur Grün- und Schwarztee. Und so weiter. Zwischendurch immer wieder das besorgte Überprüfen mit der Kofferwaage. Es wird eine knappe Kiste! Aber im Notfall ziehe ich am Flughafen noch ein paar Lagen mehr an. 

Morgen ziehe ich aus. Montag fliege ich rüber. Und Donnerstag geht der Ernst des Lebens los. Mit mir gibt es noch eine andere Neue in der Abteilung, und insgesamt sind wir vier Neue bei Making Waves. Das ist toll, da bekommen wir einen guten gemeinsamen Einstieg. 

Was ich mir für die nächsten Wochen wünsche: 
Dass der Flug gut geht, und alle Gepäckstücke intakt in der neuen Wohnung ankommen.
Dass diese Gelassenheit und Ruhe anhält, und nicht irgendwann ein Einbruch kommt. Und dass diese Zuversicht auch alle erreicht, die mich vielleicht sehr vermissen könnten.
Dass ich meinen Platz finde, sowohl auf der Arbeit als auch in einer Gemeinde und in der Stadt.
Dass mir zur richtigen Zeit die richtigen Leute begegnen, als Unterstützung, Freunde oder neue Mitbewohner. Denn ich würde gern zum ersten Mal in meinem Leben in einer richtigen WG wohnen. 

Wenn ihr könnt, unterstützt mich weiterhin betend! Dann geht es ganz schnell, und aus dem Zwischenzustand wird ein Ankommen. 

Sonntag, 4. November 2018

Der lange Weg nach Oslo

11 Uhr 17, 3. August. Ich klicke auf Senden und meine Bewerbung wird nach Oslo verschickt. Die dritte an diesem Tag. Das reicht erstmal, denke ich, und freue mich. Es sind tolle Agenturen. Jetzt geht es los! Hätte ich gewusst, wie viele noch folgen werden …

Nachmittags, 28. August. Jeder Muskel zittert, der Tag war anstrengend. Ich schalte mein Handy ein und halte es minutenlang hoch. Die Karpaten bieten viel, aber keinen Internetempfang. Was, wenn ich jetzt eine Rückmeldung auf eine Bewerbung bekomme?


15 Uhr 32, 11. September. Ich schreibe eine e-Mail an meine Vermietung und bitte darum, doch noch länger wohnen bleiben zu dürfen als bis Oktober. „Es gestaltet sich mit der Arbeitssuche als schwieriger als angenommen.“ Dabei will ich hier so bald wie möglich weg! Allerdings erhalte ich meistens überhaupt keine Reaktion auf meine Bewerbungen, manchmal ein "Gerade brauchen wir niemanden, wir behalten deine Kontaktdaten aber" und selten ein Nein.


Am nächsten Tag. Ich schicke meine ersten Bewerbungen nach Stockholm. In Oslo gibt es kaum noch eine gute Agentur, bei der ich mich nicht schon beworben habe, es sind schon über 20. Ich war mir so sicher gewesen, dass ich dorthin soll, seit Monaten habe ich das Gefühl. Ich verstehe das nicht und mir rennt die Zeit davon. Eigentlich will ich nicht wirklich nach Stockholm, oder überhaupt von meinem Plan abweichen. In Berlin bleiben? Noch viel weniger, das wäre aufgeben. Ich will was Neues!
Aber ok Gott. Entscheide du. Ich stell mich dann darauf ein.


Zwei Stunden später. Ich stoße auf „Making Waves“ in Stockholm. Die Website sieht ziemlich gut aus. Sie haben eine lange Liste an Stellenausschreibungen in ihren unterschiedlichen Büros. Unter anderem suchen sie – neuausgebildete Designer für Oslo. Ich erfahre einen gewaltigen Adrenalinschub. Nein, diese Agentur ist mir auf meiner Suche in Oslo noch nicht begegnet, und dabei suchen sie genau solche Leute wie mich. Innerhalb von Minuten ist die nächste Bewerbung auf dem Weg. Ich hoffe wieder, und habe das Gefühl dass es diesmal anders ist. Schreibe an meinen Hauskreis: „Ich glaube, jetzt bewegt sich was!“ 


15 Uhr 55, 19. September. Eine andere Agentur aus Oslo meldet sich, Netlife Design. Sie wollen mit mir sprechen! Endlich! Die ersten. Wir verabreden ein Gespräch über Skype.


Eine Woche später. Ich zittere, und dabei bin ich sonst nie aufgeregt vor Präsentationen. Aber jetzt ist es ein bisschen wichtiger … „Für das Protokoll frage ich Sie: fühlen Sie sich dazu bereit, diese Prüfung anzutreten?“ Ja. Ich präsentiere meine Bachelorarbeit und bekomme eine 1,0. Damit ist das Studium abgehakt.


Am nächsten Tag, ich stehe hinter der Bar an der Arbeit und es ist nicht viel los. Ich checke meine Mails, und Making Waves meldet sich. Sie mögen mein Portfolio und wollen mit mir sprechen. Wow! Wir verabreden ein Gespräch über Skype. Ich bin stolz, jetzt doch zwei Gespräche eingefahren zu haben. Ich halte es geheim und denke mir, dass ich lieber alle überraschen möchte wenn ich dann den Job habe. 


Kurz nach elf, 1. Oktober. Die Verbindung ist schlecht, ich schwitze und mir ist kalt, ich gebe wirklich dumme Antworten obwohl ich mich intensiv vorbereitet habe, und mir fehlt so manch englische Vokabel. Einige Fragen kommen sehr unerwartet. Als das Gespräch mit Making Waves vorbei ist bin ich auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Das lief schlecht, und diese Agentur kann ich wohl abschreiben. So viel zu der Vorstellung, ich könnte das alleine schaffen und hinterher alle überraschen. Übermorgen ist das andere Gespräch, und das muss besser sein. Ich bitte alle möglichen Leute, dafür zu beten. Weil ich verstanden habe, dass ich Gottes Hilfe brauche.


Kurz nach 10, dritter Oktober. Ich bin bei Mama und Papa, es ist ja Feiertag. Ich genieße eine flüssige Internetverbindung und habe ein sehr gutes, nettes Gespräch mit Netlife. Als ich fertig bin, freue ich mich. Abends bekomme ich schon die Einladung, zu einem zweiten Gespräch nach Oslo zu kommen. Na gerne. Ich war ja immerhin noch nie da.


Eine Woche später: ich bekomme auch von Making Waves eine Einladung. Das ist sehr unerwartet! Aber ich sage natürlich zu. 


14 Uhr 40, 16. Oktober. Ich stehe mitten in Oslo am Bahnhof, hinter mir fällt die Tür eines hohen, modernen Gebäudes ins Schloss. Ich bin völlig von den Socken. Das Gespräch mit Netlife war überragend. Sie waren begeistert von dem was ich ihnen gezeigt habe, ihre Fragen konnte ich sehr gut beantworten und selbst auch schlaue stellen. Es kippte innerhalb von 30 Minuten von einem "Ich bewerbe mich bei euch" zu "Wir bewerben uns bei dir, komm her, wir bieten dir das und das!".  Es lief so perfekt, dass ich ganz genau weiß, dass Gott das Steuer übernommen hat. Ich bin überwältigt, diese krasse Auswirkung von meiner Bitte um Gebet zu sehen. Ich glaube, mich jetzt endlich wirklich auf Oslo einstellen zu können, das habe ich schon in den Augen der beiden die mir gegenüber saßen gesehen.


2 Uhr 37. Ich stöhne, drehe mich zum 226. mal um und lausche weiterhin dem Sturm draußen. Es ist der 24. Oktober, ich habe bis jetzt kaum geschlafen und tue es auch in den nächsten zwei Stunden nicht mehr. Um 4 Uhr 6 stehe ich freiwillig auf, bevor mein Wecker die Chance hat zu klingeln. Draußen ist es stockdunkel, und ich mache mich fertig um zum Flughafen zu fahren und innerhalb von zwei Wochen das zweite Mal nach Oslo zu fliegen. Den Weg kenne ich jetzt, und auch wie ich genauso unbeeindruckt und cool das ganze Prozedere hinter mich bringe wie all die anderen schnöseligen Geschäftsleute die nur für einen Tag in alle möglichen Ecken der Welt jetten. Mehrere Gespräche bei Making Waves stehen für den Tag an, nachdem ich am Vortag bereits einige Logik- und Persönlichkeitstests online gemacht habe und außerdem eine Probe-Aufgabe für sie löste. Das Ergebnis dieser musste ich präsentieren und mich dabei filmen, es dann an sie schicken. Aufwändig, die wollen es wirklich wissen!
Ich bin nervös, vor allem aber habe ich extreme Kopfschmerzen und mir ist schlecht, nicht nach reisen und glänzen.
Trotzdem, der Tag verläuft gut. Und, nachdem ich mir in der letzten Zeit ausgiebig den Kopf darüber zerbrochen habe, wohin ich denn wohl lieber wollen würde, zu Netlife oder Making Waves – jetzt weiß ich es. Die heute besuchte Agentur ist der Hammer und ich will dort arbeiten! Nicht nur, aber auch weil sie wirklich guten Kaffee haben.


16 Uhr 36. Ich schaue auf meine Computeruhr, während meine e-Mails runtergeladen werden. Es ist der 26. Oktober. Die Mails sind da, eine kommt von Netlife. Sie bieten mir eine Stelle an. Eine andere kommt von Making Waves. „Hab ein schönes Wochenende!“ steht im Betreff. Sie bieten mir eine Stelle an. 



Und somit habe ich jetzt, nach knapp drei Monaten, 30 Bewerbungen, 4 Flügen und vielen kleineren Krisen tatsächlich einen Job in Oslo. So, wie ich es mir schon zu Silvester vorgenommen und in mein Tagebuch aufgeschrieben hatte. Ich hatte das Gefühl, dass das mein Weg ist, auch wenn es eigentlich keinen vernünftigen Grund dafür gibt. Ich durfte aber sehen, dass Gott mir dabei hilft, diesem Ruf zu folgen – wenn ich ihn denn mit ins Boot nehme und nicht glaube, irgendetwas allein auf die Beine stellen zu können.
Bis es losgeht, habe ich noch ein bisschen Zeit, auch wenn ich es eigentlich kaum abwarten kann. Jetzt packe ich und sortiere aus, versuche meinen Besitz ein bisschen zu minimalisieren. Außerdem werde ich mich mit Online-Kursen, Büchern & Co. auf die Materie vorbereiten, die auf mich wartet. Und noch Zeit mit Familie und Freunden genießen.


Manchmal muss man etwas Neues wagen, um nicht einzurosten. Ich werde ein schön gemachtes Nest verlassen, einen großen Freundeskreis, eine Stadt in der ich mich auskenne und zurechtfinde. Ich werde erst wieder herausfinden müssen, wo man Kaffee trinken kann, wo in die Kirche gehen, wo zum Sport. Das wird bestimmt nicht einfach werden. Aber sich lohnen? Fragt mich in einem halben Jahr nochmal! Ich denke schon.